Ein Schotte ohne Schottenrock – aber mit viel Rock in Irland

Tja, wir sind mal wieder in Irland gelandet – überrascht vermutlich niemanden. 😉 Mit etwas Verspätung kamen wir am Donnerstagabend in Dublin an, haben direkt unseren Mietwagen abgeholt und sogar ein kleines Upgrade bekommen. Lange bleiben konnten wir dort aber nicht, denn es wartete noch eine ordentliche Strecke auf uns. Also ging es auf dem schnellsten Weg quer durchs Land bis nach Ballina, einem kleinen Doppeldorf in der Nähe von Limerick an der Westküste.

Und was die Headline mit dem ganzen zu tun hat? Naja, lest einfach weiter.

  1. Ballina / Killaloe
  2. King John’s Castle – Limerick
  3. Der Schotte in Irland – Lewis Capaldi in Limerick
  4. 5 h in Limerick
  5. Auf dem Weg nach Rath
    1. Mungret Abbey
    2. Desmond Castle bis nach Rath
    3. Ein bisschen mimimi
Ballina / Killaloe

Spät am Abend kamen wir schließlich in unserem kleinen Airbnb in Ballina an. Wir warfen nur schnell unsere Sachen ins Häuschen und während Stefan den Tag langsam ausklingen ließ, kroch ich direkt ins Bett. Ich hatte unterwegs schon ein bisschen geschlafen und war trotzdem völlig platt.

Für irische Verhältnisse war es an dem Tag erstaunlich warm, entsprechend hatte sich auch das kleine Häuschen ordentlich aufgeheizt. Eigentlich hätten wir gerne noch durchgelüftet, aber die unzähligen Mücken hatten etwas dagegen. Also blieb das Fenster nur so lange offen, bis das Licht aus war – dann ging es zum Glück.

Am nächsten Morgen stand unser Konzert in Limerick auf dem Programm. Deshalb ließen wir es erst einmal gemütlich angehen, schliefen aus und machten uns anschließend auf die Suche nach einem guten Frühstück. Dafür fuhren wir in die kleinen Twin Towns Ballina und Killaloe. Die beiden Orte werden durch den Shannon getrennt und über die Killaloe Bridge miteinander verbunden. Das Kuriose: Nicht nur der Fluss trennt die beiden Städte, sie liegen auch in unterschiedlichen Countys – quasi den irischen Bundesländern. Ballina gehört zum County Tipperary, Killaloe dagegen zum County Clare.

Da Google-Maps immer auch hilfreich ist, wenn es um die Suche nach Frühstück geht, kehrten wir im Bridge 14 ein. Gefühlt war dort der ganze Ort zum Frühstücken verabredet, wir konnten aber glücklicherweise einen Platz ergattern. Die Gäste nach uns mussten schon warten. Wenn ein Café so gut von den Einheimischen besucht wird, ist das meistens ein gutes Zeichen – und wir wurden nicht enttäuscht. Für mich gab es pochierte Eier mit Speck und einen Iced Americano, Stefan entschied sich für eine türkisch angehauchte Variante des Frühstücks. Und damit auch ein paar Ballaststoffe dabei waren, teilten wir uns noch ein Müsli – das machen wir inzwischen fast schon traditionell.

Nach dem Frühstück schlenderten wir noch ein bisschen durch Killaloe, fanden ein paar bunte Häuser und vor allem bunte Türen, eine Kathedrale und schlenderten dann über die Brücke zurück zum Auto, denn das hatten wir in Ballina stehen lassen. Wir fuhren dann nochmal in die Unterkunft, genossen dort das warme Wetter mit Blick auf grüne Wiesen und ich machte noch ein paar Entspannungsübungen für meine Augen :p

King John’s Castle – Limerick

Da wir bis zum Konzert noch Zeit hatten, fuhren wir am frühen Nachmittag nach Limerick, auch, um uns einen Parkplatz in der Nähe oder Laufdistanz des Stadions zu sichern, denn direkt am Stadion konnte man nicht parken und die Öffis waren jetzt auch nicht der bequemste Weg. Also fuhren wir Richtung Innenstadt und fanden prompt einen Parkplatz direkt an der Brücke und direkt bei King John’s Castle. Der Fußweg zum Stadion betrug ca. 30 Minuten. Das war perfekt.

Wir entschieden uns, nicht zu früh Richtung Stadion zu gehen, da wir sonst hätten die ganze Zeit stehen müssen. Denn die Karten wurden damals quasi zugelost, so dass wir Front-of-Stage-Plätze hatten und da kann man in der Regel nicht so wunderbar sitzen. Aber dazu später mehr.

