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Super-Jeeps und Anacondas

Super-Jeeps und Anacondas

Do. 21.02.2019

Komische Headline? Nicht wundern…Wir sind gestern zu unserer Eishöhlen-Expedition aufgebrochen. Da wir erst um 13 Uhr etwa an der Jökulsarlon-Bucht sein mußten, frühstückten wir in aller Ruhe und düsten dann langsam los Richtung Osten, vorbei an den uns schon bekannten Gletschern und vorbei an neuen Gletschern, die wir noch nicht kannten…

Kurz vor der Bucht machten wir einen kleinen Stop um einen ersten Blick auf die Gletscher-Lagune zu werfen, jedoch war ich im ersten Moment enttäuscht, weil da gar nicht so viele Eisberge drin waren, sondern nur ein paar große und viele kleine zerfetzte Stückchen.

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Im Hintergrund der Bucht konnte man jedoch schon den Gletscher sehen, der zum Teil in den See kalbt. Also fuhren wir noch ein Stückchen weiter, um vorher noch kurz abzubiegen und am Diamond-Beach anzuhalten.

Diamond-Beach? Ja genau, am schwarzen Strand sammeln sich die Eisbrocken, Eisberge und Eisklümpchen, die vom See mit der Ebbe hinaus getragen werden. Einige skurrile Skulpturen fanden sich dort bereits und selbst bei der Farbe des Eises gab es viele verschiedene Typen. Von durchsichtig über weiß, blau, weiß-blau oder auch schwarz war die Palette weit gefächert. Und wenn dann die Sonne auf die Eisbrocken fällt, funkeln sie wie Diamanten und fangen das Licht ein. Einen kurzen Moment Sonne haben wir sogar bekommen, ansonsten war der Himmel aber recht wolkenverhangen an diesem Tag. Das hielt uns aber nicht davon ab, unser eigentlich Ziel anzusteuern.

So gingen wir zum Treffpunkt für unsere Eishöhlenbesichtigung und wurden dann zuerstmal zu einem anderen Auto gelotst. Der Fahrer, ein Riese von Mann, auf dessen Mütze dick „Siggi Iceland“ drauf stand. Ich hatte schon eine Ahnung, dass er wohl Siggi heißen würde, was sich später bestätigte, wenngleich es „nur“ sein Spitzname ist. Siggi jedenfalls bot uns an direkt ins Auto zu gehen und einer von uns könne vorn sitzen. Ich zierte mich erst, fands dann aber schlussendlich ziemlich knorke vorne zu sitzen und von gefühlten 3 m Höhe aus auf das Eis und alles drum herum zu starren 🙂

Und dass das kein kleines Auto war, zeigt wohl auch das Bild…

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Nachdem die Gruppe dann vollständig war, stellte sich Siggi nochmal vor uns erzählte uns dann über den Gletscher, in dessen Richtung wir fahren würden. Es war der Breidhamerkurjökull.

Die dicken Reifen dienen übrigens dazu, Luftdruck abzulassen oder hinzuzufügen über einen Kompressor, so dass man leichter durch das unwegsame Gebiet fahren konnte. Von Schnee, Eis und Schneematsch war alles dabei und selbst größere Löcher waren für das Auto kein Problem. Der besagte Gletscher ist ein kleines Phänomen, denn er kalbt im Jahr etwa 500-750m, die Gletscher drumherum sind eher bei 5-50m im Jahr. Ein riesen Unterschied und zudem sind die Gletscher recht jung, denn der Breidhamerkurjökull ist gerademal 800 Jahre alt, also ein wahres Baby. Nach einer Weile mußte ich jedoch blinzeln, dachte ich doch wirklich, auf dem Gletscher Autos gesehen zu haben – und Tatsache, selbst wir fuhren irgendwann auf den Gletscher. Das ist so ein surreales Gefühl bzw. Erlebnis, dass es echt schwierig ist, in Worte zu fassen. Eine Kolonne von diesen Super-Jeeps/Trucks kämpfte sich den Gletscher hoch zu der Eishöhle. Siggi, ein Local, führte uns aber zuerst einen anderen Weg den Gletscher hoch zur Eishöhle mit dem Namen „Blue Heaven“, denn dort stand bis jetzt nur ein Auto und er hatte die Hoffnung, dass auch das Auto sich verpieselt und wir alleine oben auf dem Gletscher wären. Und so war es dann auch. Siggi wurde nicht müde zu betonen, dass er mit seinem kleinen Unternehmen den Gästen etwas mehr bieten wollte, als einfach schnell auf den Gletscher zu fahren, die Höhle zu besichtigen und dann wieder runter zu fahren. Er nannte seine Kollegen, die anscheinend direkt für Arctic Adventures (über die wir gebucht hatten) sogenannte Race-Tour. Also fix hoch und fix wieder runter.

