Nun ist es wohl soweit, der Urlaub neigt sich dem Ende und wir mussten uns gestern mehr oder weniger von unserem Häuschen in Südisland verabschieden. Schon als ich die Bilder des Hauses machen wollte, stürmte es so dolle, aber hab´s hinbekommen. Doch bevor es dann wirklich los ging, brachten wir das Haus noch in Ordnung und spielten Tetris beim Beladen des Autos 🙂
Doch der Sturm vom Morgen sollte uns den ganzen Tag begleiten, mit Minusgraden die sich anfühlten wie -20 Grad. Aber dazu später mehr. Als erstes hatten wir, da es so oder so auf dem Weg nach Reykjavik lag, den Wasserfall Ægissíðufoss auf dem Plan. Stefan und ich kannten den Wasserfall zwar, doch neu war jetzt eine Treppe, die runter ans FLussufer hinunterführte. Außerdem war es diesmal vom Wetter etwas schöner, wenngleich der Wind auch hier ordentlich pustete. Doch für ein zwei Bilder konnte man grade noch so die Finger aus den Handschuhen ziehen 🙂

Nach dem Ægissíðufoss fuhren wir die kurze Seitenstraße zurück zur Hauptstraße um schon bald zum Urriðafoss zu gelangen. Auch hier zeigte sich das Wetter ganz gnädig und auch hier sah es etwas anders aus als beim letzten Mal, da weniger Eis um den Wasserfall drumherum ist. Ich glaube, ich habe schon erwähnt, dass dieser Wasserfall der wasserreichste in Island ist und sich hier der längste Fluss Islands, die Þjórsá vergleichsweise flach (6m) hinterstürtzt. Dafür ist der Wasserfall bzw. das Flussbett mit 40m vergleichsweise breit. Nur noch ein bisschen was war von den Eisplatten, die sich hier normalerweise bis zu 20m hochtürmen können, zu sehen. Dennoch find ich den Wasserfall immer noch spektakulär, vor allem, weil er nicht so überlaufen ist, wie andere Wasserfälle. Wobei wir im Moment ja auch nicht wirklich etwas überlaufenes vorgefunden haben.

