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Ins Wasser gefallen

Ins Wasser gefallen

Ich hatte ja schon im vorherigen Bericht erwähnt, dass unsere Bootstouren aufgrund des Wetters abgesagt wurden. Unsere Sonntagstour sollte uns eigentlich zum Bulls Rock führen, unsere geplante Tour am Montag nach Skellig Michael (UNESCO-Weltkulturerbe). Da aber beides eben nun erstmal nicht statt findet, mussten wir etwas kreativ werden, was unsere weitere Planung angeht.

Also hieß es, erstmal unsere Tagesplanung zusammenbasteln.

  1. Bummeln mit Ausblick
  2. Ring Forts
  3. Loher Ring Fort
  4. Ballycarbery Castle
  5. Cahergall und Leacanabuaile Fort
  6. Kells House & Garden
  7. Blackstones Bridge
  8. Ballaghbeama Gap – Bealach Béime
  9. Ballaghbeama Gap

Gesagt – Getan!

Bummeln mit Ausblick

Der Morgen begann erstmal mit einem Frühstück, ist ja klar – diesmal aber selbst gemacht. Und da wir hier ja mit Blick aufs Meer untergebracht sind, konnten wir dabei schön rausgucken. Nicht nur das Meer ist hier ganz nett anzusehen, sondern auch, was so ums Haus herumfliegt. Neben Staren, Möwen, Zilpzalp und Basstölpeln hoppelte ein auch kleines Kaninchen durch das Gebüsch. Da zu diesem Zeitpunkt sich auch die Sonne noch gnädig zeigte und durch die Wolken luscherte, schnappte ich mir die Kamera und verbrachte erstmal eine Weile draußen, um die Umgebung und Tierwelt festzuhalten.

Nebenbei checkten wir eben unsere Route und fuhren dann los, vorbei an einem interessanten Wohnhaus, das einem Schiffsbug nachempfunden ist. Und das auch noch mit unbezahlbarem Blick 🙂

Ring Forts

Danach ging es nur ein paar Kilometer weiter zum ersten Ring Fort. Bereits als wir in Donegal, also im Norden von Irland waren, haben wir ein recht großes Exemplar uns angeschaut. Was man zu den Steinforts noch sagen kann? Das es in der Regel eben keine, wie man vielleicht vermuten könnte, militärischen Einrichtungen waren, sondern vielmehr um geschützte landwirtschaftliche Einzelhöfe für Großfamilien. Entstanden sind sie in der irischen Frühgeschichte, etwa zwischen 500 und 1000 n.Chr. und dienten nicht nur als Schutz für Mensch und Vieh, sondern auch als Statussymbol. Da wir hier ganz im Süden von der Halbinsel unser Häuschen haben, fuhren wir auf den berühmten Ring of Kerry, und direkt in der Nähe fanden wir den ersten. Wir hielten oben an der Straße und liefen eine kleine Stichstraße runter. Wir konnten das Fort zwar sehen, aber die Böschung wollten wir irgendwie nicht hinunter – das sah nach einem waghalsigen Unterfangen aus. Also zückten wir unseren kleinen Freund, der gerne mal von oben Bilder macht. Und grade als wir starten wollten, fing es an zu stürmen und zu regnen. Da wir aber schon in der Luft waren und Stefan ja mit der Drohne eher der Waghalsige ist, konnten wir zumindest schnell zwei drei Bilder machen und dann zack, schnell wieder zurück ins Auto.

Dann ging es weiter die Küste entlang Richtung Waterville. Auf dem Weg konnten wir immer wieder auch anhalten und einen Blick auf die Küste, auf Skellig Michael und auf Unmengen von weißen Punkten (Schafe) in der Landschaft werfen. Am Com an Chiste – Ring of Kerry Ausblick, dem höchsten Punkt dieses Straßenabschnitts, machten wir ebenfalls kurz Halt, bevor wir uns den nächsten Ring Fort, den Loher Ring Fort, vornahmen. Dafür mussten wir den Pass wieder runterfahren und in eine kleine, einspurige Straße abbiegen, was wir natürlich auch taten.

Loher Ring Fort

Das Loher Stone Fort hatte ich mir schonmal angeschaut, als ich alleine in Irland war, jedoch war es damals zu stürmisch, so dass ich keine Drohnenaufnahmen machen konnte. Ich bleibe übrigens dabei, dass der Blick von oben auf dieses Stück Zeitgeschichte, noch beeindruckender ist, als wenn man es nur von unten anschauen kann – was wir aber natürlich auch machten. Die Mauern sind bis zu 3 Meter dick und an der Innenseite waren Treppenstufen eingelassen, so dass die Mauer begehbar war bzw. ist. Zudem fanden sich im Inneren auch noch zwei Fundamente von Gebäuden, wobei das runde Fundament das ältere ist. Das Loher Stone Fort wurde übrigens um ca. 900 n. Chr. gebaut.

