Wer suchet, der findet: Steife Brise und die Kerry Cliffs im Nebel

Oh man, der Mittwoch war ja wettertechnisch der Reinfall. Ach was rede ich, kein Reinfall, sondern so eine fette Nebelsuppe – oder doch eher Wolkensuppe? Ich kann das gar nicht so richtig beschreiben, denn man sah von unserer Unterkunft nicht mal die Beara-Halbinsel. Und die Delfine, die im Namen unserer Unterkunft steckten, schonmal gar nicht. Es war einfach bäh. Aber so ist das eben in Irland. Mal scheint die Sonne und mal ist einfach alles bäh. Also vertrieben wir uns den Vormittag mit Bloggen, Spielen, Kaffee trinken und ins weißgraue Nichts starren.

Am frühen Nachmittag sagten wir aber, druff Geeimert, wir fahren jetzt in das Grau. Irgendwo wird es schon ein bisschen besser sein. Doch wir merkten schnell…dass das eine sehr dicke Wolke war. Denn wir kamen über den Hügel runter mit dem Auto und konnten selbst die Bucht von Derrynane nicht sehen, die in einer milchigen Suppe einfach unterging. Doch wir fassten uns ein Herz und fuhren dennoch nach Derrynane. Dort gibt es das Derrynane House & Garden.

  1. Ein Stein im Nichts
  2. Long Beach Derrynane
  3. Auf zu den Kerry Klippen
Ein Stein im Nichts

Doch bevor wir zum Haus fuhren, fanden wir noch einen sogenannten Standing Stone. Den Darrynane Beg Ogham Stone. Ich meine, es ist ein Standing Stone (Sandsteinmonolith) direkt an der Straße und für Irland eigentlich nichts besonderes. Doch mit ein bisschen Suche findet man dann doch kleine interessante Fakten.

Der Stein stand nämlich nicht immer an dieser Stelle. Bis in die 1940 Jahre lag er ursprünglich unter Wasser und war nur bei Ebbe sichtbar. Zudem war er immer wieder auch mit Strandsand bedeckt, also wieder ein Hide-und-Seek-Spiel. Doch der Stein wollte und sollte gerettet werden vor dem unnachgiebigen und über die Jahrhunderte und Jahrtausende zerstörerischen Wut des Atlantiks. Somit wurde der Stein ausgegraben und etwas weiter landeinwärts neu aufgestellt und vor den Wellen gerettet.

Es wird geschätzt, dass der Stein etwa im frühen 6. Jahrhundert (n. Chr.) aufgestellt wurde. Die genaue Funktion und Bedeutung, ob er als Grabstein oder als Landmarkierung genutzt wurde, kann leider nicht mehr abschließend geklärt werden.

Und so schließt sich der Kreis. Neulich habe ich nach Ogham gesucht. Was genau das ist? Ogham ist die früheste geschriebene Form der irischen Sprache (archaisches Irisch). Die Buchstaben bestehen aus Linien und Kerben, die entlang der Steinkante von unten nach oben gelesen werden. In diesem Fall befindet sich auf dem Stein diese Schrift, jedoch ist sie durch das Salzwasser sehr verwittert. Archäologen konnten dennoch etwas lesen: ANM LLATIGNI MAQ MINERC – das bedeutet etwa: „Im Namen von Llatignos, Sohn von Minerc, vom Stamm der Q…ci“. Wobei „Minerc“ übersetzt übrigens so was wie „Kleiner Erc“ heißt. Was genau uns das jetzt sagt? Das weiß ich auch nicht. Aber das mit dem Ogham fasziniert mich jetzt wirklich 🙂

Hier eine Seite zum Ogham-Alphabeth Leider nur auf englisch, aber dort kann man auch ein paar Standing Stones sehen, die dieses Alphabet eingeritzt haben. Leider hab ich den Stein, nicht wissend, dass das Ogham da drauf ist, nicht von der richtigen Seite frontal fotografiert. Die dunstigen Bäume waren als Hintergrund einfach interessanter.

Der historische Sandsteinmonolith Darrynane Beg Ogham Stone am Straßenrand in Irland.

Ein stummer Zeuge aus dem 6. Jahrhundert: Der Darrynane Beg Ogham Stone im irischen Dunst – leider ohne sichtbares Ogham.

Long Beach Derrynane

Vom Standing Stone ging es weiter zum Derrynane House und Garten, wo wir unser Auto parkten. Das Haus und den Garten hat wir eigentlich nicht auf der Besuchsliste, so dass wir den direkten Weg an den Strand wählten. Ich hatte nämlich gesehen, dass auf der Seite von Derrynane auch eine alte Abtei zu sehen sein soll. Doch diese ist nur bei Ebbe erreichbar. Und irgendwie war wohl nicht so richtig Ebbe. Dafür vergleichsweise viel los am Strand. Da der besagte Wettergott den Tag nicht hell werden lassen wollte, es aber zumindest nicht regnete, entschieden sich viele für einen Strandspaziergang am Strand.

