Tag 1
Abflug & Ankunft
Jahaaa, ich bin angekommen. Wirklich. Am Montag ging also mein Flieger nach Edinburgh und es hat alles ohne Probleme geklappt. Check-In lief reibungslos, Passkontrolle auch – seit April benötigt man ja zudem für Reisen in das Vereinigte Königreich eine Elektronische Einreisegenehmigung (ETA). Das hatte ich ebenfalls schon, da wir im April bereits unser ETA für August, wo wir kurz nach Nordirland rüberfahren, brauchen. Ihr wisst ja, Nordirland gehört zum Vereinigten Königreich. Aber das nur nebenbei.
Der Pass wurde auch nicht nur 1 mal kontrolliert, sondern 3 Mal. In Edinburgh selber wollte dann der elektronische Passscanner meinen Pass nicht lesen, aber die freundlichen Zöllner machen sowas ja auch noch per Hand. Von daher, auch da kein Problem reinzukommen.
Auch die Abholung des Mietwagens hat reibungslos geklappt. Es ist übrigens kein Peugeot geworden, sondern ein MG HS irgendwas. Auf jedenfall ne ordentliche Schüssel unterm Hintern, soviel ist sicher. Von Edinburgh bin ich dann ganz gemütlich nach Dumfries gefahren. Nicht über die Autobahn, sondern gleich direkt durchs Hinterland, wo die Straßen schon ordentlich eng waren. So gewohnt man sich gleich wieder doppelt schnell ans links fahren. Wobei ich sagen muss, dass das so oder so recht schnell funktioniert hat, sich wieder daran zu gewöhnen.
In Dumfries angekommen, bin ich zuerst in den Aldi gefahren, um noch einige Kleinigkeiten einzukaufen, damit ich zum einen was zum Abendessen habe und zum Frühstück und natürlich was zum trinken. Mit Dem Sack und Pack ging es dann weiter nach New Abbey, einem kleinen Dorf, wo auf einem der großen Bauernhöfe mein kleines Tiny House stand. Dafür musste ich über den ganzen Bauernhof fahren und am Ende war dann eine große Weide, wo es aber mit dem Auto nicht weiter ging. Zum Glück saß in einem der Traktoren noch ein Farmarbeiter, den ich dann kurz fragte, wo ich eigentlich hin müsse. Er erklärte, dass ich quasi an der Koppel lang müsste. Also parkte ich mein Auto und packte nur das nötigste ein, um dann zum Häuschen zu laufen. Dort machte ich es mir dann erstmal gemütlich. Leider war es super stürmisch, so dass ich nicht draußen am kleinen Teich sitzen konnte.
Sweetheart Abbey
Aber irgendwie hummelte es dennoch im Hintern, so dass ich mir die Kamera schnappte und nochmal ins Dorf fuhr, wo ein altes Kloster, die Sweetheart Abbey, stand. Da an diesem historischen Gebäude, wie an sehr vielen in England, der Zahn der Zeit nagt, war sie zum Teil eingezäunt. Zwar kann man tagsüber hinein, aber dafür war es einfach schon zu spät. Die meisten Sehenswürdigkeiten schließen um 16 oder max. 17 Uhr. Also schaute ich von außen, dass ging auch. Und da angrenzend auch ein alter Friedhof war, der nicht eingezäunt und frei zugänglich war, konnte ich das Kloster auch von hinten noch anschauen. Im Gegensatz zu manch anderen war hier das Kirchenschiff zumindest noch halbwegs erhalten.