Vom Loher Stone Fort ging es dann weiter nach Waterville, einem kleinen Küstendorf und Tourismuszentrum. Dort hatten wir einen kleinen Souvenirladen auf dem Plan, den wir dann natürlich auch aufsuchten, denn der geneigte Leser weiß ja mittlerweile, dass wir immer nach lokalen handgemachten Sachen Ausschau halten. Diesmal fanden wir etwas, das keine Tasse ist, sondern zwei Fische die getöpfert waren und einen schönen Platz an unserem Souvenir-Regal finden werden. Hinter dem Laden gab es noch einen kleinen Kaffeewagen, aber den übersprangen wir und liefen an der langen Promenade in Richtung „Innenstadt“. Vorbei an einem weiteren kleinen Künstlerladen mit Bildern der Region (nein, hier haben wir nichts gekauft) und dann stolperten wir direkt in ein kleines Cafe, wo wir uns Kaffee und Kuchen gönnten. Da die Sonne weiterhin gnädig war, saßen wir draußen, ließen uns den Kuchen mit Blick aufs Meer schmecken, bevor wir wieder zum Auto zurück schlenderten und Richtung Norden weiterfuhren.

Ballycarbery Castle

Unser nächster Halt war dann die Ballycarbery Castle. Die Burg liegt direkt an der Fertha-Flussmündung und wurde vermutlich im 14. oder 15. Jahrhundert gebaut. Da sie stark einsturzgefährdet ist und auf Privatgrund liegt, konnten wir sie nur von außen und vom Parkplatz aus betrachten. Mehrere Schilder wiesen darauf hin, dass das Betreten nicht so richtig gestattet ist, einige Besucher das jedoch geschickt überlasen und sich die Burg aus direkter Nähe ansahen. Noch während wir dort standen, kam ein weiteres deutsches Pärchen, was sich auch gegen den direkten Besuch entschied. Ich meine, natürlich kann man sowas überlesen, aber muss das sein? Find ich nicht in Ordnung, dass einfach zu umgehen und sich trotz der mehrfachen Hinweise Zugang zu verschaffen. Manchmal reicht es doch auch, etwas von weiter weg zu betrachten. Wir haben es sogar gelassen, die Burg mit der Drohne abzufliegen, obwohl das sicher gegangen wäre.

Die Burg, deren rechte Seite (aus unserer Sicht) komplett mit Efeu bewachsen war, wurde ca. 1652 durch dicke Kanonen zerstört. Seitdem trotzen die Mauern Wind und Wetter und stehen wie ein Mahnmal in der Landschaft. Die Burg zählt zu einem der am meist fotografierten Spots, wobei ich das eigentlich nicht bezeugen kann. Denn mit einem Bus kann man da auf keinen Fall hin und der Parkplatz war jetzt wirklich nicht voll. Doch wir haben auf jedenfall ein Foto gemacht, is ja klar, wir sind ja gute Touris :p

Cahergall und Leacanabuaile Fort

Nur ein bisschen weiter die Route entlang, stießen wir auf das nächste Stone Fort. Nach etwas Verwirrung ob der Schilder (Es gibt hier zwei Stone Forts, wovon eines nicht zugänglich ist, aber so richtig deutlich war das nicht zu erkennen), gingen wir zum Cahergall Stone Fort. Dummerweise liefen vor uns ein paar Leute und auch im Stone Fort an sich waren noch ein paar Leute. Doch bevor wir in das Fort ging, hatte eine Bachstelze meine Aufmerksamkeit erregt. Den Schnabel voll mit Futter hüpfte sie vor uns rum, bis sie sich auf der Steinmauer niederließ und sich in Pose schmiss.

Dann schlüpften wir in das Innere und niemand war mehr da. Unsere Chance. Schnell die Drohne rauskramen und los ging es. Das Cahergall Fort hat noch breitere Mauern als das Loher Stone Fort. Nämlich zwischen 4 und 5 m breit. Der Durchmesser des Forts beträgt fast 30 m und wie auch im Loher Stone Fort sind an der Innenseite Treppenstufen integriert, so dass man auf die Außenmauer hätte klettern können. Auch hier fanden sich wieder Überreste eines Fundaments (welches restauriert wurde). Bei Ausgrabungen wurden hier Überreste einer zentralen Koch- und Feuerstelle gefunden, sowie Überreste die auf Metallverarbeitung hinweisen.

