Es hätte alles so ruhig ablaufen können…
Als wir gegen Mittag auf die Fähre, die direkt vor unserem Hotel uns innerhalb von 25 Minuten zur Insel Miyajima brachte, war noch alles ganz ruhig. Die Fähre war leer, das Wetter ein bisschen unentschlossen und wir ließen uns den Wind auf dem Oberdeck um die Nase wehen,
Kurz vor der Insel entdeckten wir bereits ein größeres Tori, aber dieses gehörte nicht zur Hauptattraktion der Insel. Das ist nämlich das O-Torii, dass zum Itsukushimajinja (Shinto-Schrein) gehört. Aber dazu später mehr. Als unser Schiff endlich angelegt hatte, sahen wir schon auf den anderen Piers die Massen ankommen. Miyajima bzw. der Itsukushima gehören zum Weltkulturerbe – also eine Sehenswürdigkeit, die sich kaum ein Japan-Reisender entgehen lassen sollte.
Wie so oft haben wir uns gegen diesen typischen Mainstream entschieden und sind erstmal in die entgegengesetzte Richtung gelaufen, um uns erstmal das Torii, was wir vom Wasser aus gesehen hatten, anzuschauen. Gleich daneben war noch ein kleiner Schrein – der Nagahama-Schrein, Beides fotografisch festgehalten wurden wir erstmal zu kleinen Gipfelstürmern, denn es ging mal wieder bergauf. Bei der ersten Kreuzung fanden wir dann Hirsche/Rehe, ähnlich wie die in Nara. Die recht zutraulichen Rehe ließen wir aber dann hinter uns und bewegten uns weiter zu unserem ersten versteckten Tempel – dem Tokujuji-Tempel. Dieser war, versteckt zwischen normalen Wohnhäusern, fast verschlossen, doch wir haben das Türchen öffnen und einen Blick in den Garten werfen können. Da das Gebäude bewohnt aussah, sind wir nicht weiter hinein sondern haben uns leise wieder auf den Weg gemacht. Hier trafen wir jedoch das erste mal auf den Postboten, der uns an diesem Tag noch öfter begegnen sollte :). Weiter ging es Richtung Shinkoji-Tempel. Auch dieser war hinter einer geschlossenen Tür zu besichtigen und wir riskierten natürlich auch hier wieder einen Blick – und siehe da – der Postmann war auch wieder da und hatte uns zu diesem Zeitpunkt wieder eingeholt. Danach ging es durch einige Straßen und am Straßenrand fanden sich immer wieder kleine Schätzchen, die man fotografieren konnte.
Unser dritter Tempel war ein wirkliches Schätzchen – Hojuin-Tempel. An der Tür, die auch hier geschlossen war, empfing uns ein netter Opa, der die Tür öffnete und uns hineinließ. Eigentlich dachten wir, dass er raus wollte, aber nene, er nahm uns sozusagen fast an die Hand und schritt wacker voraus und führte uns über die kleine Tempelanlage hinauf auf eine Anhöhe von der wir die beste Sicht überhaupt hatten. Da konnten die ganzen Stadtführer nicht mithalten. Nicht nur dass wir die 5-stöckige Pagode sehen konnte, nein, wir konnten sogar das O-Torii von hier oben sehen! Wir versuchten uns noch ein bisschen mit ihm zu unterhalten, was gar nicht so einfach war, aber er hat uns noch erklärt, was wir von dem Aussichtspunkt alles sehen konnten und dass wir aus Deutschland kommen, hat er auch verstanden. Langsam sind wir wieder runter zum Hauptgebäude, wo ein junges Mädel saß. Der ältere Herr erklärte ihr, dass wir aus Deutschland kommen und sie hat sich dann mit uns auf englisch unterhalten. Da sie gerade am Basteln war, erklärte sie uns, dass einmal im Jahr eine Kunstaustellung stattfindet, an der alle Tempel der Insel mit teilnehmen und sie in den USA studiert hat. Dann sagte sie uns noch, dass eine Deutsche mit bei dem Projekt dabei ist und die Deutsche kam dann auch noch und hat sich bisschen mit uns unterhalten. Sie studiert Kunst in Hiroshima. Ehrlich, die sah auch aus wie so ne Kunststudentin….Hihi. Nach dem kurzen Plausch sind wir dann auch weiter zu den Besuchermagneten und haben uns vorher nochmal bei dem Opa bedankt, dass er uns auf den Berg geführt hat. Manchmal muss man einfach ein bisschen Glück haben. 🙂
Als nächstes sind wir durch eine kleine Einkaufsstraße gebummelt, haben ein paar Souvenirs gekauft und uns einen Kaffee gegönnt, um dann weiter Richtung Komyoim-Tempel zu laufen. Bevor wir den gefunden haben, fanden wir noch eine weitere Aussichtsplattform, wo eine Menge Kirschbäume standen und man einen Blick auf die 5-stöckige rote Pagode werfen konnte. Auch wenn der Blick von hier nicht so schlecht war, mit dem vorherigen konnte er lange nicht mithalten. Den Tempel haben wir dann gefunden, auch ein kleiner und nur von uns allein „heimgesuchter“ Tempel, den wir uns in Ruhe anschauen konnten. Mit einer großen Glocke im Garten, ein paar angezogenen Buddha-Figuren und dem Hauptgebäude war dieser auch ein kleines feines Schmuckstückchen mit einem gepflegten kleinen Innenhof, der das für Japan typische Muster im Steingarten beinhaltete.
