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Auf verlorenem Posten

Auf verlorenem Posten

Die Zeit, sie rast einfach davon. Jetzt haben wir schon März 2026 und ich werde nun versuchen, mich zu erinnern, was wir die letzten Tage in Irland noch getrieben haben. Ich weiß schon, warum wir eigentlich eher direkt schreiben, statt später – und ja, in der Tat, von meiner Schottlandreise fehlt auch noch ein Part…

Aber darum soll es jetzt nicht gehen, lieber schauen wir nochmal auf die grüne Insel…

  1. Bád Eddie
  2. Cnoc Fola
  3. Horn Head
  4. Cionn Fhánada
  5. Bildergalerie
Bád Eddie

Wie wat Bad Eddie? Klingt bisschen wie der böse Eddie, doch nene, ich klär es gleich auf. Erstmal mussten wir ja aus unserem Schiffscontainer ausziehen. Wir haben also alles brav zusammengeräumt, noch ein letztes Bild von der Unterkunft gemacht und dann ging es mit dem Auto auch schon los.

Das Ziel war (London)Derry, direkt hinter der irischen Grenze in Nordirland. Das ist so schräg, wenn man darüber nachdenkt, dass das Land geteilt ist. Fast ein bisschen wie DDR und BRD, nur mit dem großen Unterschied, dass man hier, zumindest heute und aktuell, einfach mit dem Auto über die Grenze fahren kann ohne irgendwie was zu merken. Grenzposten oder gar eine Mauer haben wir nicht gesehen. Es ist einfach so, als wenn man eben wie bei uns über die Bundeslandgrenze fährt. Nur dass „Drüben“ mit Pfund und nicht mit Euro bezahlt wird, dass die Geschwindigkeit nicht in km/h sondern in mph (miles per hour) angegeben wird. Ein schleichender Übergang sozusagen. Und natürlich, nicht zu vergessen, die Kennzeichen sind natürlich auch anders. Die Iren haben das europäische Kennzeichen, die Nordiren eben das Britische.

Aber gut, ich schweife schon ab, denn die Grenze war noch a Stückel weg. Von Lettermacaward, wo unser Container stand, ging es erstmal Richtung Frühstück. Doch das war bissl leichter gesagt als getan. Wir hatten uns etwas rausgesucht, aber das war nicht direkt um die Ecke. Also machten wir noch halt bei Bád Eddie. Doch wer oder was ist das?

Bád Eddie (irisch für Boot Eddie) ist ein altes Schiffswrack aus den 1970er Jahren, dass am Strand von Magheraclogher liegt. Eine olle Rostlaube, die eben seit Ende der 70er Jahre den teils extremen Wetterbedingungen trotzt. Das Boot wurde in Frankreich gebaut und gehörte einem Einheimischen namens Eddie, der es zum Fischfang nutzte. In den 1970er-Jahren geriet das Boot während eines Sturms in Seenot, riss sich los und wurde schließlich hier an den Strand gespült. Bergen ließ es sich nicht mehr – zu teuer, zu aufwendig, zu aussichtslos. Also blieb es einfach liegen. Und liegt seitdem da.

Heute ist Bád Eddie weniger Schiffswrack und mehr Fotomotiv. Eine rostige Ikone mitten im Sand, ständig neu geformt von Wind, Regen und Atlantik. Mal halb vergraben, mal freigespült, je nach Laune des Wetters. Wir standen eine Weile davor, haben Fotos gemacht, sind einmal drum herumgelaufen und dachten uns: Irland halt. Selbst ein verrostetes Boot bekommt hier irgendwie Charakter.

Auch wenn Bád Eddie kein typischer Zwischenstopp ist, geschweige denn einer den man plant, bleibt er trotzdem hängen. Ein kurzer Halt, einmal durchatmen, Atlantikluft, Rost und kreischende Möwen und ein verfallenes Resort. Mehr ist nicht geblieben, also ging es weiter…- Frühstück finden. Da wir schon vorher geschaut hatten, wo wir was bekommen könnten, blieben wir direkt im Ort und zack, gabs ein leckeres Frühstück in der Arán Espresso Bar & Kitchen. Danach hieß es: Kilometer machen und ab nach Nordirland.

Bád Eddie am Magheraclogher Beach, County Donegal
Cnoc Fola

Da Londonderry aber eben nicht um die Ecke lag, ging es erst noch nach Cnoc Fola, dass direkt auf dem Weg lag. Cnoc Fola heißt übersetzt auch der „Blut-Hügel“. Warum er so heißt, weiß man heute nicht mehr genau, aber die Legende sagt, dass der Hügel seinen Namen von einem blutigen Ereignis bekommen hat: Eine Schlacht, in der so viel Blut vergossen wurde, dass es den Hügel rot färbte. Ob es nun ein Kampf zwischen rivalisierenden Clans oder gegen Eindringlinge war, bleibt unklar – wie so vieles in Irlands vielen Geschichten – aber irgendwie passt der Name zur Landschaft.

Der Hügel ist nicht riesig, aber die Aussicht von oben ist toll: Berge, Täler und im Hintergrund der Atlantik. Ein Ort, an dem man kurz aussteigen, tief durchatmen und die Weite genießen kann.