Da das Leacanabuaile Fort nicht frei zugänglich war, nutzten wir die Chance mit der Drohne in die Richtung zu fliegen und auch von dem Fort ein Foto zu machen. Im Gegensatz zu den bisher besuchten Steinforts ist das Leacanabuaile um einiges komplexer, was das Innere angeht. Hier sind Fundamente von 4 Gebäuden sichtbar, die mit der Außenwand verbunden sind. Das eine sieht ein bisschen wie ein altertümliches Männchen aus – der obere Gebäudeteil rund, der untere fast quadratisch. Da wir nicht direkt hin konnten, hier ein paar kleine Fakten zu den Ausgrabungen, die dort gemacht wurden. Denn neben einer eisernen Streitaxt, Messern und Knochenkämmen wurde eine frühmittelalterliche Handmühle zum Mahlen von Getreide gefunden. Das zeigt auch, dass Leacanabuaile (vermutlich im 9. und 10. Jahrhundert errichtet) kein reiner Zufluchtsort, sondern ein dauerhaft bewohnter Bauernhof war, auf dem intensiv Landwirtschaft betrieben wurde.

Nun aber genug von den Forts und hier mal zum Vergleich das Loher Stone Fort und das Cahergall Stone Fort.

links: Loher Stone Fort | rechts: Cahergall Stone Fort
Kells House & Garden

Nachdem wir die Ring Forts zu Genüge erkundet hatten, machten wir noch einen weiteren Halt auf unserer Route. Diesmal einen Garten. Wir waren eigentlich recht spät dran, so dass wir noch Glück hatten, dass der überhaupt noch auf hatte. Um knapp 17 Uhr schneiten wir rein, kauften fix unsere Karten, und hatten dann noch eine knappe Stunde, den Garten zu erkunden. Überraschenderweise war es nicht der typische Garten, den man hier vielleicht erwartet. Es war eher eine Reise nach Klein-Neuseeland. Es handelt sich also nicht um einen Blumengarten sondern vielmehr um einen subtropischen botanischen Garten. Durch das subtropische Klima, hervorgerufen durch den Golfstrom, der hier auf die Küste trifft, gedeihen hier eben Pflanzen, die vor allem auf der Südhalbkugel beheimatet sind.

Viele Baumfarne, sehr viele Baumfarne, teils über 150 Jahre alt, säumten den Großteil des Areals, das immerhin ca. 17 Hektar umfasst. An verschiedenen Ecken tauchten dann immer wieder Dinosaurier-Skulpturen auf, entweder ein einzelner Fuß von einem Tyranussaurus-Rex, ein weiblicher Dinosaurier mit Baby oder gar eine Kralle und viele weitere lebensgroße Exemplare. Diese waren nicht einfach in die Landschaft gestellt, sondern aus alten Baumstümpfen geschnitzt, so dass Altholz sinnvoll neu aufbereitet und im ursprünglichen Wald belassen werden können. Dann gab es noch einen Skywalk – eine Hängebrücke über einen kleinen Fluss. Länger und höher als gedacht und dann auch noch komplett zum durchschauen. Genau mein Ding – NICHT. Aber ich war mutig und wagte mich drauf und irgendwie hab ich es auch geschafft auf der anderen Seite anzukommen. Hab zwar gefühlt ne halbe Stunde gebraucht, aber immerhin! Drüber ist drüber.

Der kleinen Fluss, der unterhalb der Brücke floss, haben wir den Großteil des Weges neben uns gehabt und an einer guten Abbiegung zeigte sich sogar ein kleiner bzw. flacher Wasserfall, den wir dann natürlich als Langzeitbelichtung noch mit aufnehmen mussten. Zwar hatten wir kein Stativ dabei, aber der Untergrund aus riesigen Steinplatten ermöglichte dennoch ein Langzeitfoto. Wie das dann aussieht?

Fotograf bei der Arbeit und Ergebnis der Arbeit 🙂

Als kleiner Hintergrund – der Großteil der Baumfarne kommt aus Australien, und hier insbesondere aus Tasmanien, wurde aber in den letzten Jahren um Arten aus Südamerika und Neuseeland ergänzt, unter anderem durch den berühmten Silberfarn – dem Nationalstolz bzw. dem nationalem Symbol Neuseelands.

Blackstones Bridge

Um Punkt 18 Uhr verließen wir den Garten und setzten uns wieder ins Auto und fuhren weiter, denn wir wollten noch bissl was anschauen. Vorbei ging es am Lough Caragh bis weiter zur Blackstones Bridge die über den Caragh River verläuft. Die Brücke ist ca. 200 Jahre alt und liegt im Glencar Tal – das ähnlich wie das schottische Glencoe Tal – ein sogenanntes hängendes Tal ist. Was das heißt? Gute Frage, musste ich auch googlen. Hängendes Tal bedeutet, dass während der letzten Eiszeit das Tal durch Gletscherbewegungen geformt wurde und ein kleinerer Nebengletscher schnitt nicht so tief in die Landschaft wie der Hauptgletscher ein, wodurch steile Klippen an den Talseiten entstanden.

