Das glaubt sowieso keiner – nach 10 Jahren versuche ich nun unseren ersten Japan-Urlaub nochmal Revue passieren zu lassen. Klingt etwas witzig, aber ist so. Besonders witzig? Die Bilder. Es ist schon interessant zu sehen, wie sich nicht nur die Kameras sondern auch man selbst sich weiterentwickeln. Glücklicherweise haben wir ein Fotobuch gemacht, in dem die alten Blog-Einträge drin sind, so dass ich es mit einer OCR-Software unten einfügen kann. Unser damalige Onlineblog hat sich leider, wie konnte das im Zeitalter des Internets überhaupt passieren, verflüchtigt und wart nicht mehr gesehen. Auch suchen hat nicht funktioniert.
Egal, schauen wir mal, was die Software für mich tut und wie dann die Bilder aussehen. Bei einigen habe ich mich wirklich etwas erschrocken, weil das so gar nicht nach uns aussieht…und ich meine nicht wir als Menschen, sondern das wahnsinnige Rauschen im Bild, die Perspektive, die – bis heute nicht vorhandenen – Ideen. Alles in allem sieht alles ganz schön wackelig aus, aber wir wollen mal starten.
Der Masterplan vor Abreise
23.09 – Abflug von Stuttgart über Istanbul nach Tokyo
24.09 – Ankunft gegen Mittag, dann Rundfahrt durch die Stadt mit der U-Bahn, danach ins Hotel und vom Flug erholen
25.09 – Tokyo anschauen – da gibt es bestimmt viel zu sehen
26.09 – Trip nach Kamakura – eine alte Stadt an der Südküste
27.09 – Trip nach Nikko – großer Park mit vielen Schreinen
28.09 – Tokyo Tag 2 – hier gibt es bestimmt noch mehr zu sehen
29.09 – noch nicht verplant – eventuell nochmal Tokyo oder eventuell Trip nach Mitakesan oder Takaosan
30.09 – Weiterfahrt nach Osaka mit Zwischenstopp in Nagoya
01.10 – Trip nach Kyoto + große streng geheime Partüü
02.10 – nochmal Kyoto – das soll eine tolle Stadt sein!
03.10 – Trip nach Nara – Nara-Hirsche anschauen
04.10 – Osaka + Rückflug am späten Abend Richtung Istanbul/Stuttgart
Szeneviertel und buddhistische Gelassenheit
Nach kurzer Fahrt durch Tokios Westen und einem Spaziergang durch Shimbashi kamen wir am Shiba-Koen an und suchten verzweifelt nach dem Zojoji-Tempel. Nach einigen Orientierungsschwierigkeiten haben wir den buddhistischen Tempel gefunden.
Als nächstes machten wir uns auf den Weg in das Szeneviertel Shibuya. Shibuya-Crossing ist die etwas andere Art, Kreuzungen zu überqueren, denn anders als bei uns rennt man auch diagonal über die Kreuzung.
Nach einiger suche haben wir uns dann endlich was Japanisches zum Essen besorgt. Da gab’s nichts mit Touri-bonus, (Stäbchen, nichts Gabel oder Messer).
Nach dem Essen ging es dann weiter zum Yoyogi-Koen und den Meiji-Jingu-Schrein. In dem schintoistischen Schrein fanden zudem gleich zwei Hochzeitsprozessionen statt.
Die Füße schon fast blutig ging es weiter nach Shinjuku zum meist frequentierten Bahnhof Tokios (3,5 Mio. Menschen täglich) und zweitgrößter Bahnhof der Welt. Leicht chaotisch, Reizüberflutung inklusive. Und somit liefen wir durch den unterirdischen Bahnhof zum Keio-Plaza-Hotel um in den 45-sten Stock zu fahren. Da gibt’s Bier für knapp 11 Euro, aber den wohl besten Ausblick über Tokio. Original Sake haben wir uns auch gegönnt.
Tempel Marktschreier & Technik
Auf dem Plan stand das Viertel Ueno, mit dem Großen Ueno-Koen-Park. Zur Kirschblüte gehört er zu den beliebtesten Parks in Tokio. Kein Wunder bei der Masse an Kirschbäumen. Zudem liegt in dem Park auch noch ein Zoo.
Vorbei an rund 50 Steinlaternen ging es zum Toshu-Gu-Schrein. Leider waren da gerade Bauarbeiten, somit konnte man nur den Vorbau betrachten. Die 5-stöckige Pagode konnten wir jedoch sehen. Weiter ging es dann zu einem kleinen Schrein, eher untypisch in seiner Bauweise.