Da wir bis zum Konzert noch etwas Zeit hatten, drehten wir noch eine Runde rund um King John’s Castle. Die Burg liegt direkt am Shannon und wurde Anfang des 13. Jahrhunderts von König John Ohneland erbaut. Tatsächlich steht sie auf den Überresten einer alten Wikingersiedlung – also schon ziemlich viel Geschichte an einem Ort.

In den vergangenen gut 800 Jahren hat die Burg einiges mitgemacht und wurde mehrfach belagert, besonders während der Auseinandersetzungen in Limerick im 17. Jahrhundert. Wenn man heute dort entlangläuft, wirkt das alles aber ziemlich weit weg. Stattdessen sitzt man eher am Fluss, schaut aufs Wasser und vergisst kurz, dass hier mal richtig was los war. Von außen macht die Burg auf jeden Fall den Eindruck, uneinnehmbar zu sein – doch die Bewohner wurden eines anderen belehrt. Die Lage direkt am Shannon ist aber an sich schwer zu toppen. Besonders der Blick von den Türmen über die Stadt ist richtig schön – man sieht die umliegenden Wahrzeichen und kann den Fluss bis weit in die Landschaft hinein verfolgen.

Innerhalb der Burgmauern geht es dann aber ein großes Stück zurück in die Vergangenheit. In den Innenbereichen sind verschiedene Exponate aufgebaut, unter anderem aus der Schmiede, Werkzeuge der Steinmetze und andere Handwerksbereiche. Alles ein bisschen wie eine Momentaufnahme aus dem Mittelalter, die das Leben dort deutlich greifbarer macht. Eine gute Ergänzung, bevor es wieder zurück ins Heute geht.

Ausblick auf die Stadt Limerick von der King John´s Castle über den Fluss Shannon
Der Schotte in Irland – Lewis Capaldi in Limerick

Da wir aber auch eher die Seitensteher sind (damit auch in Zwerg was sehen kann), hatten wir es eben nicht so eilig. Nach der Burg machten wir uns auf den Weg, noch etwas zu essen zu finden. Da aber gefühlt ganz Limerick (ca. 100000 Einwohner und die Kapazität des Stadions liegt bei etwa 30.000) unterwegs war und bei mir der Hungry-Bird einsetzte, wurde das ein nicht ganz so leichtes Unterfangen. Aber wir fanden einen Platz und auch Essen, aber es dauerte relativ lang (was uns aber auch gesagt wurde). Nach dem Essen rollten wir dann aber quasi ins Stadion, weil wir einfach pappsatt waren. Zumindest den Weg zum Stadion konnte man nicht verfehlen, denn halb Limerick lief eben zu Fuß zum Stadion und so konnte man sich leicht irgendwo ran hängen und wie ein Lemming der Masse folgen. Wir kamen jedenfalls genau zur richtigen Zeit und fanden ein gutes Plätzchen im Front-Stage-Bereich. Sogar mit integriertem Sitz und erhöhter Stehfläche in einem. Das Konzert verbrachte ich also stehend auf der Absperrung und konnte schön über alle Riesen hinwegschauen. Konzerteinblicke gibt es dann später in unserer Konzertsektion.

Nebenbei erwähnt, Lewis Capaldi ist, wie schon geschrieben, eigentlich Schotte, jedoch war er auf der Bühne nicht mit einem Kilt unterwegs, dafür war die Musik zu teilen wirklich rockig. Und jetzt lest einfach nochmal die Headline, vielleicht wird es jetzt auch etwas klarer, was gemeint ist.

Wir hatten außerdem das Glück, dass der Himmel sich nicht über uns ergoss, denn so ganz sicher war es an diesem Abend wirklich nicht. Die Wolken sagten nämlich eindeutig, ihr werdet heute alle nass. Den Iren schien der frische Wind nichts anzuhaben, wir hatten aber, typisch deutsch vermutlich, unsere dünnen Jacken mitgenommen und waren froh, denn es wurde am Abend wirklich frisch – mag sein, dass wir als Touris durchgingen, aber mein Gott, das waren wir ja schließlich auch 🙂

Nach dem Konzert ging es mit der gesamten Stadionmeute wieder zurück in die Innenstadt, wo wir problemlos unser Auto einsammelten und wieder Richtung Unterkunft fuhren und platt ins Bett fielen.

