Nun hab ich wieder die ehrenvolle Aufgabe, zwei Tage zu einem Eintrag zusammenzufriemeln. Kein Problem, fangen wir doch einfach mit Gründonnerstag an, an dem wir uns vorgenommen hatten Richtung Südosten zu fahren.
Die Diamanten
Los ging es morgens gegen 10:00 Uhr und auf unserem Plan stand als Endstation die Jökulsarlon. Geplant hatten wir, dass wir so gegen 13 Uhr da sind – naja, dummerweise waren wir weit hinter unserer geplanten Zeit, aber egal.
Wo fangen wir denn an? Los gings eben wie gesagt gegen 10 Uhr und wir hatten etwa 250 km vor uns in unserer kleinen (oftmals etwas bockigen) Huddel mit der ersten Station in Vik, wo wir zum einen Tanken mußten und zum anderen einen Kaffee trinken wollten im Skool Beans Bus – einem alten, mittlerweile umgebauten, amerikanischen Schulbus. Und wir haben natürlich einen Kaffee getrunken, ist doch klar. Wir tranken diesen dann vor dem Bus, da die Corona-Beschränkungen zwar ein Bestellen im Bus möglich machen, jedoch durften wir nicht drin sitzen. Aber halb so wild, da das Wetterchen uns auch an diesem Tag hold war und wir in der Sonne mit einer steifen Brise um die Nase in Ruhe unseren Kaffee trinken konnten. Nachdem wir unseren Kaffee geleert hatten, ging es weiter Richtung Osten vorbei an einem riesigen Lavafeld, das unendlich weit schien. Dazu aber mehr im unteren Bereich, da wir heute die Erklärung dafür bekommen haben. Einen kurzen Zwischenstop legten wir dann noch an den moosbedeckten Lavafeldern ein, wo das Moos so weit das Auge reicht, die Felder bedeckte. Noch dazu war das Moos so dick, dass die einzelnen „Bobbels“ wie wolkenweiche Kissen aussahen. Ein kleiner Spaziergang (er war wirklich recht kurz) war auch noch drin. Und so schwanden die Stunden dahin als wir noch einen kleinen Abstecher beim Stjórnarfoss machten. Eigentlich hätte ich gedacht, dass dieser vergleichsweise kleine Wasserfall nicht vereist ist, da das Wetter in den letzten Tagen doch immer recht hübsch und die Temperaturen keine Minusgrade am Tag mehr hatten, doch siehe da. Zu 90 % war der gute Stjornarfoss noch gefroren, auch der Ablauf war zu großen Teilen noch zugefroren, so dass wir recht weit an den Wasserfall ran konnten. Stefan versuchte derweilen ein paar Eisplatten bzw. -brocken vom zufrorenen Wasserfall mit dicken Steinen aus dem Flusslauf abzuwerfen. Und ein bisschen was konnte er sogar wegwerfen, aber keine Sorge, als wir gingen war der Wasserfall immer noch zu 90 % gefroren 🙂

Danach gings zum Dverghamrar, der Zwergenschlucht. Und siehe da, wir waren mal wieder allein auf weiter Flur, genauso wie den Rest des Tages, sei es beim Lavafeld, dem grünen Lavafeld oder auch der Wasserfall. Als wenn das Land komplett ausgestorben ist. So hatten wir also genügend Zeit und Platz, um die alten Basaltsäulen anzuschauen und Fotos zu machen, das ein oder andere Bild zeigt im Hintergrund auf den Foss a Sidu, wo wir jedoch nicht hinfuhren.

Nachdem wir die Gastfreundschaft der Zwerge genügend ausgekostet hatten, fuhren wir weiter Richtung Osten in die Nähe des Skaftafell-Nationalparks, den wir aber linksseitig liegen ließen, um zum Svínafellsjökull zu fahren, der, wen wundert es, ebenfalls fast unbesucht war. Wie auch bei unserem letzten Besuch in 2019 war er zwar blau, aber diesmal etwas weniger strahlend. Davon mal ab, dass wir dieses Mal eine andere Uhrzeit auf und Sonne hatten, so dass der Gletscher aussah, als wenn frischer Schnee auf ihn gefallen wäre. Die kleine Bucht vor der Gletscherzunge war fast vollständig gefroren und die abgebrochenen Teil des Gletschers somit eingefroren. Doch in der Sonne schmolzen einige Teile des Gletschers so stark, dass die ganze Zeit Wasser plätscherte und einmal sogar ein etwas größerer Brocken mit lautem Knacken abbrach. Aber keine Sorge, es gab keine Flutwelle oder ähnliches.

