So, Landung erfolgreich geglückt – wir sind wieder zu hause. Das heißt auch, ich bin mal wieder völlig hinterher, aber so ist das nun mal, wenn die Tage dann doch voller sind als vielleicht gedacht und man abends eigentlich nur noch umfällt. Ok, Stefan eher nicht, der hat sich, brav wie immer, um die Auswahl und leichte Optimierung der Bilder gekümmert..
Also, schauen wir doch nochmal zurück. Den Mittwoch hatten wir ja, wie bereits berichtet, im dichten Nebel verbracht. Schaut dazu gern nochmal hier nach. Und was nach Mittwoch folgt, weiß auch jeder, nämlich Donnerstag, der sonnige Tag natürlich. Weil nach Nebel kommt immer auch Sonnenschein, nicht wahr? 🙂 Es hieß aber auch: Reisetag. Denn vom Ring of Kerry sollte es jetzt nach Macroom gehen. Noch nie gehört? Kein Problem, kannten wir vorher auch nicht. Ist etwa 40 Autominuten westlich von Cork.
Staigue Fort
Bevor es aber los ging, hieß es natürlich Sack und Pack zusammenzuwuseln, aber das haben wir recht fix hinbekommen. Also ging es quasi direkt los, erstes Ziel: das Staigue Fort. Eigentlich sind wir schon mehrmals dran vorbeigefahren, aber haben den Stopp bis Donnerstag nicht gemacht. Warum? Naja, Wetter und so. Vielleicht wollten wir uns diesen Stopp aber auch für den Schluss von Kerry aufheben. Wer weiß.
Also fuhren wir wie so oft dieser Tage über die enge Straße, die uns direkt zum Fort brachte. Und was uns erwartete? Ein fast menschenleeres Fort. Nur ein Auto stand auf dem Parkplatz und wir konnten zwei Personen im Fort sichten, bzw. auf dem Fort. Die verpieselten sich aber, nachdem sie merkten, dass sie nicht mehr alleine waren. Wir liefen zum Tor, wo erstmal ein Schild stand, dass wir doch bitte einen Euro latzten sollten. Kein Problem denkt der Schwabe. Nen Euro haben wir sicher im Klingelbeutel und so stiefelte Stefan zurück zum Auto und zauberte zwei Euro für unseren Eintritt herbei. Man hätte natürlich auch ohne Eintritt reingekonnt, aber ehrlich gesagt find ich es nur fair, für sowas monumentales zu zahlen. Vermutlich hätten wir auch 5 Euro gezahlt 🙂
Da wir dann natürlich, nachdem die anderen zwei sich verpieselt hatten, das Fort für uns hatten, konnten wir auch die Drohne rauspopeln und einen Blick von oben auf dieses riesige Fort werfen.
Ein paar Fakten gefällig? Ok, aber nur ein paar kurze, aber dennoch beeindruckende Zahlen. Denn der Durchmesser des Forts liegt bei ca. 27 m – 30 m (ich glaube hier hat man wohl ein Ei geformt, dabei sieht das von oben gar nicht eierig aus :-)). Dass die Mauern hoch, nämlich bis zu 6m, und etwa 4m dick waren, konnte man ja auch von außen ganz gut wahrnehmen. Denn wie immer gab es natürlich auch einen Eingang, durch den man laufen musste, um in das Innere des Forts zu kommen. Wie bei fast allen von uns besuchten Forts war auch hier die Innenseite wieder mit den berühmten Treppen, die auf den Wehrgang hinaufführten, zu finden. Was das Alter des Forts angeht, da ist man sich ziemlich einig, denn das ist auf eine Errichtung zwischen 300 – 400 n. Chr. datiert. Das ist in der späten Eisenzeit (und, wer weiß, wann die Eisenzeit genau war?) bzw. in der frühchristlichen Phase Irlands. Das Fort an sich gehört zu den größten und am besten erhaltenen Anlagen und gehörte wohl einer reichen Familie, die besonderen Schutz nötig hatte. Nicht zu vergessen, das gesamte Fort ist ohne Mörtel gebaut worden. Die vermutlich mehreren Gebäude, wie ihr sie in anderen Forts gesehen habt, sind in diesem nicht mehr sichtbar bzw. haben die Zeit nicht überdauert. Aber das genug zu den Fakten. Wie das Fort verortet ist, könnt ihr glaub auf dem folgenden Bild ganz gut erahnen. Denn es liegt etwas erhöht in einem Tal mit einem tollen Blick auf den Atlantik. Mehr kann man damals kaum gewollt haben – und auch heute nicht. Ein perfektes Plätzchen für ein Häuschen 🙂

