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Durstige Autos und Straßenkunst

Durstige Autos und Straßenkunst

So, nun ist der Urlaub fast schon wieder rum. Doch den letzten Tag hier in Bristol haben wir nochmal ordentlich genutzt. Doch vorab noch ein kurzer Rückblick auf gestern, wo wir unter anderem bei der Tintern Abbey waren. Also los geht´s – und klar, unser Missgeschick wird dann auch Gegenstand des Artikels 🙂

Fangen wir aber mal ganz gechillt an. Nachdem wir ja recht spät von unserem Konzert wieder kamen sind wir dennoch recht früh und pünktlichst um 10 aus der Unterkunft rausgekommen und wollten dann eben von Cardiff nach Bristol mit Zwischenstop bei der Tintern Abbey. Wir wollten auf dem Weg zur Tintern Abbey noch tanken, doch irgendwie waren wir schon so gut wie an der Abbey und wir hätten umdrehen müssen, um zur Tanke zu kommen. Also entschieden wir, erst zum Kloster zu fahren und von dort die nächste Tankstelle anzusteuern.

Angekommen am Kloster, war es noch früh genug, um den Horden von Menschen an einem schönen Samstag zuvorzukommen und in Ruhe die alte Klosteranlage zu inspizieren. Das Kloster wurde bereits 1131 von Zisterziensern gegründet und es war das erste Kloster dieser Art in Wales, und nebenbei das zweitälteste in Großbritannien. Da Heinrich VIII aber Geld brauchte und wohl keine Lust auf die Mönche hatte, löste er das Kloster 1536 auf und fast 300 Jahre war das Kloster dem Verfall überlassen. Heinrich verkaufte nämlich alles, was quasi nicht Niet- und Nagelfest war, unter anderem das Bleidach, so dass der Schutz des Kalksteins fast komplett verloren ging und allen Wetter- und Umwelteinflüssen ausgesetzt war. Die Restaurierungsarbeiten dauern immer noch an, so dass ein Teil noch gesperrt ist/war. Aber schon die Vorstellung, dass die Säulen, die das Kirchenschiff tragen, Stück für Stück abgetragen, durch große Stahlstützen ausgetauscht und neu im alten Gewand aufgebaut wurden, ist schon sehr erstaunlich.

Auf jeden Fall war Titern ein sehr großes Kloster und hat uns wirklich sehr gefallen, auch die schieren Ausmaße der großen Fenster im Mittelschiff. Echt toll und eine wirklich große bauliche Meisterleistung. Also zumindest in unseren Augen.

Nach Titern wollten wir in das ca. 15 Meilen entferne Örtchen, wo wir zu Tankstelle wollten. Unser Tank zeigte noch um die 40 Meilen an, also kein Problem. Sollte man zumindest meinen. Auf einer Nebenstrecke, also der kürzesten Strecke, meinte das Auto dann, dass ein bisschen Stottern des Motors ein Zeichen sein muss. Ja du dumme Karre, 25 Meilen Reststrecke heißen 25 Meilen Reststrecke und nicht 25 Meilen = 0 Meilen. So, also es ging NICHTS mehr. Nicht nur, dass wir an einer bescheidenen Stelle standen, wo die Straße sehr eng war, sondern zu allem Überfluss das „wunderbare“ britische Internet soviel anzeigte wie die Tankanzeige des Autos. Nämlich NULL Empfang. Ach Handy hochhalten ging nicht. Also versuchten wir das Auto noch etwas umzustellen und wie hielten ein Auto an, doch klar, der hatte keinen Sprit dabei, meinte aber, dass die 3 Häuser, die 50 Meter hinter uns lagen, ihre Rasenmäher mit Sprit befüllen. Wir sollen da mal fragen. Aber Pustekuchen, Samstag Mittag, niemand da. Also versuchten wir noch jemanden anzuhalten, aber auch die konnte nicht helfen.

