Liebe Lesefreunde,
heute holen wir nochmal aus und werfen einen Blick zurück. Bervor es nach Deutschland ging, war ich noch ein paar Tage auf eigene Faust und auch einmal mit Begleitung von Sybille unterwegs. Mit Sybille bin ich zum Beispiel in die French Concession, um uns dort das Propaganda Art Center anzusehen.
Shanghai – French Concession und Wabaidu-Brücke
Das Propaganda Art Center ist ein kleines, privat geführtes Museum, das auf eine beachtlich Sammlung der Propaganda-Plakate aus allen möglichen Epochen verfügt. Es liegt in der French Concession, doch leider waren Fotos dort nicht erlaubt. Doch alleine der Weg zum Museum war für mich schon abenteuerlich genug.
Hatte ich es doch selber schon versucht, dieses kleine Museum zu finden. Auf eigene Faust hatte ich es zum damaligen Zeitpunkt nicht gefunden. An diesem Tag jedoch, wieder bewaffnet mit meinem Reiseführer, fanden wir es. So winkte uns ein Pförtner schon fleißig, dass wir doch zu ihm kommen sollen. Haben wir dann auch gemacht und er überreichte uns eine kleine Wegbeschreibung zum Museum. Versteckt in einem schlichten Wohngebäude und etwas verwinkelt, fanden wir es dann. Die Masse an Postern, Karten aber auch Statuen war doch größer als erwartet. Zum Glück wurden die Postet auch immer in engl. Beschriftet, so dass man zumindest ein wenig nachvollziehen konnte, worum es auf dem Poster ging.
Auf jeden Fall war es interessant und ich konnte ein Häkchen auf meiner Museums-Liste machen. Nachdem wir aus dem Museum raus waren, entschlossen wir uns, eine Kleinigkeit zu essen. Also gings Richtung Shanxi Road zu meinem Lieblings-Straßenstand. Was es leckeres gab, könnt Ihr bei den Bildern dann sehen (gleich die ersten zwei im Album)
Nach dem Futtern sind wir mit der U-Bahn in Richtung Bund gefahren und am Bund bis nach hinten zur Waibaidu-Brücke gelaufen. Ich selbst war ja schon einmal dort, doch hübsch anzuschauen ist das gute alte Stück dann doch. Auf dem Weg zur Brücke konnten wir wieder, auch wenn es ein Sonntag war, eine Menge Brautpaare beim Posieren zuschauen. Die heiraten hier alle wie verrückt und lassen sich auch nicht dabei stören, wenn die Menge sie angafft, während sie sich gespitzt die Lippen aufeinander setzen. Aber richtig küssen tun die sich eh nicht. Sieht leider immer sehr sehr gestellt und unnatürlich aus. Eben so, wie man es von Bildern kennt. Bei der Brücke angekommen haben wir natürlich ein paar Fotos gemacht und sind dann an der Russischen Botschaft vorbei zu ein paar der teureren Hotels. Beim Abbiegen um die Ecke haben wir dann noch ein kleines Aye-Treffen mitangucken können. Aye – das sind die Hausfrauen, die oft auch als Putzfrauen bei den Ausländern arbeiten. Die machen immer schön ihre Abendgymnastik. Das kann ich auch immer beobachten, wenn ich von der Arbeit zur Bahn laufe. Und dann aber in richtig großen Gruppen. Manchmal kann man sogar vor einer der Banken im Viertel eine Gruppe von 30 recht jung wirkenden Mitarbeitern sehen, wie sie schön ihre Körperertüchtigung nachgehen. Mit Wimpeln und Fahnen, da wird fast marschiert…Aber ich schweife ab…(vielleicht kann ich mal nen Bild machen, wenn ich es wieder live sehe :))…
Jedenfalls haben die Damen schön ihren Sport gemacht und aus dem Ghettoblaster dröhnte die Musik,, die den Takt vorgab. Dem Treiben haben wir ein wenig zugeschaut und sind dann wieder zurück zur Brücke und dann auch ziemlich kaputt wieder zur U-Bahn, um uns auf den Heimweg zu machen. Der Schrittzähler hat sich jedenfalls am Ende des Tages wieder herzlich gefreut, dermaßen in Anspruch genommen worden zu sein!
Ihr wollt ein paar Bilder?
Im Übrigen: Wir haben noch ein kleines Cafe aufgesucht, besser gesagt eine kleine Rösterei. Und wir haben uns das Käffchen was kosten lassen. ca. 10 Euro für ein Tässchen. Dafür aber unheimlich gemütlich dieser kleine Laden mit vielleicht 5 Sitzplätzchen 🙂 Man gönnt sich ja sonst nichts.
