03.01.2025 – 05.01.2025 | Wellington/Upper Hutt – Castlepoint – Whanganui – New Plymouth |
Wer hätte es gedacht? Dieser Sommer ist seines Namens aktuell wirklich nicht würdig. Wir wachten am Morgen in unserer Unterkunft auf, und was gab´s zum Frühstück? Regen…ich kanns nimmer sehen, und der Neuseeländer auch nicht. Aber uns bleibt nix anderes übrig, als es zu nehmen wie es ist und das Beste draus zu machen. Also ging es nun von Wellington nach Castlepoint…
Was für´s Näschen und eine Prise Licht
Von unserer Unterkunft ging es zuerst auf den Highway durch die grüne Hölle. Also Hölle eigentlich nur im übertragenen Sinne, denn wir fuhren über den Remutaka Hill, eine hügelige und bergige Landschaft, die über und über mit Bäumen und vor allem Baumfarnen bewachsen war. Wir hielten kurz an dem Aussichtspunkt auf dem Scheitelpunkt an und fuhren dann weiter durch eine wieder flacher werdende Landschaft.

Auf der Fahrt passierte jetzt nicht viel spannendes, wir hatten uns aber für einen kleinen Zwischenstop entschieden, wo wir nochmal eine kleinere Lavendelfarm besuchten, die es in Neuseeland öfters gibt. Dort war auch ein kleiner Shop angeschlossen, aber gekauft haben wir dort nichts. Die Farm gibt es aber bereits etwas länger, da die ersten Reihen Lavendel bereits 2005 gepflanzt wurden. Die letzten Neuankömmlingen waren von 2021 und bereits recht stattlich. Da konnte man ganz gut sehen, wie unterschiedlich die Sorten wachsen. Neben dem klassisch lila Lavendel gab es auch noch eine Reihe mit rosa Lavendel und eine mit weißem Lavendel. Es roch auf jeden Fall fantastisch und den Bienen und vor allem Hummeln hats auch gut gemundet.



Von der Lavendelfarm ging es dann über Masterton, wo wir einen kleinen Zwischenstop für einen Kaffee einlegten, weiter in Richtung Ostküste nach Castlepoint. Knapp eine Stunde fuhren wir durchs Hinterland, ohne nennenswerten Ort, aber mit viel Landschaft, bis wir im Dörfchen Castlepoint ankamen. Der Ort zählt gerade einmal 70 Einwohner, eine Kaufhalle gibt es nicht (dafür müssen alle ins eine Stunde entfernte Masterton), dafür aber ein berühmtes Fotomotiv und einen tollen Strand. Hotels und B&Bs sind eher Mangelware.
Da wir etwas früher da waren und noch nicht ins Hotel konnten, fuhren wir erstmal an den Strand, wo wir die Füße ins Wasser hielten und ein bisschen am Strand rumschlawenzelten, bevor wir zum Hotel fuhren.
Wir hatten ein Hotel, dass noch etwas vor dem Dorf lag (und da gabs wirklich nur dieses Hotel), und die einzige Kneipe dort beherbergt. Wir erwarteten nicht viel, aber unser Zimmer war völlig in Ordnung und für eine Nacht sowieso. Also checkten wir ein und fuhren dann nicht an den Strand, sondern zu einem anderen Abschnitt, wo eine geologische Besonderheit auf uns wartete. Hier hat sich vor vielen vielen Millionen Jahren der Meeresboden angehoben und sich steil aufgestellt und erodiert seitdem vor sich hin. Ein Paradies für Paua-Muschel-Sammler. Wobei es hier strenge Vorgaben gibt, welche Muscheln man wann ernten kann (man kann Paua auch essen). Wir wollten aber natürlich nur leere finden, was wir auch taten, denn zwischen den steil aufragenden Steinen lagen immer wieder auch lockere Gesteinsbrocken, die man hin und herschieben konnte. Darunter fanden sich fast immer leere Pauas, die nun als Heimat für andere Meeresbewohner dienten, seien es Seeasseln, Schnecken oder auch kleine Minikrabben. Aber nicht nur unter den Steinen, auch an den Steinen klebten immer wieder Pauas, aber wir haben ausnahmsweise keine mitgenommen. 🙂