Da der Park sehr weitläufig ist, mussten wir ein wenig Suchen um den Tempel zu finden. Der Kiyomizu Kannon-Do ist klein aber fein. Weiter ging es zum Hanzono-Inari-Schrein – unter anderem erkennbar an den vielen orangenen Torii…
Der Reiseführer kündigte den Bentendo-Tempel als in Mitten eines Sees liegenden Tempel an. Doch Wasser sah man zu dem Zeitpunkt nirgends. Der See war komplett mit Lotusblumen verwachsen, so dass das Wasser nicht mehr zu sehen war, Unmengen von Kois schwammen darin – und das waren keine kleinen Fische.
Nachdem wir den letzten Tempel besichtigt hatten, gingen wir zurück zur Ueno-Station und landeten prompt auf einer Straße mit vielen kleinen Ramschläden, Marktschreiern und kleinen japanischen Lokalen. Es war voll und laut. Obwohl wir unser Mittag dort mit Hand und Fuß bestellten bekamen wir ein leckeres Essen.
Als nächstes machten wir Halt in Asakusa um den Sensoji-Tempel Hinter dem Hozomon-Tor (Eingangstor) gelangte man direkt auf die Nakamise-Shopping-Street. Nicht nur voll, sondern sehrsehr voll, obwohl auch hier nur Krimskrams verkauft wurde. Der Tempel war demzufolge nicht weniger voll.
Als letzten Abstecher haben wir noch kurz auf der Elektromeile Halt gemacht.
Nikko
Leider kein Text mehr vorhanden. An was erinnern wir uns:
- Coole Anreise mi Shinkansen und Bummelbahn
- Riesige Tempelanlage
- Nieselwetter, dadurch waren wir aber fast alleine
- Gruseliges Mittag, gebratene Reisbällchen und Reiskuchen… – aber leckerer, süßer Nachtisch
- Nichts hören, nichts sagen, nichts sehen
- Bonsais
- Super tolle Anlage – Tempel und Park im Wald
Der Kaiser & die Sünde
Zuerst sind wir zu den Roppongi Hills gefahren. Wer jetzt Berge erwartet…neeee. Es handelt sich hier um einen großen Komplex aus Kinos, Einkaufszentren, Restaurants usw. Leider sind jegliche Geschäfte wohl auf die wohlhabende Schicht ausgelegt. Daher sind wir relativ schnell weiter gezogen. Die Aussichtsplattform mit 360° Panoramablick haben wir uns aufgrund der starken Bevölkerung gespart.
Mit der U-Bahn sind wir also Richtung Chiyoda-Ku. Gleich am Anfang des Parks konnten wir einen Blick auf die berühmte Doppelbrücke „Niju-Bashi“ und den auf einer Anhöhe stehenden Kaiserpalast werfen. Näher ran ist jedoch nicht erlaubt. Das Areal um den Kaiserpalast ist jedoch teilweise begehbar – der sogenannte Higashi-Gyoen (Ostteil des kaiserlichen Palastgartens). Ein großer Park, wer hätte es gedacht, im japanischen Stil. Einige Überbleibsel aus der Edo-Zeit sind jedoch noch vorhanden.
Da der Hunger langsam aufkam und das Wetter auch wieder trocken wurde, entschlossen wir nochmals nach Shinjuku zu fahren. Shinjuku ist zum einen für den Bahnhof, als auch für die Golden Gai bekannt. Die Golden Gai ist sozusagen die Fressmeile. Auch das größte Rotlichtviertel Ostasiens befindet sich gleich nebenan. Bis zur Golden Gai haben wir es nicht geschafft, sondern sind mitten ins Rotlichtviertel gelaufen.
Da ist die Reeperbahn ein Witz gegen. Neben Massen von Leuchtreklamen wurden an den Gebäuden die Prostituierten, weiblich & männlich mit Bildern abgebildet, das man direkt beim Vorbeilaufen sich jemanden raussuchen kann, davon mal ab, dass die männlichen in meinen Augen alle gleich aussahen, müssen den gleichen Frisör haben.
Na jedenfalls wollten wir schnell was essen und um aus dem Wirrwarr rauszukommen liefen wir Richtung Bahnhof. Aber halt, da war das große gelbe M. Also saßen wir im zweiten Stock am Fenster eines McDonalds im Rotlichtviertel mit Blick auf das bunte Treiben unten. Keine Sorge, es war Draußen noch hell, daher war nur ein Gewusel unten zu sehen, aber man konnte sehen wer die leichten Jungs und Mädels waren.