Viel mehr hab ich an dem Tag dann aber nicht mehr gemacht, denn der Sturm trieb mich zurück ins Häuschen, und ich war auch ziemlich erledigt, so dass ich schon im Hellen ins Bett viel und direkt einschlief. Ich wurde nur wach vom Sturm, der nun von einem ordentlichen Regen begleitet wurde. Da wackelte ab und an das kleine Häuschen.
Tag 2
Caerlaverock Castle
Was von Regen über blieb, konnte ich am nächsten Morgen sehen, wo mich der Bauer mit Gummistiefeln, die bis zum Schaftende in der Brühe standen, begrüßte. Er nuschelte was von: Ganz schön heftiger Wind gestern..und ich nickte und lächelte. Meine Güte, der schottische Akzent is schon ordentlich schwierig zu verstehen, zumindest wenn die Leute nicht wissen, ob sie mit ihresgleiches sprechen oder nicht. Denn sobald sie merken, dass man Tourist aus einem anderen Land ist, versuchen sie in der Regel „hochenglisch“ zu sprechen oder langsamer. Aber manchmal scheint auch der fragende Blick alles zu sagen 😀
Aber darum soll es eigentlich nicht gehen, sondern um Caerlaverock Castle. Ich brach schon recht früh auf, da ich nicht allzuspät dort sein wollte, denn die Fahrt dort hin dauerte auch eine knappe halbe Stunde. Also war ich kurz nach Öffnung schon da und freute mir nen Keks, dass kaum was los war bis jetzt. Aber ich war auch nicht die Erste, von daher alles super. Die Dame, wo ich mein Ticket kaufte, erklärte mir noch, dass es noch eine erste Burg gäbe, wo aber nur noch die Steine auf Bodenniveau sichtbar waren. Den 5 Minuten kleinen Umweg machte ich natürlich, zumal ich so schon seitlich auf die eigentliche Burg schauen konnte. Aber wie schon gesagt, von der ersten Burg gab es eigentlich nichts mehr zu sehen. Sie wurde aber quasi still gelegt, weil der Standort nicht ideal war – zu nass und zu matschig. Vermutlich ist sie einfach abgesackt. Also lief ich den kurzen Weg wieder zurück und bog zur noch in großen Teilen stehenden Burg.
Es ist übrigens eine Wasserburg – und kleiner Fakt ab Rande, die einzige Dreieckige Wasserburg Schottlands bzw. die einzeige dreieckige Burg Großbritanniens. Das ist natürlich aus der „Froschperspektive“ nur schwerlich zu erkennen, daher hier ein Luftbild (Leider nicht von mir, Drohnenflüg waren nicht erlaubt). Keine Sorge, der Link geht zu Wikipedia. Die Burg selbst (also die noch erhaltenene) ist von ca. 1277 und gilt mit der reich verzierten Außenfassade des Hauptgebäudes, als eine der schönsten. Zumal die Reliefs (so würde ich es mal Bezeichnen) noch sehr gut erhalten sind. Wie aber schon bei der Sweetheart Abbey, werden auch an dieser Burg gerade Instandhaltungsmaßnahmen vorgenommen, so das ein Teil nicht zu besichtigen war.



Alle weiteren Infos zur Burg findet ihr auch auf dem Eintrag bei Wiki.
Threave Garden & Nature Reserve
Nach der Burg ging es weiter zu einem tollen, und vor allem, großen Garten. Zwar lag der nicht direkt auf dem Weg, aber hin wollte ich dennoch. Also hab ich brav meinen Eintritt bezahlt, und bin direkt losgeschlendert. Viel gibt es gar nicht zu sagen, denn ich hab mich mit meiner Kamera bewaffnet und wild drauf losgeschossen und sehr sehr viele Makros gemacht. Das hat mir echt viel Spaß gemacht, die Formen und Farben einzufangen und die kleinen Details. Auch wenn nicht alles Bilder perfekt geworden sind, denn für das Stativ war ich zu faul und außerdem ging immer noch ordentlich Wind. Also hab ich einfach auf gut Glück losgeschossen. Was dabei rumkam? Hier nur drei kleine Impressionen.



