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In geheimer Rettungsmission

In geheimer Rettungsmission

23.01./24.01.2023 – ABEL TASMAN

Bevor wir gemeinsam den Abel Tasman erkunden, werd ich heute nochmal kurz über die Portugiesische Galeere oder eben besser bekannt hier als die Blue Bottle erzählen. Zwar haben nicht so viele bei unserer kleinen Umfrage mitgemacht, aber die die mitgemacht haben, bekommen es jetzt um die Ohren geschlagen. Ich werde es kurz halten, versprochen.

Die Blue Bottle – Portugiesische Galeere

Die hier in Neuseeland bekannte Blue Bottle oder Man o War oder eben Portugiesische Galeere ist eine Art aus der Gattung der Seeblasen. Zwar hab ich das noch nie vorher gehört, aber gut. Sie sieht etwas aus wie eine Qualle, ist aber keine, denn bei der Man o War besteht aus einer ganzen Kolonie voneinander abhängiger Polypen. Mehrere Polypen schließen sich zusammen und deren Einzeltiere spezialisieren sich nach und nach auf bestimmte Aufgaben wie z.B. die Nahrungsaufnahme, Fortpflanzung, Abwehr oder die Ausbildung der Fangfäden. Sind die Spezialisierungen erst einmal abgeschlossen, sind die einzelnen Individuen nicht mehr allein lebensfähig und sind auf den Zusammenschluss mit anderen Polypen angewiesen.

Die Blase oben drauf ist mit einem Gasgemisch gefüllt und sorgt für Auftrieb. Das Segel wird nur bei Wind aufgerichtet und schwankt dann von links nach rechts, um das Segel feucht zu halten und nicht auszutrocknen. Befindet sich das Tier in Gefahr, kann es innerhalb von Sekunden die Luft aus der Blase entweichen lassen und abtauchen. Die Tentakeln können bis zu 50m (!) lang werden. Die Tentakeln sind mit Nesselzellen versetzt und bei Berührung wird ein Giftcocktail freigesetzt. Kleinere Fische und Beutetieren können so getötet werden, beim Mensch verursacht es starke Schmerzen. Also lieber nicht an die Tentakeln grabbeln. Das soll reichen an Infos. Wenn noch Fragen sind, immer her. Ich werde versuchen sie zu beantworten.

Nochmal zur Erinnerung – das hier ist die Blue Bottle – Man o War – Portugiesische Galeere
ein Kiwi-Schnabel und Windows 10

Den Morgen nachdem wir uns die Milchstraße spät in der Nacht zu Gemüte geführt haben, verbrachten wir recht entspannt. Ich wollte erst gegen Abend an einen bestimmten Strand und bis dahin war ja ordentlich Zeit, wollten den Tag aber auch nicht zu voll packen. Also entschieden wir uns, dass wir auf dem Kiwi-Schnabel am Nachmittag spazieren gehen wollten. Warum Kiwi-Schnabel? Naja, schaut mal auf dem Screenshot.

Die Nase vorne (Farewell Spit) sieht doch bisschen aus, wie von einem Kiwi?

Farewell Spit ist eine etwa 35km lange Landzunge beginnend am Cape Farewell, die zum Großteil Naturschutzgebiet ist und nicht frei zugänglich. Lediglich 4 km sind für Wanderer frei gegeben. Im hinteren Teil leben vor allem Meeresvögel, unter anderem auch Basstölpel. Hier kann man nur mit geführten Touren hin, die während der Ebbe-Zeit statt finden. Diese haben wir uns diesmal gespart, und versuchten uns an den 4 km. Wir sind erst gegen frühen Nachmittag hingefahren, somit umgingen wir mal wieder die Menschen“massen“, wenn sich denn überhaupt wer hier in den äußersten Norden und Rand der Nordinsel verirrte. Eingecremt und mit Wasser im Rucksack marschierten wir los über einen endlos langen Strand. Das Wasser recht von uns sahen wir zwar in der Sonne schimmern, doch es war sehr weit weg. Bis zu 7 km zieht sich das Wasser bei Ebbe hier am Farewell Spit zurück. 7 km! Und ja, wir waren bei Ebbe da, deshalb war vom Wasser wirklich nicht viel zu sehen, dafür aber umso mehr Muscheln. Und da hab ich´s den Oystercatchern nachgemacht und alles umgedreht und angegrabbelt, weil ich unbedingt noch eine Tütchenmuschel wollte. Erst fand ich gar nichts und dann liefs wie am Schnürchen. Meine Mini-Muschel ist, wie schon gedacht, verlustig gegangen. Nun hab ich ein paar größere, die auf jedenfall nicht verlustig gehen werden. Unsere Sammelstelle im Auto hat sich daher schon gut gefüllt mit Sammelstücken. Von Treibholz über Muscheln und ein paar Steinen. Durch das ständige Sammeln verbummelten wir aber auch ordentlich Zeit, doch wir hatten gut geplant, so dass wir nach 2,5 km umdrehten, aber vorher noch einen kleinen Abstecher auf eine Anhöhe machten und bis auf die andere Seite der Landzunge schauen konnten.