Kenmare & Sheen Cascade
Vom Staigue Fort ging es dann nach Kenmare, eine kleine Stadt, die ich aber schon ein bisschen kannte. Dort suchten wir eigentlich nach einem kleinen Café, um etwas zu futtern, doch irgendwie machte mich an diesem Morgen nichts an, so blieb es bei einem Iced Americano und einem kleinen Abstecher in eine kleine Galerie mit handgemachten lokalen Produkten. Und siehe da, nicht unsere Tassensammlung hat sich erweitert, sondern unsere durchaus schon üppige Schafherde hat einen neuen kleinen blauen Freund bekommen, der nun zuhause sein Plätzchen auf unserem Regal gefunden hat, umrahmt von Wollschafen. Es ist nämlich eines aus Keramik und irgendwie fand ich blau dann doch sehr passend – eigentlich fehlt nur das Guiness.
Da wir Kenmare dann doch recht fix verließen und somit auch den Ring of Kerry verließen, hieß es nun weiter Richtung Bantry. Ein Ort, der eigentlich am Eingang der Beara-Halbinsel liegt. Doch bevor wir in Bantry ankamen, fanden wir noch einen kurzen Fotospot, direkt hinter Kenmare. Vermutlich fahren 99% einfach dran vorbei, aber wir hielten an und konnten nicht nur a bissl mit der Drohen rumfliegen, sondern nebenbei auch noch ein paar Langzeitbelichtungsfotos vom kleinen Wasserfall machen. Die Sheen Kaskaden entstehen durch den Sheen Fluss, der unweit der Stadt in die Kenmare Bucht mündet.

Von den Kaskaden ging es dann weiter über den Caha Pass, von dem man auch einen wunderbaren Blick in die Landschaft, das Tal und natürlich am Horizont wieder auf das Wasser hatte. Es war fast ein bisschen ungewohnt, die ganze Zeit von der Sonne begleitet zu werden, aber wir haben das durchaus genossen nach der Nebelsuppe der letzten Tage.



Bantry House & Garden
Nachdem wir den Pass überquert hatten, ging es direkt nach Bantry, eine Kleinstadt mit knapp 3000 Einwohnern, aber einem dicken Herrenhaus, das etwas oberhalb der Bantry Bay liegt. Das Haus ist seit dem 18. Jahrhundert in Familienbesitz, den ehemaligen Earls of Bantry, heute einfach nur noch Familie White.
Das Haus verfügt über eine große Sammlung an Kunstschätzen aus ganz Europa, die der 2. Earl of Bantry bei seinen Reisen auf dem Kontinent zusammengetragen hat. Doch neben Kunst fand ich einen anderen Fakt interessanter: Soldaten auf Fahrrädern. Während des Zweiten Weltkriegs verwandelte sich das idyllische Bantry House in einen militärischen Stützpunkt. Wo einst Grafen flanierten, schlugen rund 800 Soldaten des 4. Bataillons ihre Zelte auf, während das gesamte Herrenhaus samt Stallungen von der 2nd Cyclist Squadron der irischen Armee besetzt wurde. Die Soldaten sind nicht mehr da, aber die Stallungen – zumindest ein Teil, ist noch vorhanden und wird heute zum Teil als Veranstaltungsstätte genutzt. Der zweite Teil der Stallungen, früher eine Werkstatt, ist leider stark verfallen und dient heute eher als Lost Place, als als Werkstatt. Ursprünglich galt das Haus auch als Küstenschutz gegen die Franzosen. Heute ist das Haus ein Tourismusmagnet mit seinen Gärten und einem kleinen Café. Und wer herrschaftlich nächtigen möchte, kann das ebenfalls in Bantry House.
Aber nun bitte einmal Bühne frei für Bantry House & Garden