Jüdisches Museum und kleiner Tempel Xiahai
Und dann war ich mal wieder alleine unterwegs. In einem eher abgelegenen Teil Shanghais hatte ich das jüdische Museum ausgemacht. Es liegt im Stadtteil Hongkou, das auf Puxi-Seite liegt. Im Stadtteil Hongkou gibt es einen Teil, der auch als Shanghaier Ghetto bekannt ist. Hier lebten in der Zeit zwischen ca. 20.000 jüdische Flüchtlinge. Shanghai war zur damaligen Zeit von den Japanern besetzt. Die Einreise nach Shanghai war zur damaligen Besatzungszeit Visafrei. Das Visa zur Ausreise aus Deutschland konnte nur über Umwege erlangt werden. So stellte das chinesische Generalkonsulat in Wien, gegen die Anordnung des Botschafters, unter der Leitung des Chinesen Ho Feng Shan Visa zur Ausreise aus. Ebenfalls wurden Visas in Litauen ausgestellt, von einem japanischen Diplomaten (Sugihara Chiune)! Shanghai war die letzte und einzige Stadt, die überhaupt Flüchtlinge noch aufnahm.
Doch die Freiheit sollte nicht lange anhalten. Die japanischen Besatzer konfiszierten dann bald das Eigentum der Juden und es wurden Ausgangsperren verhängt. Das Verlassen des Ghettos war nur mittels eines Passierscheins möglich. Den erhielten aber nur wenige Ausnahmen. Heute stehen noch zwei Häuserblocks, die an das Ghetto erinnern. In der Ohel Moshe Synagoge, die restauriert wurde, ist heute zum Teil das jüdische Flüchtlingsmuseum untergebracht. Neben einigen Exponaten aus der Zeit konnte man auch eine Führung mitmachen. Ich hatte die englisch-sprachige zwar am Anfang verpasst, bin denen dann aber flux hinterhergelaufen und habe mich dort angeschlossen. Zuerst wurde noch ein Film gezeigt, auch mit Stimmen von Nachfahren oder eben „Ghettokindern“. Neben vielen Bildern und der Geschichte einzelner Personen, wurde auch erklärt, wie die Lebensumstände im Hongkou-Bezirk aussahen, bevor es zum reinen Ghetto umfunktioniert wurde. So konnte trotz allem eine kleine Stadt in dem Ghetto wachsen, mit ärztlicher Versorgung, Bibliothek und Cafe. Doch irgendwann wurde es den Japanern wohl zu bunt und sie besetzten die gesamte Stadt. Ab da gab es nur noch die klägliche Vergabe der Passierscheine. Nach der Befreiung des Ghettos ist der Großteil der Juden weiter Richtung USA oder Australien gezogen. 1957 waren nur noch ca. 100 Juden in Shanghai. Heute gibt es wieder ca. 2000 in Shanghai. Doch was sind schon 2000 gegen 24 Millionen.
Was mit den alten Häusern passiert, ist nicht raus. So rasant die Stadt auch wächst, hier ist es noch das alte Shanghai. Wie Hongkou ausgebaut wird, ist noch nicht ganz raus. Da mahlen die Mühlen ausnahmsweise mal langsam. Wie habe ich gerade gelesen: Shanghai will nicht erinnern, Shanghai will Zukunft. Es wurde vorgeschlagen eine Gedenkstätte einzurichten, doch der Antrag läuft immer noch. Wer weiß also, wie es in 2 Jahren in Hongkou aussieht. Das wissen wohl nicht mal die Stadtväter…
Doch was erzähle ich eigentlich. Hab ich wieder hinten angefangen…:) Noch bevor ich ins Museum ging, bin ich in einen kleinen Tempel gestolpert, den die Touris eher nicht auf ihrer Besichtigungskarte haben. Der Tempel heißt Xiahai. Ein Buddhistischer Tempel, erst 1941 gebaut. Zum Glück findet hier fast kein Touri oder auch Chinese hin. Warum? Ich weiß es nicht. Jedenfalls war es entzückend und vor allem ruhig. Dem Großstadtgewimmel einfach kurz entflohen. Im Tempel gab es natürlich einige Gebäude und auch einen kleinen Garten mit einer Vielzahl Kois im kleinen Teich. Für ein par RMB kaufte ich Fischfutter und das war ein Spass, weil die wie die Chaoten aus dem Wasser hüpften. Das grenzte schon an Tierquälerei, aber witzig sah es dennoch aus. Alle Größen und Farben tummelten sich in einem Radius von einem Meter. Zu sehen wunderbar auf den Bildern, auf denen ein einziger Fischberg zu sehen ist. Hinter dem Garten konnte man jedoch die sehr ursprünglichen, fast wie in einem Slum wirkenden, Häuser sehen, die windschief und ohne jeglichen Schutz vor sich hinvegetierten. Man sollte aber nicht glauben, dass die nicht mehr bewohnt sind. Das ist echt ein großer Kontrast zu dem vielen Glitzer in der Stadt….
Nachdem ich dann vom Tempel rüber ins Museum bin und dort dann mit Kaffeebrand rauskam, habe ich mich noch in ein kleines, restauriertes Cafe gesetzt, Bilder angeschaut und den Tag etwas Revue passieren lassen. Nach meinem Kaffee bin ich dann an den alten Gebäuden, die bis jetzt jeden Modernisierungsplan in Hongkou überlebt haben, vorbeigeschlendert und schließlich zurück ins meine Wohnung.
Übrigens die U-Bahn-Station zu den beiden unteren Attraktionen nennt sich Tilanqiao.
So…lange Rede – kurzer Sinn, aber zu den Bilder!
Hier geht´s zu den Bildern des Tages!
Es grüßt Euch
das Beatchen









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