Er hingegen wird im Namen unseres Tourveranstalters gebucht und erzählte uns natürlich, dass wir alle Zeit der Welt hätten und alles in Ruhe anschauen und Fotografieren könnten. Wie auch immer solche aussagen bewertet werden sollen, Siggi als Typ kam recht authentisch und glaubwürdig rüber. Zumal er mit Witz und Charme den nachmittag für alle perfekt gestaltet hat.

So kamen wir also an der „blue heaven“ (blauer Himmel) an und bekamen für unsere Schuhe noch Spikes, so dass wir fast gefahrlos auf dem Schnee/Eis laufen und durch die Höhle laufen konnten, wobei es weniger eine klassische Höhle war, sondern eher ein Tunnel mit offenem Dach. Doch Siggi hatte nicht zu viel versprochen, dass Blau war magisch und strahlte. Unbegreiflich, wenn man bedenkt, wie die Gletscher in den Alpen aussehen – zumindest die, die ich gesehen hatte. Und nun standen wir hier auf einem wahren Koloss.

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Nachdem alle ihre obligatorischen Bilder gemacht hatten, fuhr uns Siggi zur eigentlichen Höhle, die auf dem Plan stand. Die Anaconda-Höhle. Im Sommer gehen die lokalen Touristenführer auf die Gletscher und suchen nach diesen Eishöhlen und bei der Entdeckung der Anaconda, war unser Siggi mit dabei. Sein Stolz darüber war unverkennbar. Die letzte Höhle ist im Sommer 2018 leider zusammengefallen, so das es notwendig war, eben eine neue zu suchen, damit die Touris bespaßt und der Tourismus am leben bleibt.

Wir sahen schon aus einiger Entfernung etwa 8 Autos und Siggi hoffte, dass einige bereits am Abreisen sind, damit die Höhle nicht vollkommen überlaufen ist. War sie dann zum Glück auch nicht. Wir gingen durch den Hintereingang rein und das Eis sah aus wie schwarzes Öl. Die Form des Eises war mit Mulden und weichen Kanten und schimmerte glänzend schwarz oder grün oder blau, je nachdem aus welchem Blickwinkel man schaute. Es gab auch Bereich, wo man richtig sehen konnte, dass Steine oder ähnliches dran vorbeigeschoben wurde, denn viele kleinen Rillen zeichneten sich auf dem Eis ab. An der Decke der Höhle hingen teilweise Steine, die schon recht lange dort sein müssen und wohl auch noch eine Weile bleiben, bis das Eis sie freigibt. Wir liefen durch die Höhle, durch die sich durch das Tau- und Regenwetter mittlerweile ein kleiner Bach schlängelte und liefen zu einem weiteren Eingang, vor dem wir alle schön posieren konnten 🙂

 

Danach ging es noch an den Ausgang, an dem das Eis teilweise seine schwarze Farbe in ein türkisgrün, blau und weiß, tauschte. Auch hier spielte natürlich der Lichteinfall eine entscheidende Rolle. Nachdem sich auch hier alle mit Fotos eingedeckt hatten, kletterten wir aus der Höhle raus und standen auf dem Dach und konnten noch für einige Zeit die Aussicht auf den Gletscher, die Moränenlandschaft und das schwarze Eis genießen. Was es mit dem schwarzen Eis auf sich hat, muss Stefan erklären bzw. hat er in der Galerie bei den Bildern beschrieben. Ich hab nur Permafrost im Kopf behalten.