Im und vor dem Wasser ragten viele Felsen raus, die eigentlich zum Klettern einluden. Da ich meine guten neuen Treter anhatte (mit schön festem Profil und es steht noch extra Continental drauf – ihr wisst schon, die die Reifen machen), dachte ich, ich könnt ja auch mal klettern.

Jaaaaaaaaaaaaaa und genau so lief es NICHT. Ich rutschte auf dem verdammten Stein rum und kam weder hoch, noch runter. Also klammerte ich meine Finger in die Ausbuchtungen des Steins und wartete, dass mein Mann mich in bester unvorteilhafter Pose fotografieren konnte, bevor er mich dann doch rettete 😛

Ohne Worte – Vorteilhaft sieht irgendwie anders aus, aber vielleicht ein Anstoß, Klettern zu gehen und zu üben 🙂

Ohne Blessuren und mit sauberer Büx – ich hätte ja auch einfach aufn Knien oder aufm Bobbes runterrutschen können – liefen wir bisschen weiter am Strand. Ich verguckte mich in den Seetang, der am Strand lag, und dem ich etwas mehr Aufmerksamkeit widmete, weil das einfach so cool aussah.

Die Abbey ließen wir dann einfach aus, da es uns einfach zu voll war und wir lieber einen Kaffee im Derryane House trinken gehen wollten, was wir dann auch taten.

Auf zu den Kerry Klippen

Da wir ja am Vortag zu spät bei den Klippen ankamen, hatten wir en Tag so geplant, dass wir diesmal auf jeden Fall VOR 18 Uhr dort ankamen. Pünktlich wie die Maurer kamen wir dort dann auch an. Da die Aussichtsplattform auf Privatgelände liegt, zahlten wir unseren kleines Obolus (5 Euro) und marschierten frohen Mutes den kurzen Fußmarsch an den Rand der Klippen. Am Wegesrand, beziehungsweise auf den Feldern rechts und links des Weges, konnte man nicht nur ein paar gemütliche Kühe entdecken, sondern auch Alpakas. Die standen und lagen so entspannt im Gras und kauten vor sich hin, der Wind konnte ihnen so gar nichts anhaben.

Aber dann standen wir auch schon an den Klippen. Die dicke Wolkensuppe zog vom Meer unerbittlich Richtung Festland. Die riesig hohen Steilwände wirkten wie ein gigantischer Verstärker und eine senkrechte Rutschbahn für den Wind. Die Luftmassen knallten ungebremst gegen den Fels, schossen die Klippen empor und fegten uns so brutal entgegen, dass wir uns wirklich krampfhaft festhalten mussten.

Wir blickten zuerst mittig auf das tosende Grau und versuchten uns dann Schritt für Schritt gegen den Sturm auf die Aussichtspunkte vorzukämpfen. Wir schafften das auch, aber das war schon ein ordentlich böiger Härtetest! Die an den Felsen brütenden Möwen segelten derweil wie furchtlose Akrobaten mitten im Sturm.

Und wie immer, ein paar kleine Fakten zu den Kippen: Vorweg, wenn ihr glaubt, die weltberühmten Cliffs of Moher seien das Maß aller Dinge in Sachen irischer Klippen-Dramatik, dann wart ihr noch nicht an den Kerry Cliffs! Mit einer stattlichen Höhe von teilweise über 300 Metern überragen die schroffen Felswände den deutlich bekannteren Bruder im Norden nämlich um ein ganzes Stück. Mit einem Alter von knapp 400 Millionen Jahren – kann man sich auch null vorstellen – trotzen diese gigantischen Sandstein- und Schieferformationen nun schon der rohen, unbändigen Gewalt des Atlantiks.

Geografisch gesehen ist dies hier übrigens der Punkt, wo die Skellig-Inseln am nähsten zum Festland sind, nur sehen konnte man einfach nichts davon. Also wir zumindest nicht. Aber das ist auch der Grund, warum wir wohl nochmal herfahren werden, nicht nur um die Klippen in so schönem, schnulzigen Sonnenwetter zu sehen, sondern auch um vielleicht einen Blick nach Puffin Island zu werfen. Ein absoluter Pflichtstopp auf dem Skellig Ring – eine eigenständige, und vom Ring of Kerry unabhängige, Küstenstraße!

Da die Wolkensuppe aber immer mehr ins Landesinnere zog und auch immer dichter wurde, konnten wir am Ende nicht mal mehr die Klippen richtig sehen. Aber gut, selbst nach uns sind noch Leute Richtung Klippen gelaufen, ich schätze, die werden am Ende nur schemenhaft die Klippen erahnen können. Wir hatten also sogar in dem miesen Wetter noch Glück, dass es nicht schon am Anfang so zugezogen war.

Hier aber ein paar Eindrücke, wie das dann aussah.

Danach fuhren wir noch nach Portmagee und gönnten uns ein Abendessen, bevor wir von der nördlichen Spitze wieder zurück in den Süden der Halbinsel fuhren. Und nur so als kleiner Spoiler, auch im Süden hing die Wolke und hatte nicht vor, sich zurückziehen…

Nun aber viel Spaß mit der kleinen Ausbeute des Tages.


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