Wetter Wetter Wetter – und ein bisschen Wasser

Ja, dass das Wetter gerne mal Kapriolen schlägt in Island ist wohl durchaus bekannt. Aber das wir wirklich komplett vom Winde und Winter verweht werden? Tag 3 in Quarantäne sollte auch wirklich Quarantäne bleiben, denn die Wetter-App für Island hat Sturm mit bis zu 30m/s angesagt.

Nachdem Morgens noch ein vergleichsweise laues Lüften übers Land strich, nahm der Wind alsbald richtig Fahrt auf und trieb den Schnee aus Osten über die weiten Felder. Unser Häuschen wurde kräftig durchgeschüttelt, doch alles bliebt zum Glück heile. Da unser Häuschen wirklich mitten im Nirgendwo steht und der Wind, durch die abgeholzten und somit nicht vorhandenden Bäume, einfach ungehindert übers Feld rasen kann, versank unsere ganze Umwelt in und hinter einem weißen Schleier aus Schneegestöber.

Mutig wie wir waren, packten wir uns gut ein und wagten doch einen kleinen Gang nach draußen, wo wir die Einfahrt zu unserem Gehört hinabliefen. Ok, vielleicht ist laufen etwas übertrieben, es war wohl eher ein schieben oder eben gegen den Wind legen. Am Ende der Auffahrt angekommen befreiten wir diese noch von etwas Schnee, da sich eine der Schneewehen genau auf dem Weg aufgetürmt hatte und wir so mit dem Auto kaum drüber gekommen wären. So zogen wir den Schal wieder über die Nase und machten uns auf den Rückweg, immer versucht unser Häuschen am Ende der Einfahrt zu sehen. Teilweise war das auf der Strecke nämlich nicht möglich, da es heillos im Schneegestöber verschwand. Aber kein Problem, die Einfahrt ist schnurgerade, so dass wir mit einer steifen Brise doch wieder heile in unserer Unterkunft ankamen.

Sturm auf der Bastille

Doch das „bisschen“ Sturm sollte es für diesen Tag noch nicht gewesen sein, denn der Wind rüttelte den ganzen Abend am Haus und wurde teils noch um einiges stärker. Aber irgendwann hatte der Wind wohl genug und ließ von uns und dem Haus ab.

Hier ein paar Eindrücke.

Am nächsten Morgen sah das Wetter dann schon a bissl besser aus, ok, mit Hagel zwar, aber wurschd. Nach dem Frühstück zogen wir uns wieder an, denn wir wollten unbedingt an Wasser. Also dick eingemummelt zogen wir los Richtung Küste und hatten geraden die Füße vor die Tür gesetzt, als der erste Hagelschauer auf uns nieder ging. Doch wir sahen am Himmel auch die hellen Flecken und die Sonne durchblitzen, also liefen wir unbeirrt weiter gen Osten. Die Einfahrt, die ich oben schon beschrieben habe, geht noch etwas weiter als zu dem Punkt, wo das Haus steht. Am Ende ist ein weiteres, aber verschlossenes, Tor und eine Leiter, mit deren Hilfe man über den Zaun in freies Gebiet gelangt. Unter dem Schnee konnte man nicht viel sehen, aber mit einer Art Kompass in Form von Stefan bahnten wir uns den Weg über Gras, Moos und Wasser hinweg. Da anscheinend einige Wasserabläufe hinter dem Grundstück verlaufen, mussten wir den ein oder anderen „Fluss“ überspringen. Hat fast gut funktioniert. Während die Männer locker flockig drüber hüpften, taten wir Mädels uns ein bissl schwer und landeten mit einem Fuß im Wasser – Bruchlandung am anderen „Ufer“ inklusive – und ich war´s diesmal nicht 😛

Aber die Füße und auch der Rest blieben trocken, so dass wir weiter Richtung Wasser stapften. Die Sonne brannte von oben auf uns hinab und machte aus uns kleine Feuchtbiotope. Doch wir stapften weiter und weiter, die Westmännerinseln ließen wir Stück für Stück hinter uns. Irgendwann kamen wir an einem weiteren Wasserlauf an, den wir aber alle gesammelt ohne weitere Blessuren überquerten, denn der Großteil war noch gefroren. Wir sahen zwar die Wellen der tobenden See am Horizont, doch leider endete unser Weg vor einer unüberwindbaren Wasserlache. Zurück ging es dann wieder über Stock und Stein, doch vorher machten wir noch ein gemütliches Päuschen mit Tee und Obst, bevor wir weiter Richtung Haus liefen. Durch die Sonne, die immer wieder zwischen den Wolken hervorlugte, schmolz der Schnee rapide und somit auf unsere Spuren und die Eisflächen, die wir am Anfang zwar noch halbwegs gut überqueren konnten, nun aber doch die ein oder andere Tücke zeigten. So liefen wir brav unseren Spuren nach und auf einmal machte es Plopp und Daniel stand knietief im Eiswasser. Zum Glück nur mit einem Bein, dennoch mußte erstmal der Schuh vom Wasser befreit werden. Glücklicherweise war dies der letzte kleinere Unfall und mit viel Gestapfe, Schweiß und ein bisschen Enttäuschung im Gepäck kamen wir im Haus wieder an. Enttäuschung, da wir auch im zweiten Anlauf den Weg zum Meer nicht finden konnten. Man muss dazu sagen, dass zwischen Meer und Grundstück noch eine Art Bucht liegt, in der sich einiges an Wasser ansammelt. Aber, wir werden den Weg – uns wenn es mit dem Auto ist, schon noch finden 🙂

Im Hintergrund sieht man auch die Westmännerinsel – und da ist quasi auch das Meer

Für Abends hatten wir eigentlich die Nordlichter auf dem Plan und schauten immer wieder gespannt in unsere Apps, doch leider zog das Band knapp an uns vorbei, so dass es wieder keine Nordlichter zu sehen gab. Aber auch hier – wir werden nicht aufgeben, jeden Abend den Blick in den klaren oder eben wolkenverhangenen Himmel zu richten.