5 h in Limerick

Den nächsten Tag begannen wir dann erneut mit einem Frühstück im Bridge 14 (aber diesmal eine etwas andere Wahl an Frühstück). Danach fuhren wir nochmal nach Limerick, da wir uns noch ein paar Streetart-Gemälde anschauen wollten, die wir am Vortag schon entdeckt hatten bzw. die wir uns während des Frühstücks noch rausgesucht hatten. Zuerst aber sind wir in die Saint Mary’s Cathedral, die wir am Vortag nicht geschafft hatten. Eine imposante Kathedrale, die vor allem durch die unverputzten Wände beeindruckte. Das kennt man von katholischen Kirchen ja eher selten.

Die Kathedrale liegt am Ufer des Shannon und wurde bereits im Jahr 1168 gegründet. Die Kathedrale ist eines der ältesten Gebäude der Stadt, das noch aktiv genutzt wird und eine der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten Limerick’s. Die Kathedrale ist nicht nur ein historischer Ort, sondern wird heute aktiv für Gottesdienste, als Veranstaltungsort für Konzerte und kulturelle Events genutzt.

Vorbei an einigen Graffitis liefen wir zur zweiten Kathedrale, der Cathedral John de Baptist. Doch nachdem wir an jeder Tür gerüttelt hatten, blieb sie dennoch verschlossen. Die Frage warum diese Kathedrale an einem Samstag nicht geöffnet war, blieb leider unbeantwortet. Also schlenderten wir weiter und wollten noch zum sogenannten „Milk-Market“ – Milchmarkt.

Der Milk Market (Margadh an Bhainne) in Limerick ist einer der ältesten Märkte Irlands und liegt im Stadtteil Irishtown. Seine genauen Ursprünge reichen vermutlich bis vor das 19. Jahrhundert zurück. Ursprünglich wurden hier vor allem Milch, Butter, Eier sowie landwirtschaftliche Produkte verkauft, daher wohl auch der Name.

Im Laufe der Zeit hat sich der Markt stark verändert und bietet heute vor allem regionale und handwerklich produzierte Lebensmittel und Handwerkskunst an. Und besonders Samstags ist hier viel los, wie das eben oft bei Wochenmärkten ist. Nach einer langen, teils schwierigen Geschichte wurde der Markt mehrfach umgestaltet und schließlich 2010 mit einem großen Zeltdach überdacht und ist somit ganzjährig geöffnet und fungiert auch als Food-Market. Heute gilt der Milk-Market als einer der schönsten und beliebtesten Märkte des Landes.

Wir schlenderten also einmal über den Markt, machten kurz Halt am Kaffeestand und schlichen um den Kuchenstand, der mit wahnsinnig viel Kuchen bestückt war – und ich meine wirklich eine riiiiiesige Auswahl – kauften aber dann doch keinen Kuchen. Wir beließen es bei einem Iced Americano und liefen dann zurück in Richtung Parkplatz unterhalb der Kathedrale von St. Mary.

Auf dem Weg nach Rath
Mungret Abbey

Da wir noch ein Stück Autofahrt bis nach Rath (am südlichen Zipfel von der Iveragh-Halbinsel) hatten, fuhren wir am frühen Nachmittag weiter, machten aber erstmal direkt unterhalb von Limerick einen kleinen Zwischenhalt. Dort hatten wir nämlich ein altes Kloster entdeckt. Gesagt getan, doch leider war die alte Abtei nicht frei zugänglich. Da sie aber etwas frei lag, konnten wir dennoch einen Blick drauf werfen.

Mungret Abbey – Limerick

Die Mungret Abbey war schon sehr früh ein bedeutender religiöser Ort und wurde vermutlich schon um 551 n. Chr. gegründet. Im Laufe der Zeit entwickelte sich dort eine große Klosteranlage mit mehreren Kirchen und zeitweise bis zu 1.500 Mönchen – was eine beträchtliche Anzahl ist und von der Bedeutung von Mungret zeugt.

Wie so oft in der Geschichte Irlands, wurde auch diese Anlage mehrfach angegriffen, unter anderem im 9. Jahrhundert von Wikingern. Tja, die Wikinger an sich hatten schon recht großen Einfluss auf die Geschicke in Irland, denn hier liest man doch immer wieder über die „Räuber“ aus dem hohen Norden. Im 12. Jahrhundert wurde das Kloster neu organisiert und als Pfarrkirche weitergeführt. Die heute noch sichtbaren Ruinen stammen aus verschiedenen Bauphasen zwischen dem 12. und 15. Jahrhundert. Teile der Anlage wurden bis ins 19. Jahrhundert genutzt, bevor sie aufgegeben wurde.