Okay, durchatmen – da vorne sind noch zwei Häuser…vielleicht haben wir da Glück. Doch vorher kam noch ein weißer Kleintransporter und puh, sie hielten an und uijuijui…ein bisschen hin und her gesprochen…mit verschiedenen Ideen wie man es machen könnte (Kanister? Tanke? Mitnehmen oder nicht oder wie oder was?). Schlussendlich entschied das ältere Pärchen: Wir bringen Euch ein bisschen Sprit, dauert aber eine halbe Stunde.

Boa! Ja, halbe Stunde, kein Problem – wir kommen hier eh nicht weg 🙂

Also fuhren wir noch drei Meter den den Berg runter, so dass wir an einer etwas breiteren Stelle das Auto hinstellen konnten, setzten uns in den Kofferraum und sortierten Bilder. Ich versuchte noch ein paar Makros zu machen und während ich halb im Straßengraben stand und an den Blumen rumnestelte kam ein kleines weisses Auto und tada, es war das Pärchen + Kinder im Gepäck. Sie fragten dann, ob wir aus Deutschland seien und wir dann natürlich ja, sicher. Ihre Tochter hat in München studiert und wird jetzt Übersetzerin. Also die Tochter war dabei 🙂 Die Welt ist und bleibt ein Dorf. Die Frau selbst war als Gast an der Stuttgarter Uni (also ja, es bleibt ein Dorf). Und nun gabs nen ordentlichen Schluck Sprint in das leere Auto, Wasser für uns und als wir dann wieder 70 Meilen auf dem Tacho stehen hatten, geleitete uns die Familie zur 8 Meilen entfernten Tankstelle.

Wir wollten als Dank noch wenigstens unserer Bargeld an sie geben, aber sie wollten es nicht, mit der Begründung, sie wären froh, wenn sie in der Situation wären, dass ihnen auch jemand helfe. Wir waren sehr dankbar für die Hilfe, denn sonst hätten wir wohl einen ordentlichen Wandertag einlegen müssen oder zumindest dahinlaufen müssen, wo wir Empfang gehabt hätten, um den ADAC oder sonstwas anzurufen und dann ordentlich blechen müssen. Aber so konnten wir an die Tanke und volltanken! Puh! Auf den Schock gabs an der Tanke dann gleich noch was zu Essen und ich war auf der Suche nach BonBons und hab das so auch Stefan in der Tanke gesagt, als einer der Kassierer meinte, die Bonbons! seien da. Und er spreche bisschen deutsch und möchte gerne, dass wir bei ihm bezahlen und dann haben wir mit dem Waliser eben etwas deutsch geplaudert, weil er es so selten, aber so gerne spreche. Netterweise hat er uns auch noch einen kleinen Rabatt gegeben, weil er es auch irgendwie nett fand und hat dann auch brav auf deutsch gesagt, was wir bezahlen müssen und wie denn das deutsche Wort für Receipt sei – Kassenbon – er hat sich gefreut wie ein Schneekönig.

Nachdem wir gezahlt und gegessen hatten, fuhren wir noch zu einem Garten. Doch vorher fanden wir noch eine Burg. Die Goodrich-Castle war mehr ein Schloss, denn eine Burg und war vor allem ein Prachtbau und zur Schaustellung. Oft verlassen, wäre es wohl ein Leichtes gewesen, die Burg einzunehmen, doch niemand hatte es versucht. Nur einmal kam es zu einem Angriff, der aber anscheinend abgewehrt wurde. Warum das ganze dann doch eher ein Prachtbau war? Die Burg wurde oft für Feste genutzt und für die Freundinnen der Burgherrin, die, eher unüblich für die Zeit, in den Gästezimmern nächtigten. Die ganzen Kamine in den Gästezimmern und auch im großen Saal zeugten davon, wie prächtig die Räume und der große Saal eingerichtet gewesen sein müssen.

