10.01.2023 | KAKA POINT – TEKAPO
Am Bobbes der Welt hieß es nun wieder einmal mehr Abschied nehmen – Abschied von den Catlins, denn nun hieß es auf nach Tekapo. Mitten im Herzen der Südinsel lag unser nächstes Ziel. Doch der Weg war lang und auf dem Weg dorthin gab es das ein oder andere zu entdecken. Wir packten also alle unsere Sachen (inkl. Kamera natürlich) und fuhren in Richtung Balclutha, wo wir eine recht nette Brücke (Balclutha Bridge) mit dem Auto überquerten. Quasi eine kleine Schwester der Sydney Harbour Bridge oder der Harbour Bridge in Auckland. Aber wirklich nur ne kleine Schwester…
Abschied aus den Catlins

Wie schon gesagt, der Weg von Kaka Point nach Tekapo war recht weit, auch wenn sich 400km erstmal nicht viel anhören. In Neuseeland heißt das eben nicht 4 h, sondern von Haus aus erstmal mind. eine Stunde drauf und mit diversen Stopps läppert sich so einiges zusammen. Ich sag mal so, wir sind um 10 Uhr morgens los und waren abends um 11 Uhr in Tekapo. Doch so viele Pipi- und Kaffeepausen waren es gar nicht und wir hatten ja noch einiges für den Tag auf der Agenda.
Willkommen im schottischen Neuseeland
Als erstes wollten bzw. sind wir nach Dunedin (gesprochen eher ein Dunedin, auf Maori übrigens Ōtepoti) gefahren. Wie man am Namen schon ein bisschen erkennt, waren hier die Schotten am Werk und bekannt ist die Stadt für deren kulturelles Erbe, aber auch das Erbe der Maori. Wir wollten uns hier eine Königsalbatros-Kolonie ansehen, die hier an einem der Felsen beheimatet und die einzige Kolonie weltweit ist, die auf dem Festland brütet. Dummerweise lag im Hafen von Dunedin ein großes Kreuzfahrtschiff, so dass wir für unsere Ankunftszeit keine Karten mehr bekamen. Also schmissen wir den eigentlich gemachten Plan wieder um und buchten Karten für 15 Uhr. Die Zwischenzeit nutzen wir, um mit dem Auto eine halbe Stunde die Halbinsel wieder zurückzufahren und nach Lanarch Castle zu düsen. Aber so richtig clever war das irgendwie auch nicht, denn uns blieb in Lanarch Castle nur eine halbe Stunde, um den wundervollen Garten zu durchstöbern. Lanarch Castle wird übrigens oft als die einzige Burg/Schloss Neuseeland betitelt und wie so oft, gibt´s auch hier wieder etwas Tragik. Wer mehr erfahren will, schaut gerne in den Link. Lanarch Castle an sich haben wir gar nicht so genau angeschaut, sondern wandelten durch den großen Garten, leider im Eilschritt, denn wir mussten vorher abbrechen, denn unsere Tour zu den Albatrossen war ja gebucht. So verließen wir Lanarch Castle und fuhren zurück an das Ende der Halbinsel.



Angekommen am Albatros-Zentrum (Taiaroa Head) erzählte unsere Tourguide zuerst ein bisschen was über die Albatrosse und auch über die Arbeit, wie sie den Bestand vor Ort aufrechterhalten und fördern. Dann gabs noch ein kurzes Video und dann stapfte die gesammelte Mannschaft einen recht steilen Berg hinauf zu einem kleinen Haus, von wo aus wir auf einige (7 Albatrosse) der brütenden Albatrosse schauen konnten. Die Saßen nun aber fest auf ihren Eiern, die meisten streckten uns den Hintern zu oder mummelten ihren Kopf in die Federn. Nur einer saß posierend da. Dazwischen hatte sich noch eine riesige Möwe gemischt, die sich quasi als Albatros ausgab. Die Königsalbatrosse haben übrigens eine Spannweite von bis zu 3 Metern und bei der Kolonie handelt es sich genauer gesagt um den Nördlichen Königsalbatross. Da will man echt keine gewischt bekommen. Unser Tourguide erklärte dann noch, dass am heutigen Tag noch kein Albatros um den Berg geflogen ist, doch nach ein bisschen warten flog der erste auch schon rum und man hörte das Dauerfeuer der Kameras der gut ausgerüsteten (Hobby)Fotografen. Schonmal so am Rande, ich habs nicht hinbekommen. Ich hab sie zwar oft mit als erstes segeln sehen, aber mit dem Finger war ich etwas langsam. Aber egal. Es war auf jedenfall beeindruckend, wie diese riesen Vögel einfach durch die Luft gleiten, denn im Gegensatz zu den anderen umherfliegenden Möwen, erkannte man den Albatros daran, dass er eben nicht mit den Flügeln schlug. Albatrosse verbringen etwa 85 % ihrer Zeit auf See und fliegen bis zu 190.000 km (!!!) pro Jahr. Verrückt!
Die gesamte Kolonie umfasst etwa 200 Brutpaare, wobei nicht alle vor Ort sind. In der Saison 2021/2022 gab es 25 Küken, in der Saison davor sogar 30 (Rekord). Pro Pärchen wird nur ein Ei pro Saison gelegt und auch nur alle 2 Jahre. Die Eltern teilen sich die Brutzeit, die bis zu 80 Tage dauern kann! Ende Januar und Anfang Februar schlüpfen die Küken dann (deswegen haben wir zum Beispiel auch keine gesehen). Wenn die Küken dann geschlüpft sind, wechseln sich die Eltern in den ersten 35 Tagen mit der Bewachung des Kükens ab, um es vor Raubtieren zu schützen. Danach ist das Küken auf sich allein gestellt, und die Eltern kommen nur alle paar Tage mit Futter zurück. Es dauert etwa acht Monate, bis aus den kleinen Küken Jungvögel geworden sind, und im September geht’s dann los mit dem ersten Flug. Nachdem die Eltern etwa 12 Monate mit Brüten und Aufzucht verbracht haben, verlassen sie das Küken und die Kolonie, um ein Jahr auf See zu verbringen, bevor sie zurückkehren, um erneut zu brüten. Die Küken wiederum verbringen sogar 3-5 Jahre auf See ohne an Land zu gehen, viele aber kehren dann nach Dunedin zurück, um selbst eine neue Generation aufzuziehen. Ein Fakt noch – die Vögel werden schon ordentlich schwer, die Küken können bis zu 12 Kg auf die Waage bringen. Wenn sie ausgewachsen sind, sind es eher um die 8 Kg. Lange Rede kurzer Sinn, nachdem wir den ein oder anden haben fliegen sehen, ging die Gruppe wieder zurück und wir auf den Parkplatz, wo wir dann aber wirklich den ein oder anderen Albatros ohne Haus und so, fliegen sehen konnten.
Nebenbei sei noch erwähnt, dass nicht nur die Albatrosse hier brüten, es gibt zudem unterhalb des Felsens noch eine recht große Anzahl an Kormoranen (Otago shags) und Möwen (z.b. die in Neuseeland endemische Rotschnabelmöwe) hatten sich hier auch zu Hauf eingenistet.