Auch dieses kleine Schmuckkästchen ließen wir also hinter uns, um uns nun in das wirkliche Getümmel der Menschenmassen zu stürzen. Angefangen haben wir mit der 5-stöckigen Pagode, die vor dem Toyokuni-Schrein (Senjokaku) lag. Die Pagode war jedoch nicht zu besichtigen, dennoch gibt es dazu auch ein paar Fakten. Sie ist 28m hoch und wurde 1407 erbaut. Die Pagode vereint chinesische und japanische Architektur miteinander. Hab ich persönlich jetzt nicht so gesehen, aber ok 🙂 Der Schrein konnte aber besichtigt werden. Eine riesige Halle die zu allen Seiten offen war, viele große und breite Säulen sowie viele Holzlöffel (eventuell sind es auch Paddel) konnte darin besichtigt werden. Ansonsten war die Halle leer. Bereits 1587 wurde der Bau angefangen, konnte jedoch nicht ganz fertig gestellt werden, da der Bauherr vorher verstarb – sehenswert war er dennoch, denn die Deckenkonstruktion war schon beeindruckend.
Das nächste Ziel war der Itsukushima-Schrein, der zum Weltkulturerbe zählt. Da der Tempel auf dem Stand steht, ist er je nach Tageszeit bzw. Gezeitenzeit, entweder komplett von Wasser umgeben oder steht auf dem Trockenen. Das erste Mal wurde der Schrein bereits im 6 Jhd gebaut und 1168 in die derzeitige Form umgebaut. Ca. 200 m vor dem Hauptgebäude steht das O-Torii, also das Haupttor, in der Regel im Wasser – so auch, als wir ankamen. Am Abend, wie man auf den Bildern sieht, hat sich das Wasser noch weiter zurückgezogen, so dass man direkt hinlaufen konnte. Es gehört zu den meist bekannten Wahrzeichen der Insel. Der Tempel und auch das Torii sind in dem typischem Rot gehalten. Der Schrein umfasst 17 Gebäude, darunter auch eine Brücke, die auch an Land führt.
Nachdem wir den Tempel durchschritten, unser Ladegerät für die Kamera kaputt gemacht haben und festgestellt haben, dass unsere Akkus irgendwie leer rumblinkten, sind wir doch noch weiter gelaufen. Wir hatten wirklich überlegt, neue Akkus etc. zu kaufen und die Tour an der Stelle abzubrechen. Aber alles wird gut, hat ja schließlich auch mein Glücksbändchen gesagt.
ALso weiter ging es zum Daigangji-Tempel, nur da wurde gerade eine Gruppe von Touris rein- und rumgeführt, so dass wir nur schnell Bildchen gemacht haben und dann weiter sind. Nun immer auf Sparmodus, was das Knipsen angeht. Bei der Schatzhalle des Tempels haben wir noch einen kurzen Zwischenstopp eingelegt, sind jedoch nicht rein, weil die Zeit mal wieder drängte. Vor der Halle stand ein großes Gebilde, leider konnten wir nicht lesen, um was es sich handelte. Ich tippe ja auf einen Walwirbel. Aber wir werden es wohl nie erfahren. Mit einem Grüne-Tee-Eis in der Hand sind wir Richtung Seilbahn gelaufen und durch den Momijidan-Park, der im Herbst ein schönes Farbenspiel bieten muss. Auf dem Weg zum Park trafen wir wieder auf Rehe, die ganz heiß auf unsere Eistüten waren. Aber da es eben Wildtiere sind, haben wir sie nicht gefüttert, wobei mir eines nicht von der Pelle rücken wollte und mich um die Bäume verfolgt hat. Mit der Seilbahn ging es hoch auf 430m und von dort hatte man einen schönen Ausblick auf die Inlandsee, die kleinen Inseln und die Bergwelt um einen herum. Leider war die Sicht an dem Tag nicht ganz so klar.