Nach der Burg stand dann aber in der Tat noch ein Garten auf dem Plan, doch wir waren, auch auf Grund des Maleurs, zeitlich wieder recht spät dran, so dass wir erst 16:15 am  Westbury Court Garden ankamen, der aber um 17:00 Uhr schließen sollte. Und so kamen wir nochmal in den Genuß, etwas Glück zu haben, denn wir zahlten nur die Hälfte des Preises. Manchmal sind wir auch einfach Lucky Guys. Der Garten an sich war nicht so groß, aber komplett anders angelegt, als die bisherigen Gärten. Eher auch mit Obstbäumen und Teichen, wo dicke Karpfen und ein paar Enten unterwegs waren. Die Gartenwächterin gab uns noch Futter für die Fische mit und Mensch, da waren aber einige dicke Brocken drin 🙂 Wir verteilten das Futter und schlenderten dann noch gemütlich durch den Garten und einem kleinen, vom restlichen Garten abgeschotteten, reinen Blumengarten, der so tolllll in voller Blüte stand und unter anderem mit ganz vielen duftenden Rosen bestückt war. Wieder auf dem Weg zum Ausgang verfütterten wir die Reste an die Entenfamilie und den ein oder anderen hungrigen Karpfen und trafen am Tor nochmal auf die nette Dame, die uns aus dem bereits abgeschlossenen Garten rausließ, aber noch nicht aus Fängen. Sie fragt, ob wir noch bisschen Zeit hätten, weil es eine schöne kleine Runde zum wandern gäbe, die wir gerne machen können. Sie erklärte uns den Weg, drückte uns eine alte Karte in die Hand und schon standen wir da und rangen mit uns, ob wir das noch machen oder nicht.

Wir habens gemacht 🙂 und sind noch oberhalb des hier sehr breiten Flusses Severn entlanggelaufen, der direkt in den Atlantik mündet. Danach ging es dann direkt nach Bristol in unser tolles Motel (klingt irgendwie immer angeranzt, ist es aber wirklich nicht).

Und hier die Bilder des Tages

Alles in Allem, wir hatten an diesem Tag sehr viel Glück und haben tolle Menschen getroffen, die alle sehr hilfsbereit und sehr nett waren!

Bristol

So, und für Bristol können wir es fast ganz kurz machen. Wir sind um 12 in der Stadt aufgeschlagen und sind losgelaufen um nicht nur Banksy sondern auch viele andere Street-Art-Werke zu finden und anzuschauen. Und da an diesem Wochenende auch noch ein Upfest (Das größte europäische Street-Art- und Graffiti-Festival) stattfand, hatten wir heute nochmal doppelt Glück, da wir nicht nur die alten Werke, sondern auch ganz neue anschauen konnten. Und da manchmal Bilder mehr sagen als Worte, hier eine dicke Galerie und ein paar für hier im Blog direkt:

Viel Spaß beim Gucken – lasst uns gern wissen, ob ihr die Bilder auch so toll findet wie wir – und ja nein, das in der Galerie ist nicht die komplette Auswahl!

Funfact: Wir haben ein Bild gefunden, dass wir von der Machart doch irgendwie schon kannten, und siehe da, wir haben bereits ein Bild des Künstlers gesehen. In Dunedin – Neuseeland – schaut da mal in die Streetart-Bilder, vielleicht findet ihr ja das Bild, das wir meinen. Der Künstler heißt Phleg – falls sich jemand dafür interessiert 🙂

Es bleibt jedenfalls dabei: Die Welt ist ein Dorf.

PS: Ich hoffe, dass ich es irgendwann mal schaffe, die Künstler an die einzelnen Bilder zu bappen und dann zu vergleichen mit den Street-Art-Werken anderer Städte. Mal schauen, ob mir das vielleicht mal gelingt. Bis dahin heißt es jetzt wohl Tasche packen und ab nach Hause und bis in spätestens ca. 7 Monaten wieder hier mit neuen Berichten vom anderen Ende der Welt.


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