Von dort wo wir standen bis zum anderen Ende (ca. 1km) erstreckte sich eine Dünenlandschaft aus feinstem Strandsand. Da konnte man mit der Kamera gar nicht so richtig festhalten, sah aber super aus.

Dünenlandschaft soweit das Auge reicht und am Ende noch a bissl Meer

Wir liefen dann im Stechschritt zurück, um unseren Zeitplan einzuhalten, denn wir hatten nochmal einen kleinen Marsch vor uns. Doch vorher hieß es erstmal noch Schotterpiste olé! Eigentlich keine lange Strecke, aber für´s Auto, das immer noch dreckig war, wieder eine kleine Tortur. Wir fuhren im hohen Norden weiter zum Cape Farewell.

Cape Farewell und Farewell Spit geht übrigens auf die Namensgebung durch James Cook zurück, der Farewell Spit als letzte Landmasse sah, bevor er zurück nach England segelte. Entdeckte bzw. kartiert hat es aber Abel Tasman, dem Namensgeber des gleichnamigen National Parks und der Tasmanischen See natürlich. Früher hieß Farewell Spit zwar noch Cape Farewell Spit, aber das Cape ist über die Jahre verloren gegangen. Aber wie dem auch sei, Cape Farewell ist der nördlichste Punkt auf der Südinsel, somit können wir nun wieder einen Haken machen. Denn wir haben sowohl den südlichsten (Slope Point) als auch den nördlichsten (Cape Farewell) Punkt auf der Südinsel besucht. Cape Farewell ist übrigens das am wenigsten besuchte Kap in Neuseeland, weils für viele zu abgelegen ist. Für uns aber nicht, und siehe da, also wir dort ankamen, gab es weder andere Autos noch Menschen. Nur ein paar doof guckende Schafe.

Hinten sieht man Cape Farewell. Könnte auch ein Elefant sein, oder? Lasst gern in der Galerie Eure Vorschläge da, was das darstellen könnte 🙂

Vom Cape Farewell war es dann wirklich nur noch ein Katzensprung bis zum Parkplatz, von dem aus es zum Wharariki Strand ging. Vom Parkplatz hieß es dann nochmal knapp eine halbe Stunde Marsch vorbei an Schafen und Kühen, vorbei an einer ans Auenland erinnernden Landschaft, durch Strandsand im Busch und dann über riesige Sanddünen bis zum Strand. Wharariki ist vorallem Windows 10 Benutzern ein Begriff bzw. ein bildlicher Begriff, denn das Bild ist als Startbildschirm und Hintergrund bekannt. Das Original bitte einfach über den Link anschauen. Doch bevor wir den Strand erkundeten, hieß es erstmal einen Ablageplatz für die Schuhe zu finden und dann der Meute nach zu einer kleinen Insel, die auch als Selfie-Insel bekannt ist. Dort tummelten sich ein paar Leute und wir waren neugierig warum. Ziemlich schnell entdeckten wir dann, das dort zwei kleine Robbenbabys spielten. Leider standen die Menschen teilweise aber ohne jeglichen Abstand zu den Tieren. Das Muttertier war nicht zu sehen oder zu hören. Nur die kleinen riefen ab und an nach der Mutter. Manchmal fragt man sich auch, was den Menschen eigentlich im Kopp fehlt, so dicht an wilde Tiere ranzugehen. Klar, es sind Junge, aber dennoch. Ich finde, das gehört sich einfach nicht.

An die Ecke, wo wir beim letzten Mal die Robben sahen, sind wir diesmal nicht gegangen, dafür liefen wir aber den Strand in westliche Richtung, so dass wir diesmal eine andere Perspektive auf den berühmten Felsen bekamen. Und siehe da, der hatte doch tatsächlich ein Loch. Und upsi, da stand auch noch ein zweiter…Und wer hätte es gedacht, die Wanderung hatte sich natürlich gelohnt und wir hatten einen tollen Sonnenuntergang und dazu auch noch den ein oder anderen Drohnenflug (Juhuhuhu)

Ich bin ein bisschen verliebt in das Licht und das Bild…:)

Wir reihten uns ein neben ein paar Fotografen und ich ich konnte schön mit der Kamera rumspielen und Stefan hatte wie immer den Salat, 5 Bilder aus 100 rauszusuchen. Ich hab jetzt heimlich noch 2-3 dazugefügt zur Galerie, aber bitte nicht verraten.

Im Halbdunkel und mit Stirnlampe ging es dann wieder zurück und wieder das selbe Spiel wie beim letzten Mal: Motte –> Licht –> Motte im Gesicht…Aber ich trug es mit Fassung. Dafür starrten uns aber aus der Dunkelheit viele glühende Augen an, das war auch etwas spooky. Nicht nur die Augen der Kühe leuchteten wie zwei weiße Punkte in der Nacht, auch die Schafe, die sich im Pulk zusammengetan hatten, funkelten uns im Dunkeln an. Gruselig. Aber wir schafften es unbeschadet zum Auto und fuhren im Dunkeln mit der Milchstraße über uns zurück in unsere Unterkunft.