Jetzt wisst ihr Bescheid. Jedenfalls war an dieser Brücke nicht viel los, weil es eher abseits der Touristenpfade liegt und so konnten wir neben Langzeitbelichtungen auch das ein oder andere Drohnenbild von der Brücke, dem Fluss und dem umliegenden Lickeen Wald (einem Eichenurwald) machen.

Ballaghbeama Gap – Bealach Béime

Um vom Glencar Tal zurück zu unserer Unterkunft zu kommen, mussten wir über den Ballaghbeama Pass. Der Pass heißt zu deutsch in etwas: Lücke zwischen den Bergen, denn die Passstraße führt zwischen den Bergen Mullaghanattin und Knockaunanattin hindurch. Da das Wetter aber sehr düster und grau war, gab es viel Matsch als Bild und so richtig zur Geltung kam der Pass gar nicht, so dass wir beschlossen, es am nächsten Tag nochmal zu versuchen, nur diesmal von der anderen Seite. Was wir auf jedenfall sagen konnten: Hier verirrt sich kaum jemand hin.

Die Straße nur einspurig, wenig Ausweichbuchten, viel Wind (dazu aber später mehr) und mit dem Regen und den tiefhängenden Wolken wirkte dieses riesige Stück Land irgendwie unwirklich, extrem rauh und schroff. Wir hofften, dass das Wetter am nächsten Tag ein bisschen besser aussehen sollte…

Ballaghbeama Gap – der zweite Versuch

Nächster Tag, nächster Versuch. Wir hatten den Tag etwas verbummelt, weil das Wetter leider nicht so gut war und warteten auf die regenfreie Lücke. Dann schmissen wir uns ins Auto und fuhren los. Natürlich fuhren wir wieder durch dicke Wolken, gaben aber die Hoffnung nicht auf und hatten wirklich Glück, eine kleine regenfreie Lücke oben am Pass zu erwischen. Neben ein paar Schafen, die sich den Pass zu eigen machten, gab es hier kaum Verkehr. Nicht mal eine Handvoll Autos überquerte den Pass. Wir blieben erst eine Weile am unteren Ende stehen und nutzten ein Schaf auf einem großen Felsen als Fotomotiv. Es hatte sich förmlich direkt ins Bild gedrängelt und das mussten wir natürlich nutzen. Dann aber fuhren wir „schnell“ hoch und hatten vielleicht 50 m unter dem direkten Hochpunkt eine Haltebucht gefunden, wo wir versuchten, die Drohne fliegen zu lassen.

Und hier kam der berüchtigte Wind ins Spiel. Durch die Lücke pfeifft der Wind ordentlich, und es kommt zum sogenannten Windkanal-Effekt, der hier extrem stark ist. Anfangs war die Warnung bei der Drohne noch nicht so wild, aber wir merkten schon deutlich, dass das kleine Ding ordentlich Probleme hatte, in unsere Richtung (gegen den Wind) zu fliegen. Da die Felswände sehr steil und eng beieinanderstehen, presst sich der Wind hier oft mit doppelter Geschwindigkeit durch die Lücke. Aber wir haben die Drohne heil wieder runter bekommen und ein paar nette Aufnahmen gemacht, wenn auch kein Video. Dazu bin ich dann doch zu schisserig :-).

Wie die beiden Tage aussahen – ungefähr so. Links das Bild vom Vortag mit tiefhängenden Wolken, rechts, ungefähr ähnlicher Bildausschnitt vom Folgetag. Beides eher grau, aber man kann auf dem rechten Bild schon eher erahnen, wie das Tal aussieht.

Wir fuhren dann noch direkt auf den höchsten Punkt, wo ich noch auf einen großen Felsen kletterte und der Wind mich fast vom Stein runtergeholt hat. Also hier sollte man lieber ein oder zwei Kilo mehr dabei haben als zu wenig.

Wieder unten angekommen entschieden wir, nicht den Weg über die Blackstone Bridge zurückzufahren, sondern einen weiteren Pass mitzunehmen. Den Bealach Oisin. Leider zogen die Wolken hier nochmal mehr rein, so dass wir keine Bilder machen konnten. Außer grau wäre nicht viel zu sehen gewesen. Doch man bekommt eine Ahnung, wie ursprünglich, karg und manchmal auch ungemütlich Irland sein kann.


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