Wir liefen den Cnoc Fola bis an die Spitze. Und das beste? Wir hatten den Hügel quasi für uns alleine. Bis auf ein paar Kormorane, Schafe und ein paar Vögel war keine Menschenseele weit und breit zu sehen. Ok, oben auf dem Parkplatz haben wir noch einen Deutschen aus Waiblingen getroffen, aber ansonsten war wirklich nichts los, hier so am Ende der Welt.

Die Kormorane saßen übrigens auf dem Bloody Forland Arch (also wieder eine natürliche Felsformation im Meer) und heißt Bloody, weil die Felsen zum Teil rot leuchten, besonders wenn das Licht gut ist. Wir hatten aber eher so ein wischiwaschi-Wetter, was eben auch typisch für Irland ist :). Aber es hat nicht geschifft, von daher beschweren wir uns natürlich nicht.

Horn Head

Von Cnoc Fola ging es weiter Richtung Horn Head, was auch wirklich auf unserer Liste stand, doch so recht wollte es an diesem Tag nicht passen. Aber bevor ich hier jammer: Erstmal mussten wir ja überhaupt dorthin fahren.

Das Meer im Hintergrund ging die Strecke vorbei an weitläufigen Torffeldern, die hier noch traditionell abgebaut werden – also gestochen, wie man es nennt. Anders als in vielen anderen Regionen Irlands wird gerade im Norden noch häufig mit Torf geheizt. Der Anblick der Felder und der Torfstecher wirkt rau, urig und irgendwie nah an der Natur – auch wenn das Szenario natürlich nicht ganz im Einklang mit selbiger steht. Und ja: Torf als Heizmethode ist eher nicht die nachhaltigste Wahl, das muss man nicht extra erwähnen, ist aber in dieser Region noch recht verbreitet.

Dann ging es rein in die Heidelandschaft und zum Ausguck Horn Head. Die Heide machte sich farblich natürlich bemerkbar, denn die Berge/Hügel waren in ein rosa-lila getaucht. Vom Parkplatz war es gar zum Aussichtspunkt nicht so weit und wir überlegten, ob wir noch bis ganz an die Spitze laufen…Doch wir entschieden es nicht zu tun, da wir keinen so richtigen Trampelpfad sahen. Vielleicht aber auch, weil man von hier auch schon super schauen und genießen konnte. Also liefen wir zurück zum Auto und fuhren die schmale Straße an der Küste entlang und konnten so noch von der anderen Seite auf Horn Head schauen. Auch hier, der Ausblick wir wirklich toll.

Vorbei an Dunfanaghy Beach ging es weiter Richtung Londonderry, immer weiter, bis wir schließlich noch nach Doe Castle kamen. Doe Castle liegt an der Sheephaven Bay. Doe Castle stammt aus dem 16. Jahrhundert und ist eine ehemalige Festung. Viel gibt es über die Burg leider nicht zu sagen, nur dass sie während des 17 Jhd. mehrmals den Besitzer wechselte, während sich die Iren und Engländer bekriegten. Die Burg liegt auf einer kleinen Halbinsel und ist an drei Seiten von Wasser umgeben. Die Anlage hat hohen Außenmauern um eine innere Einfriedung, in der ein vierstöckiges Tower House steht sowie ein kleiner halbrunder Turm, der aber Ähnlichkeit mit den Bienenstöcken der Mönche hatte.

Cionn Fhánada

Von Doe Castle ging es dann nordwärts an eine der vielen Spitzen hier in Irland, nämlich zum Fanad Head und dem Fanad Lighthouse, dem Leuchtturm hier am nächsten Ende der irischen Welt. Wir hatten den Leuchtturm in der Tat auch auf unserer Liste, waren aber ein bisschen spät, so dass wir zwar noch auf das Gelände konnten, jedoch den Leuchtturm selbst von innen nicht mehr anschauen konnten. Die letzte Tour hatten wir um ein paar Minuten verpasst. Der Eintrittspreis wurde dennoch voll abgezogen, was uns zwar bisschen geärgert hat, aber wir hatten das Gelände fast für uns ganz alleine. Der Leuchtturm auf der Spitze ist einer der nördlichsten auf der irischen Insel, nur Malin Head liegt noch nördlicher. Leider haben wir diesen nicht geschafft, aber man braucht ja auch noch Ziele für ein andern mal.

Der Fanad Leuchtturm wurde nach dem Schiffsunglück der Fregatte Saldanha im Jahr 1811 gebaut, bei dem das Schiff in einem Sturm sank und nur ein Papagei überlebte. Seitdem dient der Leuchtturm dazu, Seeleute sicher durch die gefährlichen Gewässer zu führen.

Vom Lighthouse ging es dann aber wirklich Richtung Grenze bzw. nach Londonderry, vorbei an einem tollen Aussichtspunkt, von wo man auf die vielen Strände an der Lough Swilly Bucht schauen konnte, zum Beispiel den Ballymastocker Strand.

Nach Fanad Lighthouse ging es dann nach Derry, wo wir am frühen Abend ankamen und wir noch einen kurzen Abstecher in die Stadt machten. Da der nächste Tag vor allem Derry galt, mache ich hier einen Cut und schreibe dafür einen neuen Beitrag, wo es dann eben vor allem um Derry an sich geht und auch der Abstechern vom Abend mit drin ist.

Also heißt es jetzt, eine kleine Galerie und dann ab zum nächsten Beitrag.

Bildergalerie

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