Das mit den Handschuhen ausziehen um ein Foto zu machen wurde mittlerweile immer anstrengender, weil die Fingerkuppen gefühlt fast abstarben, sobald die Hand im Wind lag. Das merkten wir so richtig, als wir zum Bruarhlöd fuhren. Vorher hielten wir noch an einem Golfplatz (schräg so ein Golfplatz mitten in der Pampa), um uns mit Kaffee zu versorgen. Mit dem Heißgetränk ging es dann weiter zur Bruarhlöd-Schlucht, die mit ordentlich türkisen Wasser, aber vor allem mit seinen Steinformationen Eindruck hinterließ. Doch bevor wir überhaupt zur Schlucht runtergehen konnten, mussten wir erstmal die Türen am Auto aufkriegen und die erste flog uns fast um die Ohren ob der fetten Böen, die da unterwegs waren. Aber mit vereinten Kräften konnten wir uns alle aus dem Auto schälen und doch in die Schlucht runtergehen. Das einem wirklich langsam die Finger abfielen, sobald man ein Foto gemacht hat, geschenkt. Mit den dicken Handschuhen ist aber das Gefühl für den Auslöser nicht da, vor allem, wenn die Finger schockgefrostet sind. Aber besonders schön ist es, wenn das Blut wieder zu arbeiten beginnt und die Finger vom Schockstarre-Modus in den Sauna-Modus wechseln. Dann weiß man, dass der Finger noch da ist. Ich glaub ich muss mir noch so Handschuhe holen, wo man die Fingerkuppe wegklappen kann, damit man den Auslöser drücken oder die Einstellungen anpassen kann. Aber gut, mit Eiszapfen und Eisfingern ging es dann zurück zum Auto, um mit gebotener Vorsicht die verdammten Türen so zu öffnen, dass sie nicht aus den Angeln gerissen werden.
Den Kampf haben wir an dieser Stelle auf jedenfall gewonnen, so dass wir gemütlich weiter mit „Susi“ Richtung Gullfoss reiten konnten. Warum das Auto Susi heißt? Keine Ahnung, vielleicht weil Susi schon a bissl abgenutzt ist und ein bisschen Ermüdungserscheinungen hat? Na jedenfalls hat uns Susi heil auf den Parkplatz beim Gullfoss gebracht und siehe da, der Parkplatz war fast komplett leer. Auf der oberen Ebene brauchten wir nicht ganz so argh mit den Türen kämpfen, aber als wir (nachdem wir noch einen kurzen Check im Souvenirladen eingeschoben hatten) dann den Weg an die erste Aussichtsplattform machten – verdammte Axt – die -8° fühlten sich eher wie -15° oder noch weniger an. Wie Nadelstiche fuhr es uns in die Hände, allen voran unsere Männer, also wir sowohl das Selfie als auch das Gruppenselfie schossen. Und auf dass die Handys nicht umhergeflogen sind. Aber auch ich hatte einfach nur Eishände, versuchte durch den Sucher zu schauen, aber das war eher ein blindes Fotografieren, da der Suche schon beim rangehen beschlug. Mein Mund-Nasen-Schal war schon weiß beschlagen, da der Atem direkt am Schal fror. Und der Wind, es war so kalt. Und wir waren jetzt nicht wirklich dünn angezogen. Aber da, wo die Haut rausblitzte (also vornehmlich im Gesicht), frierte alles ein. Davon mal ab, dass wir auch noch ordentlich rumgeschoben wurden von den Böen. Doch eisern wie wir waren, wagten wir uns noch an einen anderen Ausguck, von wo man in Schlucht, die vermutlich durch den Wasserfall selbst geschaffen wurde, reinschauen konnte.
An dieser Stelle noch schnell ein bisschen Wiki-Wissen zum Gullfoss: Der Gullfoss (Goldener Wasserfall) ist ein Wasserfall der Hvítá (ein Fluss der im Hvítárvatn entspringt) und – der fleißige Leser hier weiß das natürlich schon – über zwei Ebenen einen stufigen Verlauf hat. Insgesamt überwindet der Gullfoss knapp 30m. Auf der ersten Stufe sind es 11, auf der zweiten 21m und fließt dann durch eine etwa 70m tiefe und 2,5km lange Schlucht weiter. Nicht zu vergessen, das Wasser der Hvítár und der Gletscherläufe funktioniert hier wie eine Art Fräse, denn jährlich mops der Fluss der Schlucht 25cm, die wird also immer etwas breiter und tiefer. Ich würde aber lügen, wenn ich behaupte, dass ich den Unterschied erkennen könnte :-). In den 19xxer war die Schlucht zweimal komplett mit Wasser gefüllt, so dass die untere Stufe des Gullfoss quasi nicht mehr sichtbar bzw. existent war. Doch das war lange vor unser Zeit zwischen 1930 und 1950.
Aber genug geschwafelt, Hauptsache das Selfie passt:

Ach und appropo Hvítá, die ist übrigens auch für das türkisfarbene Wasser in der Bruarhlöd-Schlucht verantwortlich.
Aber nun genug dazu, auf zum Geysir – dem Gebiet, wo mehrere der heißen Quellen mit bis zu 100 Grad liegen. Hier ist nicht nur der Strokkur beheimatet, sondern auch der kleine Geysir, der in aller seelenruhe vor sich hinwabert. Bereits als wir auf dem Weg zum Gebiet waren, sahen wir die erste Wasserdampfsalve des Strokkur. Doch als wir näher kamen, schwieg der Geysir erstmal eine Weile. Wie angewurzelt standen wir vor dem Geysir, bibberten und warteten um dann zu spät auf den Auslöser zu drücken. Die Dampfsäule war beim ersten Mal auch eher ein Wölkchen, denn statt volle Lotte 20m hoch zu steigen, verpuffte er recht klein, dafür aber breit, da der Wind sein übriges tat. Vom Ansturm des letzten Besuchs war aber auch hier nicht viel zu sehen, bis auf ein paar vereinzelte Menschen verirrte sich hier auch niemand hin. Nach dem kleineren Puff, liefen wir zum großen Geysir, der aber nun schon recht lange schläft. Er ist zwar aktiv, bricht aber nur sehr selten aus. Im Übrigen hat der Große Geysir schonmal eine Fontäne rausgelassen, die über 120m hoch war. Das ist schon ordentlich 🙂 Doch am gestrigen Tag wollte er das wohl nicht und so strich der Wind ein paar kleine Wellen über die Quelle, doch mehr tat sich nicht. Wir schauten uns auch noch die umliegenden, ebenfalls schlafenden Quellen an, die an den Rändern schöne Ablagerung des Schwefels in weiß hinterließen. Teilweise konnte man sehr tief hinein sehen, aber es regte sich nichts. Also stiefelten wir wieder zum Strokkur, dem Butterfass zu deutsch, und warteten auf den nächsten Schub, der auch kam, doch war der Finger am Auslööser quasi eingefroren und ich konnte die Serienbilder nicht anschauen und dachte, ich hätte den Ausbruch nicht geschafft. Im Nachhinein hatte ich ihn aber schon mit der Kamera aufgenommen, zumindest einen Teil. Neben einem höheren, schoss er noch zwei weitere, die aber dann doch eher wieder flach und in die Breite gingen. Wie das ganze dann aussieht, könnt ihr in der Galerie anschauen, wir haben ein Gif zusammengestellt. Ist also fast wie ein Video. Viel Spaß!

Nun waren wir aber vollends durchgefroren, die dicken Beinchen und der Bobbes wollten ums Verrecken nicht mehr warm werden, doch wir mussten weiter. Reykjavik war ja unser Endziel. Also stoppten wir nochmal kurz im Thingvellir Nationalpark, wo wir unter anderem kurz aus dem Auto hüpften um uns die Silfra-Spalte anzuschauen. An dieser Stelle driften die zwei Kontinentalplatten Amerika und Eurasien auseinander und in dem 2-3° kalten Wasser kann man normalweise tauchen. Natürlich nur in einem fetten Neoprenanzug. Heute war hier aber niemand zum tauchen, zumal ja auch Feiertag war. Nach zwei Minuten flüchteten wir wieder ins Auto und wollten noch einen Abstecher zur Allmännerschlucht (Almannagjá) machen. Nachdem wir erst bisschen mit dem Auto rumgeirrt waren, sind wir doch vom oben gelegenen Parkplatz runter gelaufen und zu der Stelle, wo die Republik Island ausgerufen wurde und vor langer langer Zeit die Volksversammlungen statt fanden. Also ja, wir sind bei der **** Kälte auch noch rummaschiert. Davon mal ab, dass wir auch hier wieder völlig alleine waren, konnten wir darüber hinaus auch einen tollen Blick über Thingvellir genießen, das noch knapp in der Sonne lag und die dunkelblauen Wasserläufe des Öxara und den Þingvallavatn zeigte und die in der Sonne glitzerten.

Zurück am Auto hatten wir glaub alle die Schnauze ziemlich voll, da uns die Kälte über den Tag wirklich in den Knochen lag und so fuhren wir in einem Rutsch den Rest des Weges zum Hotel, checkten ein und hatten dann noch die Herausforderung, an einem Feiertag, wo 90% der Gaststätten geschlossen hatten, noch ein Abendessen ausfindig zu machen. Nach einiger Zeit der Suche fanden wir noch einen Burger-Laden im Hafen, so dass wir um 20:30 doch noch was warmes, wenn auch nicht wirklich gesundes, zu Essen bekamen. Aufgefuttert liefen wir zurück zum Hotel, verkrümelten uns auf die Zimmer und mummelten uns in die Decken, damit wir den heutigen Tag (inklusive PCR-Test) noch ordentlich gestalten konnten. Und hier die Bilder des Tages von gestern.
Der PCR-Test war übrigens negativ, wir dürfen also nach Deutschland fliegen. Ich weiß noch nicht, ob ich mich darüber freuen soll oder nicht, drum rum komm ich aber wohl auch nicht 🙂
Also schauen wir mal, dass wir morgen das Auto abgeben, unseren Flieger bekommen und einen vernünftigen Rückflug haben werden. Bis dahin, bleibt alle schön gesund und bis bald.









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