Baltimore Beacon
Von Bantry ging es ganz in den Süden nach Baltimore. Nene, wir sind nicht in die USA rübergeflogen, keine Sorge. Baltimore ist ein kleiner, recht postkartentauglicher, Küstenort ganz im Südwesten von Irland. Natürlich hatte ich hier ein Ziel im Kopf, weshalb wir diesen Umweg überhaupt in Kauf nahmen. Denn der direkte Weg zu unserer Unterkunft war das wahrlich nicht. Auf meiner nicht vorhandenen Liste stand nämlich der Baltimore Beacon – im irischen Volksmund auch Lot’s Wife genannt. Lot´s Wife fragst du dich? Tja, es gibt eine Geschichte aus der Bibel, wo die Frau von Lot beim Blick zurück zu Salzsäure erstarrt ist. Das wieder typisch, dass natürlich die Frau zur Salzsäure wurde 😛 Der Beacon ist eine strahlend weiße Steinsäule – daher wohl der Vergleich 🙂 Man könnte meinen, es ist ein klassisches Leuchtfeuer, aber wo ist das Licht? Obwohl der Beacon oberhalb der Hafeneinfahrt thront, besitzt er kein direktes Leuchtturmlicht. Man nennt solche Beacons auch Tagesmarkierungen – und ja, die Tage in Irland sind irgendwie, vor allem im Sommer, nochmal länger als bei uns in Deutschland. Das hatte ich so auch nicht auf dem Schirm.
Jedenfalls thront der Beacon schon seit 1849 dort. Nachdem wir uns dann durch das Örtchen gekäpmpft hatten, parkten wir am Fuß der Klippe und stapften hoch. Im Gepäck hatten wir natürlich die Drohne, auch wenn wir nicht so viel Hoffnung hatten, dort fliegen zu können. Denn eigentlich ist der Beacon eine der beliebteste Sehenswürdigkeiten. Doch Überraschung – oben angekommen gab es nicht mal eine handvoll Menschen. Doch bevor wir mit der Drohne losflogen, genossen wir erstmal die 360°-Aussicht und den Blick nach Sherkin Island und Cape Clear.
Dann erspähten wir ein paar Kühe, die weit unterhalb auf einer Felsplattform rumlagen. Wie die da hingekommen sind und warum genau dieses Plätzchen? Man weiß es nicht. Aber irgendwie fand ich das amüsant und faszinierend zu gleich. Nachdem ich dann aber mit der Drohne ein paar Runden geflogen bin, kam plötzlich wieder das Panickel durch. Da ich mit meinen Fotos schon fertig war, ist Stefan noch bisschen rumgeflogen und dann – VERBINDUNG zur Drohne weg!!!!! AHHHHH….ja, und da stand sie nun in der Luft, mitten überm Meer bzw. den Klippen. Das hieß – bei Absturz tschüssikowski. Also, was tun?
Tja, mein Mann ist da immer tiefenentspannt – ist ja schließlich nur eine Drohne. Ich stand eher kurz vor dem Herzinfarkt: Was tun? Wieso, weshalb, warum bricht das Ding jetzt ab und wie kriegen wir das gute Stück zurück? In der Panik hieß es erst mal: KI befragen! Eigentlich hat das Teil ja einen automatischen Rückflugmodus (Return to Home), wenn der Akku jammert oder das Signal weg ist. Nach ein bisschen schnellem Einlesen, hektischem Rumfummeln am Controller und einer gefühlten Ewigkeit voller Schweißperlen hatten wir einen Weg gefunden und konnten die Drohne doch noch sicher landen. PUH! Wieder mal Glück gehabt. Dieses kleine Mistvieh hat echt sieben Leben und schon das ein oder andere Malheur überlebt. Dafür: Chapeau, kleine Drohne, dass du mit deinen Jahren auf dem Buckel immer den Weg zurück findest, irgendwie und mit Hilfe, aber immerhin. Und: Du fliegst immernoch! 🙂