Bevor wir übrigens zum Farewell Spit gefahren sind, waren wir in Takaka noch am Flughafen und wollten uns eine Tour mit „Mit“ buchen. Doch leider war der Pilot nicht da und hatte auch auf meine Nachricht über die Website nicht geantwortet. So liefen wir zu einem zweiten Anbieter für Rundflüge und buchten für den Folgetag einen Rundflug um 11 Uhr mit zwei anderen Passagieren.

Als wir am späten Abend in unserer Unterkunft ankamen, hatte ich eine Antwort von „Mit“. Wir diskutierten kurz und entschieden uns, unsere ursprünglich geplante Tour abzusagen und um 15 Uhr mit „Mit“ zu fliegen.

Fly with Mit – Flieg mit Mit – Rundflug über die Westküste und Besuch der Pupu Springs

Die Entscheidung war auch ganz gut, weil Stefan am nächsten Tag arg von Fräulein Migräne geplagt wurde und bis Mittags nicht so recht aus dem Bett kam. Von daher war das Verschieben der Tour wirklich eine gute Idee und so fuhren wir auch erst so los, dass wir um 14:45 in Takaka auf dem Flugplatz/Hafen ankamen. Direkt neben dem kleinen Häuschen stand noch ein Haus, wo Mit dann rauskam und uns in den Flieger einlud. Wir erzählten, dass wir vor 5 Jahren schon mal da waren und mit ihm geflogen sein. Wir entschieden uns für eine Tour entlang der Westküste – unter anderem mit Überflug über den Wharariki Strand. Und was sollen wir sagen… Nachdem der Morgen recht grau gestartet ist, hatten wir Sommer, Sonne, Sonnenschein und ein paar Wolken über den Bergen, die Takaka und die Westküste voneinander trennten. Lassen wir einfach Bilder sprechen!

Mehr gibts natürlich in der Galerie – weil, von so einem Überflug bei bestem Wetter und glasklarer See und Flut kann man nicht genug bekommen. Das hat sogar unser Pilot eingesehen und musste selber Fotos machen. Er meinte – und ja, das kann durchaus eine Übertreibung gewesen sein, dass er in den letzten 10 Jahren nicht so ein Wetter, so klares Wasser und Flut in einem Flug hatte. Jedenfalls schoss er mehr als einmal ein Foto während unseres Flugs. Leider waren 50 Minuten dann doch recht schnell rum, auch und gerade weil uns Mit soviel zu erzählen hatte über die Gegend. Wir würden sagen, Mit ist unser Favorit auch beim nächsten Flug, wenn wir mal wieder kommen.

Als kleiner Gag:

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Links das Bild aus 2018 – rechts von 2023 – und ja, Mit hat die gleiche Mütze und das gleiche T-Shirt an….das is etwas schräg..:D

Nach dem Flug ging es dann weiter auf einen kurzen Abstecher zu den Te Waikoropupū Springs, die für ihr klares Wasser und den Durchlauf bekannt sind. Die Sicht soll laut Messungen um die 60 m betragen, wobei seit einigen Jahren ein See, der Blue Lake im Abel Tasman, eine noch klarerer Sichttiefe von 70-80 m haben soll. Zum Vergleich – destilliertes Wasser für Laborzwecke hat eine Sichtweite von etwa 80 m. In der Pupu Spring gibt es 8 Hauptquellschlote, die pro Sekunde etwa 14.000 Liter Wasser ausstoßen. Die Quelle darf nicht berührt, geschweige denn darf darin gebadet werden. Zumal es mit 11,7 konstanter Wassertemperatur wohl auch etwas kalt wäre.

Aber was heißt nun klares Wasser?

Pupu Springs – Te Waikoropupū Springs

Mehr von dieser tollen Quelle gibt es dann in der Galerie.

In geheimer Rettungsmission

Nach den Pupu Springs machten wir uns langsam auf den Rückweg zur Unterkunft. Doch bevor es komplett zurück ging, machten wir noch einen ausgedehnten Strandspaziergang. Da die Ebbe eingesetzt hatte, mussten wir erstmal einen ordentlichen Weg zum Wasser marschieren. Und auf dem Weg dort hin trafen wir schonmal den ein oder anderen Vertreter von Seesternen, die japsend auf dem Trockenen lagen. Was nun? Wir fanden eine rieeeesige Miesmuschelhälfte die uns während des Spaziergangs als Rettungsschaufel dienen sollte. Auf unserer Wanderung am Strand haben wir so versucht 5 oder 6 Seesterne, die noch zuckten und mit den Tentakeln wackelten, wieder ins die See zurückzubringen.

Ich schätze, einige werden es nicht überlebt haben, denn Seesterne ersticken an Land und da wir bei einigen gar keine Regung mehr sahen….aber das ist der Kreislauf des Lebens.

Dennoch, ein paar der folgenden Exemplare haben wir hoffentlich gerettet:

Danach ging es zurück in unser Tiny House und zum Abendessen gab es ne gute alte Bolo 😀 Und nun auf zu den Bildergalerien! Viel Spaß!

Bildergalerie


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