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Danach ging es langsam wieder zurück und wir merkten, wie der Schnee zu immer mehr Matsch wurde. Der Winter in diesem Jahr war so schlecht, dass kaum Schnee gefallen ist (was natürlich auf die Gletscher beim Wachsen behindert). In normalen Jahren haben sie um die 2m Schnee durch die sie mit den Autos fahren. Und ja, auch wir merkten, dass der Winter eher ein kalter Herbst war, denn als wir an unserem Startpunkt ankamen, hatte es sich komplett zugezogen mit Nebel und leichtem Nieselregen. Doch wir wollten unbedingt nochmal zur Bucht, wo sich die Eisberge vor dem Zugang zum Meer tummelten. Als wir dann etwas unterhalb des Parkplatzes standen sahen wir neben den Eisbergen direkt vor uns, wie auf dem Verbindungsarm zum See riesige Eisschollen und -berge auf den Weg Richtung See machten. Die Flut hatte eingesetzt und drückte mit enormer Kraft die Eisberge zusammen. Einige der Eisklötze beschleunigten voll Kanne und rammten dann die anderen Berge, so dass sich am Eingang des Sees ein riesiger Pfropen gebildet hatte. Sobald die Ebbe einsetzt, werden wieder Teile hinausgetragen und sammeln sich zum Teil am Diamond-Beach oder dienen als Spielzeug für die zahlreichen Robben, die sich hier tummeln und auf lecker Fisch freuen 🙂

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Wir beobachteten das Treiben der Eisberge noch eine Weile und fuhren dann noch auf die andere Seite des Diamond Beach, wo es mittlerweile kaum noch Leute hinverschlug, da das Wetter echt mies war und der Atlantik an den Strand drückte. Die Wellen die sich auftürmten waren sicher 2-3m hoch und klatschten an die großen Eisberge und bescherten einigen Touris nasse Füsse. ;-P Nachdem wir genug gesehen hatten und es fast schon dunkel war, machten wir uns zurück zum Hotel und ließen den Abend bei einem festlichen Mahl in Form einer 5-Minuten Terrine ausklingen.

Fun Facts die uns Siggi noch mitgab:

Auf Island gibt es 350.000 Einwohner – im Sommer gibt es ca. 950.000 Schafe. 🙂
Island exportiert Tomaten (wer hätte es gedacht) und manchmal auch Bananen. Warum? Nunja, durch die Geothermie ist es möglich, günstig Gewächshäuser zu betreiben, so das es riesige Anlagen gibt, wo eben Tomaten angebaut werden.

Noch ein Fakt zu unserer Fahrt den Gletscher hinauf: An einer Stelle, man sah eigentlich nur einen schwarzen Hügel, berichtete Siggi, dass viele Menschen in Island an Feen und Trolle glauben und das der schwarze Hügel ein Feenhaus wäre. Als die Autos einen Winter zu nah dran vorbei fuhren gingen die Autos reihenweise kaputt. Dann verlagerten sie die Route und nichts passierte mehr mit den Autos. Nun konnte sich jeder selbst überlegen, ob er an Feen glaubt oder nicht, er selbst war sich nicht sicher. Nur dass er an Trolle glaubt, weil er selbst einer sei. Zum Beweis gab es den Handtest – spricht, er hielt uns seine Riesenpranke hin und dagegen sahen unsere Hände wie Kinderhände aus – er muss wirklich ein Troll gewesen sein 🙂

So, nun aber her mit den Fotos!!!


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Eine Antwort zu „Super-Jeeps und Anacondas”.

  1. Avatar von Klaus
    Klaus

    Hi, ihr Zwei!
    Ein bisschen neidisch wird man durch eure Bilder und Berichte schon. Ich würde sagen, dass ihr noch nicht nach Hause fahren könnt, denn dann haben wir das ja nicht mehr zu Bestaunen und selbst da hin fahre ist nicht mehr. Das hier ist doch wieder so ganz anders als Hobbitland und Australien. Nun gut. Es hat sich wieder einmal toll für euch gelohnt. Nun kommt noch ganzbeinig wieder nach Hause dann ist alles perfekt.
    LG MoKl

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