Und hier der Blick auf die Westmänner und überhaupt.

Am nächsten morgen, als heute, klopfte es in der Früh kräftig am Haus. Etwas verwirrt, was nun los sei, luscherte Stefan verwundert nach draußen. Erst dachten wir, dass vielleicht die Bauarbeiter da wären (hier stehen einige Baumaschinen rum), doch entpuppte sich das Klopfen als Krähe, die auf dem Dach des Hauses am Wellblech zu schaffen machte. Daniel verscheuchte die Krähe, doch die Nacht war dann irgendwie früher rum als geplant.

Beim Frühstück hatten wir uns dann darauf geeinigt, dass wir heute eine längere Wanderung machen wollten, eventuell zum Seljalandsfoss. Gesagt – getan. Mit dem Auto fuhren wir bis an das Tor der Einfahrt und stapften in der Kälte los. Da wir durch den Schnee auch keinen Wanderweg oder ähnliches sahen, mussten wir am Straßenrand entlanglaufen. Doch da der Verkehr überschaubar war, ging das schon und war weniger anstrengend, als der Weg gestern über Stock und Stein. So liefen wir der geraden, fast unendlich erscheinenden Straße entlang, bevor wir am rechten Straßenrand ein Schild sahen, wo wir noch einen Abstecher machen wollen. Auf dem Schild stand Paradisarhellir – also die Paradieshöhle. Doch zu sehen war leider von dem Standort aus nichts und den Klettersteig in die Höhle konnten wir von dem Punkt aus auch nicht sehen, so dass wir doch wieder umdrehten und weiter Richtung Seljalandsfoss liefen. Nach gefühlt 2345 h bogen wir endlich um die Spitze der Bergkette und schnupperten quasi schon den Wasserfall.

Zum Glück war der Parkplatz weniger gefüllt als befüchtet und so warteten wir, bis niemand auf dem Weg ist, bevor wir auf den Wasserfall zu liefen. Mit einem mächtigen Eispanzer hinter sich, strahlend blauem Himmel und der Ruhe um uns herum – toll – denn zu dem Zeitpunkt waren wir die einzigen, die Am Seljalandsfoss rumstanden und staunten. Während ich mit der Kamera noch ein/zwei andere Bildvarianten machen wollte, liefen die anderen drei Richtung Treppe, die hinter den Wasserfall führen. Leider war die Treppe aber so vereist durch die gefrierende Gischt, dass sie relativ schnell dann auch wieder bei mir waren.

Mit Sack und Pack gingen wir weiter zum Gljúfrabúi, einem Wasserfall, der von außen gar nicht so richtig sichtbar ist und mehr oder weniger in einer Höhle liegt. Man kann durch die Felswände in das Innere gelangen und sich sozusagen fast direkt drunter stellen, doch leider war auch hier viel vereist, so dass Stefan und ich es auch im zweiten Anlauf nicht schafften, hineinzuschlüpfen. Aber egal, auch von „außen“ ist das ein tolles Teil.

Ein kleines Stück entfernt stand ein Tisch und zwei Bänke in der Sonne, wo wir unser Päuschen verbrachten mit Obst, Tee und ein paar Keksen. Über uns kreisten die Möwen, die am Berg ihre Nester hatten. Nach unserem Päuschen hatten wir aber nun noch einen kleinen Marsch vor uns…:OOOOO

so ungefähr da der Rückweg aus

Nach insgesamt etwas 3 h, 13km und bisschen was über 20.000 Schritten kamen wir völlig alle wieder an unserem Auto an, fielen rein und wurden sicher ins Häuschen gebracht. Dort hieß es dann: auslüften, duschen und die rote Nase eincremen, denn die Sonne heute (blauer Himmel und kein Wölkchen am Himmel) hatten uns so richtig einen Sonnenbrand im Gesicht verpasst. Grade liegen alle kaputt rum, so richtig alt werden wir heute wohl nicht mehr. Aber was soll´s – morgen heißt es früh aufstehen, da wir um 6 uns Richtung Reykjavik aufmachen müssen, um unseren 2 PCR-Test machen zu lassen und dann hoffentlich ab Mittwoch uns frei im Land bewegen dürfen. Also Daumen drücken!

Und nun ab zu den Bildern.


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Eine Antwort zu „Wetter Wetter Wetter – und ein bisschen Wasser”.

  1. Avatar von MoKl
    MoKl

    Hallo und schöne Grüße an euch alle!
    Super Bericht, ich denke der Verfasser ist Beate, macht echt Spaß das zu verfolgen.
    So, zum Glück ist eure Quarantänezeit nun auch gut zu Ende gegangen und ihr braucht euch nicht nur auf Fußmärsche zu beschränken. Wollt ihr denn auch zu den aktiven Vulkan?
    Na gut, eure Aufnahmen sind wieder einmal spektakulär! DANKE
    Weiterhin noch schöne Erlebnisse und Erfolg beim der Nordlicht-Schau
    MoKl

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