Faule Dinger und runde Dinger
Nun ging es aber fix weiter, denn wir hatten hier schon ordentlich Zeit verbummelt. Erster Stop war nun ein Fish & Chips Laden im Nirgendwo. Wobei wir die Ladefläche unseren kleinen Pick-Up als Bar benutzen. Auch hier „verloren“ wir doch recht ordentlich Zeit, fragt man sich ja bisschen, was an Fisch und Pommes frittieren solange dauert, aber gut. Nachdem wir aufgegessen hatten, ging es direkt weiter – eigentlich auf graden Weg nach Moeraki, doch wir bogen vorher noch an den Shag Point (nein nein, nicht Check-Point) ab. So richtig viel findet man dazu gar nicht, aber ich hatte ein zwei Bilder mit Seelöwen/Seebären gesehen, also versuchten wir unser Glück. Und siehe da – schon bevor wir an den Küstenvorsprung angelangten, faulenzten die ersten Seebären schon im Dünengras. Wir parkten unser Auto auf dem dazugehörigen Parkplatz und mussten uns echt die Äuglein reiben ob der großen Anzahl an rumliegenden schwimmenden, winkenden, posierenden, schlafenden und faulenzenden Seelöwen. Wir liefen etwas um den Vorsprung rum und es wurden immer mehr. Also Seebären soweit das Auge reichte.
Und ich schwöre, einer der Schwimmenden winkte mir wirklich zu!

Nach diesem ungeplanten Besuch bei der Kolonie, ging es nun aber zu unserem eigentlichen Ziel, den Moeraki Bolders. Diese runden Dinger, die da im Wasser liegen und sich den ganzen Tag Wasser um den Bauch spülen lassen. Bei unserem Besuch in 2018 war´s übrigens ein recht regnerischer Tag, wie die Bilder zeigen. Wenn ihr einen Blick drauf werfen wollt, hier geht´s zum alten Beitrag sowie den alten Bildern. Ein Vorher-Nachher kommt sicherlich weiter unten nochmal 🙂
Da die Entstehungsgeschichte recht umfangreich ist, würde ich vorschlagen, einfach einen Blick in den Wikipedia-Eintrag zu werfen. Da ich kein Geologe bin, versteh ich ehrlich gesagt nur die Hälfte, ABER ich hab zumindest mal rausgefunden, dass der Entstehungsprozess etwa 4 bis 5,5 Millionen Jahre gedauert hat. Die Kugeln sind ein Gemisch aus Schlamm, feinem Lehm und Ton , die von Calcit zusammengehalten werden. Wer jetzt ein oder zwei Fragezeichen auf der Stirn hat – alle Infos dazu findet ihr im Wikipedia-Eintrag.
Jedenfalls hatten wir den Strand so ziemlich für uns alleine und konnten zudem ein bissl mit der Drohne rumfliegen und ein paar Quatschfotos machen, ohne jemanden zu stören. Irgendwie sehen die Dinger schon schräg aus, ich bleib dabei. Aber eben auch faszinierend.
Und noch ein Vergleich von 2018 zu 2023:


Wir schlenderten dann gemütlich zurück zum Parkplatz und dann ging es direkt noch 3 h hinein in die Nacht auf teils einspurigen Straßen über Stock und Stein. Hatten nämlich einmal eine Abkürzung genommen, die aber zum Fahren eher nicht so optimal war. Aber wir sind dann doch heile in Tekapo angekommen, haben unsere Sachen aus dem Auto geräumt und sind in die Falle, denn der nächste Tag, wer hätte es gedacht, war wieder gut geplant.
Nun aber genug harter Tobak heute – lasst uns lieber ein paar Bilder sehen!









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