Knockdrum Stone Fort
Nun, wer denkt, das war es für diesen Tag, der irrt. Bevor es dann wirklich zur Unterkunft ging, machten wir noch einen kleinen Abstecher zum Knockdrum Stone Fort und den Three Fingers – also den 3 Fingern. Dummerweise waren die Megalithen (Three Fingers) nicht erreichbar, außer wir hätten uns über fremde Felder durchgeschlagen. Also sagten wir uns: Gehen wir halt zum Stone Fort. Da die Parkplatzsituation hier wirklich etwas, naja, beengt war, bugsierten wir das Auto neben ein zweites Fahrzeug. Aber dann war auch Ende Gelände – schnell wegkommen war auf jeden Fall nicht drin.
Dann liefen wir den Berg hinauf, denn das Fort ist auf einem Hügel angelegt und stammt vermutlich aus der Eisenzeit. Wie man wie immer schön sehen kann, gab es auf jeden Fall eine Hütte im Zentrum des Steinforts und eine fantastische Aussicht. Egal wie, die Menschen damals fanden Aussicht (und dadurch natürlich auch den Blick auf den Feind und potenzielle Bedrohungen) wohl auch gut. Lage, Lage, Lage, sagt man da wohl. An der Anlage direkt gab es noch zwei Besonderheiten: Über die Steine, die kreisrunde Beulen haben (die sogenannten Cup-and-Ring-Markierungen), hatten wir ja schon mal berichtet. Hier lag einer dieser Steine direkt am Eingang und die Zeichnung war sehr markant und auffällig. Im Inneren des Forts, ebenfalls direkt am Eingang, stand zudem noch eine Stele, in die ein Kreuz eingearbeitet war. Das deutet darauf hin, dass die Anlage auch in der frühchristlichen Zeit genutzt wurde.


Da wir die Drohne ja glücklicherweise retten konnten, stellten wir ihre Flugkünste erneut auf die Probe. Über dem Fort war das auch kein Problem. Doch wir konnten vom Fort aus auch rüber zu den Drei Fingern schauen. Weißt schon, was das heißt, oder? Natürlich flogen wir auch dahin, um zumindest aus der Luft einen Blick drauf zu erhaschen. Es waren wohl früher mal 5 Finger – vermutlich kam aber wer aus dem Sägewerk vorbei… 😛 Wenn man genau hinschaut, dann sieht man von einem auf der linken Seite noch die Überreste. Ganz rechts sieht man wiederum einen, der scheinbar umgefallen ist. Ein Schicksal, das die verbliebenen drei natürlich auch irgendwann ereilen kann.
Die Steine sind ca. 4 Meter hoch und wie man sieht, haben sie eine leichte Schrägstellung – doch das störte die Kühe im Gehege einfach mal gar nicht. Aber die waren unter anderem auch ein Grund, nicht direkt hinzugehen, sondern lieber aus der Ferne zu schauen.

Wie man aber auch sieht, stehen beide „Sehenswürdigkeiten“ nicht zwingend auf der Bucket-List der breiten Masse, denn sowohl die Steinreihe als auch das Fort hatten wir recht schnell für uns alleine. Bis eben auf die vierbeinigen Rasenmäher an der Steinreihe, aber mit denen teilen wir ja gerne.

Danach ging es dann aber wirklich auf nach Macroom – bzw. direkt in es der 3 Restaurants, denn wir waren recht spät dran, um überhaupt noch was zwischen die Kiemen zu bekommen. Doch keine Sorge – wir haben es geschafft, quasi auf die letzte Minute 🙂
Nun aber viel Spaß mit der kleinen Ausbeute des Tages.








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