Nach unserem kleinen Spaziergang fuhren wir weiter zu unserem Endziel. Mittlerweile war es schon recht spät, so dass wir erst gegen 17:30 Uhr (oder sowas in die Richtung) bei der Gletscherbucht ankamen. Die Sonne knallte auf die Eisbrocken, die sich stetig gegeneinander schoben, weil die Flut kam. Die Gletscherbucht ist nämlich mit dem Atlantik verbunden, so dass die abgebrochenen Gletscherteile sich über einen Kanal in der Bucht hin und her bewegen. Zwischendrin tauchten immer wieder die uns schon bekannten Robben auf, die fleissig zwischen den Eisschollen umherschwammen und sich den Bauch mit Fisch vollschlugen. Neben Drachen, Raumschiffen und Surfbrettern konnte man richtig schön Figuren raten machen und wir liefen am Ufer eine Weile entlang, kickten einige kleinere Eisbrocken ins Wasser oder zertrümmerten einige, um zu sehen wie die Struktur des Eises war. Die großen Brocken waren farblich so unterschiedlich, dass neben pechschwarzen, strahlend blaue oder eben auch weiße Schollen in der Bucht hin und her schwammen. Die schwarzen sind zersetzt mit Vulkanasche und vermutlich viele viele viele Jahre, teileweise auch Jahrtausende alt. Auf einer Anhöhe hatten wir einen tollen Blick über die gesamte Bucht und den Breiðamerkurjökull, der durch sein kalben die Gletscherlagune immer weiter füllt. Ein direktes Kalben haben wir nicht gesehen, dafür ist aber das „Surfbrett“ quasi neben uns mit einem großen Knack und Flatsch ins Wasser gestürzt und eine ordentliche Welle an den Strand gespült. Wie muss das erst aussehen, wenn ein richtig großer Brocken vom Gletscher abfällt? Eigentlich mag man sich das gar nicht vorstellen, wobei die Lagune schon recht groß ist und durch den Zugang zum Meer wohl die Welle mit auf den Atlantik getragen wird. Da neben den großen Eisteilen auch viele kleine Eisbrocken in der Lagune schwimmen und weiter abschmelzen, werden eben diese kleinen, aber auch großen, Teile durch den Zufluss aufs Meer hinaus geschoben.

Dort fällt das Meer über das Eis her und schiebt diese unter anderem an den Strand, der komplett aus Vulkanasche besteht. Also pechschwarz ist. In der Sonne glitzert das Eis natürlich durch die Lichtbrechung, doch diesmal gab es nicht so viele „Diamanten“ am Diamond-Beach, da fast alle vorhandenen Eisblöcke in schwarz gehüllt waren. So gab es diesmal „nur“ schwarze Diamanten. Ein paar verirrte, noch nicht mit Vulkanasche bedeckte Eisblöcke lagen aber dennoch am Strand. Nur sah es diesmal weniger eindrucksvoll aus, als bei unserem ersten Besuch. Doch nichts destotrotz war es schön dort, denn neben einem kleinen Drachen entdeckten wir auch eine Robbe aus Eis, die darauf wartete von den Wellen ins Meer gezogen zu werden. Das Meer war sehr aufgewühlt, vermutlich auch durch die Flut, die gerade voll im Gange war, also packten wir unsere Sachen und stapften über den schwarzen Sand zurück zum Auto, in der Hoffnung, irgendwo noch was zu Essen zu bekommen.

Doch mittlerweile war es so spät, dass wir nichts mehr fanden, was noch offen hatte, zumal wir in einer sehr dünn besiedelten Gegend unterwegs waren. So ließen wir den Abend bei unserer Ankunft im Haus gegen 23 Uhr mit einer ordentlichen Bolognese ausklingen. Viel später sind wir dann auch irgendwann ins Bett gefallen, nachdem wir auch noch eine Tour für heute gebucht hatten. Wat mut dat mut! 🙂
Hier die Bilder von unserem Tag zum Jökulsarlon.









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