In der Galerie kann man die Bilder dann natürlich auch in groß anschauen, dann sieht man auch im Dritten Bild den kleinen Kumpel, der sich dort versteckt.
Dundrennan Kloster
Nach dem Garten wollte ich noch zu einem Kloster, auch das lag etwas abseits, aber was solls. Also fuhr ich weiter runter in den Süden und kam gut am Kloster an. Ich luscherte rein, weit und breit niemand zu sehen, außer einer Dame, die sich am Rasen zu schaffen machte. Kurzum, es war NIX los. Ich wollte sich eigentlich auch nicht stören, aber wollte ordnungsgemäß meinen Eintritt zahlen. Also rief ich ihr Hallo zu und schwupps, kam sie schon angelaufen und begrüßte mich in breitem schottisch. Sie erklärte mir, dass ich auch den Explorer (Entdecker)-Pass kaufen könnte, vorallem, wenn ich Stirling und Edinburgh mache. Ich erklärte ihr dann wiederum, dass ich beides schon kenne und diesmal nicht vorhabe, mir das anzuschauen und nur das Ticket für die Abbey brauche. Sie fragte dann, woher ich komme, wohin ich gehe und so weiter und so fort. Die Leute sind immer sehr interessiert, wo man alles so hinwill, aber eben auf eine nette Art und Weise. Das mag ich 🙂 Und sie hat mein Englisch gelobt (da mußte ich leider laut lachen und sagte ihr, dass das sehr nett sei), aber sie bestand drauf, dass es gut sei. Lassen wir das einfach mal so stehen.
Sie fragte mich dann, ob ich einfach nur rumlaufen wolle, oder ob sie mir alles erklären sollte. Da hab ich gesagt, wenn ich sie nicht störe, darf sie mir gern alles erzählen. Und wenn ich was nicht verstehen würde, soll ich gern nochmal fragen. Aber das verstehen ist nicht so das Problem. Sie erzählte mir dann, wann die Abbey gebaut wurde (1142) und dass die Seitenschiffe zwei verschiedene Baustile (Romantik und Gotik) haben und dass das recht einzigartig sei. Das Schwesterkloser ist übrigens Sweetheart Abbey (siehe oben). Auch Mary, Queen of Scots, war hier kurz untergebracht, wobei nicht direkt im Kloster, sondern einem angrenzenden Bau, wo der Administrator wohnte. Es war ihre letzte Nacht in Schottland (1568). Vom benachbarten Port Mary überquerte sie den Solway Firth nach Workington und wurde kurz darauf von den Engländern gefangen genommen. 1587 wurde sie dann geköpft, also erst viel später.
Nach der Reformation ging das Kloster an die Krone und verfiel langsam bzw. wurde lange Zeit als Steinbruch genutzt. Die Steine wurden dann teilweise einfach phi mal Daumen wieder in die heutigen Überreste eingesetzt, so dass an manchen Stellen einfach falsche Steine (was die Epoche angeht) sitzen.
Nachdem sie mir alles soweit erzählt hatte und noch andere Gäste kamen (es wurd dann fast voll :-)), schlenderte ich durch die Anlage. Auch wenn das irgendwie immer auch was morbides hat, ich steh ja voll auf so Ruinen – ok, nicht zwingend Ruinen, aber so sakrale Bauten sind doch irgendwie faszinierend, besonders, wenn die schon sooooo alt sind. Und was unser Zeit hier auf Erden dagegen für ein Wimpernschlag dagegen ist. Und dafür brauch man nicht mal gläubig sein, um das interessant zu finden.


Tag 3
Culzean Castle
Nach dem Frühstück ging es am nächsten Tag in Richtung Ayr/Troon. Der nächste Zwischenstop. Doch vorher lag noch Culzean Castle auf dem Weg, was ich mir natürlich nicht entgehen lassen wollte. Während der gesamten Fahrt war das Wetter vor allem von einem Sonne/Wolken Mix geprägt, doch als ich in Culzean Castle ankam und meinen, nicht billigen, Eintritt gezahlt hatte, öffneten sich erstmal die Schleusen am Himmel. Da saß ich nun blöd im Auto, aber wie das so oft hier in Schottland (oder auch Irland) ist, meist verzieht sich der Regen dann doch wieder. Und so kam es auch. Ich fuhr noch ein Stück weiter zum Parkplatz des Walled Garden (Gemauerter Garten bzw. ein in Mauern gefasster Garten). Dort wartete ich noch 5 Minuten und stiefelte dann mit meiner Kamera los. Und das Gute an Regen? Regentropfen auf Pflanzen 🙂 Also rein in den ummauerten Garten und zackzackzack Makros mussten her 🙂