Nachdem wir versucht haben uns etwas durch dieses Feld geschlagen haben, was gar nicht so einfach zum laufen war, fuhren wir wieder zurück nach Castlepoint an den Strand, wo wir uns Fish und Chips am Strand gönnten. Wir hatten es wie die Einheimischen gemacht und das Auto einfach den Strand runter gefahren, so dass wir uns im Kofferraum Platz verschafften und beim Futtern aufs Meer schauen konnte bzw. auf die Bucht. Denn hier am Castlepoint gibt es quasi eine Doppelbucht. Zwar sind beide einzelnen Buchten miteinander verbunden, aber die eine ist zum Meer hin geöffnet (mittels einer Lücke – „The Gap“), die zweite ist durch eine echte Stein“düne“ abgetrennt vom Meer. Nur an ein paar Stellen schwappte Wasser über die sehr flachen Stellen der Düne. Die rauere Bucht, wo sich auch die Surfer tummelten, war eingerahmt durch die Düne und durch Castle Rock, ein steil aufragender Berg. Aber beides war nicht miteinander verbunden, so dass dazwischen eine Öffnung zum Meer war, genannt „The Gap“. Durch diese wurden immer wieder Wellen reingedrückt, die perfekt für die Surfer hier waren.
Leider haben wir kein Bild mit der Drohne, sonst hätte man das etwas besser erklären können. Aber vom Leuchtturm aus, kann man es ganz gut sehen.


Dann beobachteten wir noch, wie die Möwen sich immer etwas näher an uns ranschlichen, aber es gab weder wat von unserem Fisch noch von unseren Pommes! Ist doch klar. Dann beobachteten wir noch den letzten verbliebenen Surfer, der geduldig auf die Welle wartete, aber so recht wollte keine richtige mehr reinkommen. Eine der letzten Wellen, die er nahm, gab mir nochmal die Gelegenheit, das einzufangen, bevor er aus dem Wasser lief, mit nassem Neopren ins Auto sprang und davon brauste.

Wir brausten dann auch davon, aber nur bis zur Einfahrt auf den Strand, dort befand sich nämlich einer weiterer Strandparkplatz, von dem aus man zum Aufgang zum Leuchtturm kam. Das haben wir dann natürlich auch gemacht und sind brav den Weg hochgestiefelt bis zum Turm. Der Leuchtturm ist mit einer Höhe von 52 Metern über dem Meeresspiegel der höchste Leuchtturm der Nordinsel und einer von nur noch zwei Leuchttürmen in Neuseeland, die noch von der ursprünglichen rotierenden Fresnel-Linse beleuchtet werden. Es ist außerdem der letzte Leuchtturm der in England gebaut und in Teilen nach Neuseeland verschifft wurde. In 1913 leuchtete der Turm das erste Mal (mit Öl betrieben) und wurde 1988 vollends automatisiert und wird heute nur noch ferngesteuert. Er leuchtet auch erst nach Sonnenuntergang und wird abends von einer Lichtshow bis Mitternacht bunt angestrahlt.
Hinter dem Leuchtturm ging es dann noch weiter nach oben, von wo aus man auch auf die Bucht schauen konnte, die im Hintergrund zu sehen ist und wo auch Castle Rock am Horizont sichtbar wird. Das ist wohl die Stelle, von der aus die meisten Fotos gemacht werden, insbesondere Sonnenuntergang. Denn hinterm Castle Rock geht die Sonne unter.
Wir liefen den vorgezeichneten Weg weiter, der dann unterhalb des Leuchtturms an der Klippe entlang ging, wo auch 3 Angler ihr Plätzchen eingenommen hatten. Interessanterweise war die Klippe bestimmt 10 oder 15 Meter über dem Meeresspiegel. Schlecht zu schätzen, aber wenn die was Angeln, müssen die ordentlich kurbeln, damit der Fisch oben ankommt.
Wieder am Strand angekommen, fuhren wir ein Stückchen weiter und liefen eine Weile am Strand entlang, um die Zeit bis zum Sonnenuntergang zu füllen. Und dann hieß es nochmal den Turm hoch, wo nur noch wenige Leute unterwegs waren. Einer davon hatte sich schon gut positioniert und ein kleines Stativ aufgebaut. Wir hatten ihn vorher schonmal an der „Promenade“ langlaufen sehen und noch gedacht, Mensch, das is auf jeden fall ein Deutscher. Und in der Tat, wir standen etwas hinter ihm und schauten uns das Spektakel am Himmel an und er meinte dann auf deutsch, wir könnten sein Stativ gerne mitbenutzten. Und so kamen wir ins Gespräch und plauderten über Neuseeland, Urlaub im Allgemeinen, Kamera, Fotos, Motive und vieles mehr. Und zu allem Überfluss stellten wir fest, dass der junge Mann aus Schorndorf (also quasi um´s Eck von uns) kommt. Wir haben uns für den Fotoclub in der Region verabredet. Mal schauen, ob das was wird 🙂
Nachdem die Sonne entgültig verschwunden war, die Lichtshow eingesetzt und der Leuchtturm auch endlich Licht spendete, machten wir noch eine Menge Fotos, um dann mit Tilo im Gepäck zu unserem Hotel zu fahren und noch was zu trinken. Stefan hat ihn dann zum Campingplatz zurückgefahren. Und in der Nacht hats so richtig runter geschifft…es war wohl sehr sehr sehr ungemütlich im Zelt. Aber wie schon erwähnt, so recht viele Alternativen gibt es hier am Ende der Welt nicht, was die Zimmer oder Schlafmöglichkeiten angeht. Aber alles in Allem war es ein sehr netter Abend und schön, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen.