Nun standen wir hier oben und wußten, dass auf der anderen Seite noch Tempel sind, die wir uns angucken wollten. Jedoch fuhr die letzte Bahn schon in einer Stunde – also wäre das ein echter Spurt gewesen und wir konnten nicht genau einschätzen, wie lange wir brauchen würden. Wir entschieden uns für die Variante hochkrakseln und am Berg runter Richtung Tal zu laufen. BLÖDE IDEE. Aber das wußten wir zu dem Zeitpunkt noch nicht. Wir sind also losgestapft und uns kamen viele Leute entgegen, die eben Richtung Seilbahn liefen, um Richtung Tal zu fahren. Endlich oben angekommen standen wir auf einem Plateau, wo die Misen-Hondo-Halle stand. Der Berg heißt Mount Misen – daher auch der Name. Neben vielen eher ungewöhnlich aussehenden kleinen Buddhas stand eine weitere Halle dort, in der die ewige Flamme brennt. In der Kiezu-No-Reikado-Halle soll dieses heilige Feuer seit ca. 1200 Jahren brennen. Ein paar Treppen hinauf stand die Sankido-Halle, die nochmal einen schönen Blick auf die Inlandsee bot.
Ab nun ging es nur noch abwärts, denn es wurde immer später und die Bahn war schon nicht mehr zu erreichen. Also sind wir losgestiefelt. Es war kein typischer Wanderweg, sondern Treppen Oo. Und immer abwärts und weiter und irgendwie wollte es kein Ende nehmen. Wir wollten auf jedenfall noch vor Einbruch der Dunkelheit aus dem Wald raussein, doch mit Treppen ist das eine eher fiese Angelegenheit. Zumal am Wegesrand immer wieder Hinweise auf giftige Schlangen angeschlagen waren. Mir ging ja schon etwas die Muffe, aber es half nichts. Also rannten wir sozusagen den Berg hinab. Zwischenstation war ein Aussichtspunkt mit Blick über die Berge und siehe da – wer kam denn da? Das Reh, dass nicht von mir lassen wollte. Es verfolgte uns sogar bis hier oben? Na wohl eher nicht, aber es folgte uns dennoch eine ganze Weile, bis es irgendwann im Wald verschwand. Nächstes Ziel am Berg war ein großes Tor – das Niomon, der Eingangsbereich zu dem Tempelkomplex auf dem Berg. Und endlich, nach über 1 1/2h Stunden waren wir dann wieder unten im Tal und kam noch zu einem weiteren Schätzchen, was wohl die meisten Touris nicht auf dem Plan haben – den Daishon-Tempel. Es handelt sich um einen buddhistischen Tempel, der versteckt im Wald liegt. Die erste Hürde, durch das Tor zu schlüpfen, hatten wir geschafft. Eine große Treppe führte zu der Haupthalle. Im Treppengelände waren goldene Rädchen eingebaut, die wie Säulen aussehen und sich bewegen lassen. Das Berühren soll Glück bringen. Aber auch ohne das zu wissen, hatten wir´s schon längst angetatscht. Ein Blick über die Brüstung zeigt ein anderes Kuriosum – die Figuren im Garten (aber wirklich alle) hatten eine Mütze bekommen – dabei war es gar nicht mehr so kalt.:) Mit ein paar Bildern und müden Knochen sind wir dann wieder Richtung Itsukushima, um uns das Tori bei untergehender Sonne anzusehen. Wir hatten also wieder mal mehr Glück als Verstand an diesem Tag.
Wie schon gesagt, konnte man nun direkt zum Torii laufen, wir haben uns jedoch dazu entschlossen, nicht durch die Matschepampe zu laufen und uns das Naturschauspiel aus sicherer Entfernung angesehen und unsere Foto gemacht. Mit noch müderen Knochen haben wir uns zum Fährterminal geschleppt, unsere Tickets gezogen und waren spät abends im Hotel, um direkt ins Bett zu fallen. Der Tag hat uns ganz schön geschlaucht, wir merken noch heute die tausenden von Stufen.
Für Bilder hat es heute nicht gereicht – aber morgen sollte es klappen. Bis dahin müsst Ihr Euch wohl noch gedulden.
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