Vom Garten bin ich dann in Richtung Burg/Schloss gelaufen, vorbei an der Orangerie und dem Wildtiergehege, wo einige Hirsche bzw. Rehe waren. Aber die habe ich links, bzw. recht liegen gelassen und mir lieber diesmal die kleine Orangerie angeschaut. Von der Orangerie war es dann auch nicht mehr weit bis zum Schloss, das direkt an die Küste gebaut ist. Es gab einen Bereich, wo die Mauer flach war und man direkt aufs Meer schauen konnte. Wobei Meer hier nicht der richtige Ausdruck ist. Korrekterweise schaut man auf den Firth of Clyde. Der Firth of Clyde ist das Mündungsgebiet des Flusses Clyde an der Westküste Schottlands. Der Firth hat einige der tiefsten Küstengewässer der britischen Inseln. Wieder was gelernt, nicht wahr?
Am Horizont zeichneten sich einige Berge ab, was sowohl die Arran-Insel als auch die Halbinsel Kintyre waren. Ich lief dann in die Burg hinein und stand als erstes in der gefühlten Waffenkammer. Der ganze Raum, über und über mit Waffen, Messern, Schwertern. Und an den Wänden zu kunstvollen „Gemälden“ zusammengesetzt. Da ich aber so grundsätzlich nicht auf Waffen stehe, habe ich nur ein Bild gemacht, um es mal zu verdeutlichen.
Weiter ging es durch die vielen Zimmer, einige eben mit spektakulärem Blick auf den Firth of Clyde. Kleine Randnotiz: „Als Anerkennung der Verdienste während des Zweiten Weltkrieges um die Befreiung Großbritanniens wurde dem General und späteren Präsidenten Dwight D. Eisenhower bereits zuvor von den Kennedys das oberste Stockwerk auf Lebenszeit zur Verfügung gestellt.“
Auf dem Rückweg musste ich natürlich auch wieder über die „Zufahrt“ zurück zum Auto und dort gab es einen abgesperrten Bereich, weil dort Vögel nisten. Auf dem Hinweg habe ich keinen Vogel gesehen, auf dem Rückweg aber sehr wohl. Bestes und prominentestes Plätzchen sicherte sich:

Und? Erspitzelt? Das ist ein Oystercatcher – oder auf deutsch: Austernfischer. Wie auch immer der sich dahin verirrt hat, ein tolles Plätzchen auf jeden Fall. (Und ja, weit vom Meer weg waren wir ja in der Tat nicht).
Dunure Castle
Weiter ging es Richtung Ayr bzw. Troon und da stand noch eine weitere Burg auf dem Zettel, die direkt über dem Wasser thront. Die Dunure Castle. Viel ist leider nicht mehr übrig, aber man kann sich das schon vorstellen, wie dieses Bollwerk oben auf der Klippe steht und die Bewohner aufs Meer schauen können durch ihre Schießschartenfensterchen. Denn so richtig licht, waren die Burgen damals alle nicht. Ein Stückchen entfernt gab es noch ein kleines Labyrinth, das man von oben gut sehen konnte. Dachte erst, ich sei auf einen Steinkreis gestoßen, aber Pustekuchen. Und ja nein, eigentlich wollte ich mir ja einige im Süden anschauen, aber irgendwie hat das nicht in den Zeitplan gepasst. Aber von oben sah es dennoch niedlich aus.
Dunure Castle ist übrigens ein Drehort gewesen für „Outlander“ – die Serie, nicht der Film. Man geht davon aus, dass die Burg aus dem 13. oder 14 Jahrhundert stammt und, wer hätte es gedacht, Mary, Queen of Scots, kam auch mal für drei Tage vorbei 🙂 Neben der Burg steht noch ein sogenannter „Beehive“ – ein Bienenstock, der aber ein Taubenschlag ist / war und etwa 200 Nistplätze hat. Im 15. Jahrhundert wurde dies unter anderem auch zur Fleisch- und Eiergewinnung genutzt.
Danach ging es ins Hotel, Abendessen und Bilder sortieren und bearbeiten.
Das war es jetzt erstmal auf die Schnelle. Ich hoffe, ich finde morgen eine Minute, um die nächsten Tage zu bearbeiten und zu schreiben. Vielleicht bleib ich ja einfach in meinem Schäferwagen, den ganzen Tag 🙂












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