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Für´s Näschen und für´s Auge
Am nächsten Morgen schlappten wir in den Frühstücksraum und waren so enttäuscht (ok, zumindest einen Kaffee haben wir schon erwartet), dass wir direkt unsere Sachen schnappten und uns nach Masterton aufmachten, wo wir uns ein Frühstückslokal rausgesucht hatten. Etwas spanisch/lateinamerikanisches – mal was anderes eben. Wir hatten es nicht sonderlich eilig, da es mal wieder schiffte, so dass wir nach dem Frühstück in Masterton noch einen kleinen Abstecher im Niesel in einen Park machten, wo ein weiteres kleines Café lag, dass mal wieder Stefans Eis herstellte, so dass wir dort noch etwas verweilten. Übrigens stolperten wir auf dem Weg in das Café noch in eine kleine Galerie, die auch kleine Stücke da hatte, die nur von lokalen Künstlern hergestellt wurden. Also hab ich da noch was kleines eingesackt (Ich glaube ich werde ohne Jeans nach Hause kommen – so ist der Deal, wenn wir zu viel Gepäck haben).
Nachdem wir durch den Park durch waren, fuhren wir weiter Richtung Whanganui mit einem Zwischenstop in Palmerston Nord, wo wir am Lucky Tree – ein echt schräger Baum – anhielten. Ein bisschen Glück kann man sich ja auch so mal abholen. Wir würden den Baum wohl fast als Windflüchter bezeichnen, aber da haben wir hier ja schon andere Kaliber gesehen. Direkt hinter dem Baum erschloss sich ein riesiger Park, wo wir uns in einen Rosengarten verirrt haben. Wobei verirrt vielleicht das falsche Wort ist, denn eigentlich wollten wir Zeit rumbringen, damit das Wetter sich etwas auflockert, so wie es die Vorhersage auch vorgesehen hat. Der Rosengarten war riesig und aktuell in voller Blüte, was einige dazu veranlasste, sich zwischen die angelegten Beete zu setzen und ein Picknik zu machen. Das ist hier auch scheinbar völlig normal und auch schön zu sehen, dass die Parks für sowas genutzt werden. Einen Eintritt musste man ebenfalls nicht zahlen. Angeschlossen war auch noch ein kleines Vogelhaus, wo einige kleinere Vögel zu sehen waren sowie eine „Aufpeppel“-Station, die aber aktuell nur einen Patienten hatte – was ja irgendwie auch wieder gut ist.