Desmond Castle bis nach Rath

Auf dem weiteren Weg Richtung Rath wollten wir eigentlich an der Desmond Castle Halt machen und uns direkt daneben noch eine große Klosteranlage der Franziskaner anschauen. Doch Pustekuchen. Beide Anlagen liegen direkt auf einem großen Golfresort. Da wir schon recht spät dran waren, konnten wir die Castle sowieso nicht mehr besuchen, da diese schon geschlossen war. Das Kloster hätten wir machen können, hätten aber über den Golfplatz gemusst und so richtig Bock auf nen Ball am Kopp hatten wir jetzt nicht. Daher entschieden wir, dass wir es bleiben lassen. Wirklich schade, weil die Bilder vom Kloster sahen wirklich beeindruckend aus und im Vergleich zur Mungret ist die Anlage riesig und ist sehr gut erhalten. Aber manchmal is es wie es ist und dann bleiben kleine (oder auch große) Schätze ungesehen. Zumindest bis zum nächsten Versuch 🙂 Und für´s nächste Mal kommt dann nicht nur Desmond Castle, das Franziskanerkloster, sondern auch das Augustiner-Kloster (das heute noch in Betrieb ist) mit auf die Besuchsliste.

Von der Brücke über den Fluss Maigue konnten wir jedoch einen Blick auf die Desmond Castle werfen bzw. ein Foto aus dem Auto heraus machen. Immerhin 🙂

Desmond Castle in Adare am Fluss Maigue

Weiter ging es dann nach Rathkeale, wo die Rathkeale Abbey, auch St. Mary’s Priory genannt, stand. Gegründet wurde das Kloster ursprünglich im 13. Jahrhundert für die Augustiner-Chorherren des Aroasia-Ordens, die heute noch sichtbaren Ruinen stammen jedoch überwiegend aus dem frühen 16. Jahrhundert. Die Ruine steht auf einem frei zugänglichen Platz, wo unter anderem ein Jugendzentrum im Rücken der Abtei liegt. So waren die Bäume rund um die Ruine mit kleinen Kunstwerken aus dem Zentrum bestückt. Kleine Marienkäfer, Pilze oder kleinen Türen. Ein paar Kunstwerke sind in der Galerie natürlich bildlich festgehalten.

Nach Rathkeale ging es schnurstracks in Richtung Killarney und von dort weiter vorbei an Muckross und ein Stück durch den Nationalpark. Da das Wetter aber eher miesepetrig war, machten wir nur einen kurzen Stop an einem Ausguck und fuhren dann zum Ladies View – aber auch da war heute nicht gut Kirschen essen, denn die Wolken hingen tief und vom Tal, Fluss und den umliegenden Bergen war nur schemenhaft was zu erkennen.

Von dort ging es dann zu den Derrycunnihy Falls. Wenigstens etwas, was man heute erkennen konnte auf dem Ring of Kerry. Also stoppten wir, packten unsere Fotoausrüstung inkl. Langzeitbelichtungsfilter ein, steigen aus dem Auto und ein verdammt unangenehmer Nieselregen klatsche uns in Gesicht. Doch wir sind ja auch hart im Nehmen und liefen schnurstracks zur Brücke und bauten unsere Kamera auf. Der Wind kam von hinten, so dass das Objektiv erstmal geschützt war. 2 Minuten später war der Spuk auch schon vorbei und der Nieselregen weg und wir konnten in Ruhe unsere Fotos machen.

Ein bisschen mimimi

Der restliche Weg nach Rath ist, wie wir gestern gesehen haben, eigentlich landschaftlich toll, doch am Samstag eher trist und grau. Wir machten noch einen Abendessen-Stop im Sneems und fuhren dann kurvenreich zur Unterkunft. Hier luscherte dann sogar nochmal die Sonne kurz durch die Wolken und tauchte den Himmel und das Meer in ein rosa Farbmeer.

Leider bleibt das Wetter eher unbeständig, so dass unsere geplanten Bootstouren für Sonntag und Montag verschoben bzw. gecancelt wurden. Wir hoffen, dass wir zumindest am Dienstag Nachmittag nochmal eine Tour machen können, aber sicher ist das leider auch noch nicht.

Den Skellig Michael Landgang können wir jedoch definitiv abschreiben, da die Touren über den Sommer ausgebucht sind und wir somit keinen Ersatztermin bekommen, erst recht nicht kurzfristig. Wie oben aber schon geschrieben, manchmal ist es wie es ist und viel Einfluss auf die Wetterbedinungen haben wir ja eben nicht. Aber das heißt auch nur, dass wir dies beim nächsten Besuch versuchen nachzuholen.

Nun aber erstmal genug gejammert – auf zu den Bildern der zwei Tage.


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