Vom Park aus ging es dann nach Palmerston Nord in die Innenstadt, wo wir einen Kaffee-Kuchen-Eisstopp einlegten und auf ein großes Graffitti stießen. Also suchten wir uns, wie so oft, eine Karte raus, wo alle Graffitis aufgezeichnet sind, und fuhren eine handvoll (vllt. 2 zwei Hände voll) davon ab, bevor wir uns wieder auf den Weg nach Whanganui machten. Dort angekommen checkten wir in unserem B&B ein und fuhren dann nochmal an den Strand, denn die Sonne hatte sich zu uns verirrt. Der Kilometerlange Strand war schwarz und glitzerte in der Sonne wie verrückt. Da nicht viel los war, wanderten wir den Strand entlang, bevor wir dann in die Innenstadt zum Abendessen fuhren und noch das ein oder andere Graffitti mitnahmen. Und ja, in fast jedem Dorf hier gibt es eine große Auswahl an künstlerischer Straßenkunst. Leider haben wir noch nicht rausbekommen, wie sich das ganze finanziert bzw. wer das finanziert.
Wie gesagt, das ein oder andere nette Bild ist dabei – heißt aber auch, viel durchblättern durch die Galerie 🙂

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Mützenmännchen
Wir wachten in Whanganui auf und wisst ihr was? Es schiffte…:) Aber wir hatten Wetterbericht geschaut, es sollte auf jedenfall aufreissen. Also machten wir kurzen Prozess (was anderes blieb uns ja eh nicht übrig), fuhren nach einem etwas längeren Frühstück (unsere Gastgeberin hat uns quasi ein Ohr abgekaut) zum nächsten Frühstück nach Wayverly, wo wir bis Mittag im Hind Quarters Café saßen und das war ein sehr nettes Café mit einem netten und etwas skurrilen Garten. Als es dann auch endlich etwas aufriss, sind wir zum Wayverly Beach gefahren. Auch hier, schwarzer Sand und eine kleine Bucht, die von dicken Felsen umrahmt wurde. Aber es befand sich auf einem der Felsen eine kleine Schwalbenkolonie, die wir eine Weile beobachteten. Besonders witzig war, wenn die Wellen vorne zu hoch an den Felsen klatschten, alle Schwalben wie aufgescheuchte Hühner losflogen.

Nach Wayverly sind wir noch an einen weiteren Strand gefahren, ein Tipp unserer Gastgeberin. In Patea, einem, wie sie so schön sagte, hässlichem Ort, wo aber die Flussmündung neu angelegt wurde. War jetzt nicht sooo toll, aber zumindest haben wir einen kurzen Blick drauf geworfen, bevor wir zum nächsten Aussichtspunkt sind, wo wir dann einen besseren Blick auf die Küste hatten. Von Patea ging es dann weiter nach Opunake, eine kleine Künstlerstadt mit vielen kleinen Galerien, die aber schon zu hatten. Bis auf einen netten Zaun der aus Surfbrettern gebaut wurde und einem kleinen Strand mit angeschlossenem Zelt- und Campingplatz gab es in Opunake nicht viel zu sehen. Davon mal ab, dass der Campingplatz bumsvoll war…:)
Bis nach New Plymouth war es nun auch gar nicht mehr so weit, aber wir wollten unbedingt noch zum Cape Egmont Leuchtturm. Und das machten wir auch. Das tolle war nämlich auch, das man Mount Egmont/Mount Taranaki von dort sehen konnte. Aber der hatte noch seine Wolkenmütze an. Aber der Leuchtturm vor dem Vulkan ist schon ein nicht so schlechtes Bild, oder?

Danach fuhren wir durch nach New Plymouth, wobei wir noch einen kurzen Halt im Nirgendwo machten und warteten, dass der Vulkan seine Mütze lupft, was er auch fast komplett tat. Wir hatten also Glück mit dem Wetter, dass der Himmel fast wolkenlos war und wir den Morgen einfach verbummelt hatten. Alles richtig gemacht 🙂
Zu den Bildern des Tages geht es also hier entlang:









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