Warum McDonalds? Japanisches Essen ist ja gut und schön, aber manchmal ist „altbewährtes“ nicht so schlecht. Es fängt bereits beim japanischen Frühstück an. Reis, Miso-Soup, Salat, rohe Eier… für einen ollen Deutschen wie uns nur schwer vorstellbar. Glücklicherweise gibt es noch Buttercroissants und Erdbeermarmelade. Mittags gab es bis jetzt immer was traditionell Japanisches. Reis, Fleisch, Ei, Kohl usw. Gestern z.B. gebratene Sojareisbällchen und für Stefan eine Art Reiskuchen. Das stellte sich als gummiartige Masse dar, die im Mund immer mehr wurde. Abends gab‘s in ner kleinen Kneipe frische Yakitori-Spieße. Essen bestellt man hier nach Bildern, in gebrochenem Englisch oder anhand von Plastikdarstellungen der Menüs, schräg, aber funktioniert irgendwie, genaueres dazu dann, wenn wir wieder im Lande sind.
Fischmarkt und Kamakura
Leider kein Text mehr vorhanden. An was erinnern wir uns:
- Fischmarkt am Morgen, viele komische Tiere und riesige Thunfische
- Lange Anreise mit Bummelbahn durch den Speckgürtel Tokyos (Industriestädte wie Yokohama)
- Viele tolle Tempelanlagen und Buddhas
- Viele Menschen
- Das erste mal Füße in den Pazifik halten
- Gutes Essen
Über Nagoya nach Osaka
Leider kein Text mehr vorhanden. An was erinnern wir uns:
- Nur wenige Kilometer von Fuji entfernt, aber dank Nebel auf der Zugfahrt nur wenige Meter Sicht
- Große Burg in Nagoya – das Gepäck hatten wir am Bahnhof eingeschlossen
- Shinkansen sind sehr bequem und super schnell
- Toller Sonnenuntergang
Kyoto
Der Schinkansen brachte uns am Freitag von Osaka nach Kyoto. Fahrzeit etwa 20 Minuten. Unser Plan für den Tag war sehr voll. Also begaben wir uns von dem riesigen Bahnhof Richtung östliches Kyoto zum Higashi-Honganji-Tempel. Die Haupthalle, derzeit verhüllt von Außen, ist die größte Holzkonstruktion Kyotos, vieles innerhalb des Tempels wurde bereits restauriert, gut erkennbar beispielsweise an den weißen Verzierungen der Deckenbalken.
Nach einer kleinen Irrfahrt im Taxi kamen wir am Nishi-Otani-Mausoleum an. Nishi steht im Übrigen für „West“. Es gibt nämlich an den Berghängen von Kyoto auch ein Higashi-Otani-Mausoleum. Higasha steht also für „ostlich“.
Auf dem Weg zum Kiyomizu-Dera-Tempel sind wir den Aufstieg links des Mausoleums gegangen und somit über den riesigen Friedhof von Kyoto gelaufen, der halbe Berg war damit bedeckt.
Auf dem Berg angekommen sind wir zur farbenprächtigen Pagode, Glockenturm, Haupttor und zur kleinen Halle gegangen. Ein fantastischer Blick auf Kyoto war somit auch inklusive.
Nach einem kleinen Bummel und dem Mittag sind wir weiter Richtung Yasaka-Pagode und den dazugehörigen Tempel. Kurz vor der Pagode in einer kleineren Seitenstraße kam uns dann die erste Geisha des Tages entgegen. Netterweise hat sie etwas später für zwei Touristen posiert und Stefan hat das tolle Bild dann gemacht.
Nach dem spannenden Moment sind wir weiter Richtung Kodaiji-Tempel. Eine große Anlage mit einem schönen Garten. Nachdem die Zeit schon weg war und wir vor dem geschlossenen Tor des Shoren-in-Tempels standen, ließen wir uns von einem Taxi in das Geisha-Viertel fahren. Eine lange Gasse mit roten Laternen war das erste Ziel, es ist die Pontocho-Dori. Es ist einer der Plätze Kyotos, wo die Geisha-Häuser stehen. Nachdem dort keine Geisha oder Maiko (Geisha in der Ausbildung) zu sehen war, liefen wir weiter Richtung Gion. Gion ist sozusagen „das Geisha-Viertel“. Gleich als wir in die Straße einbogen, lief die erste auf uns zu. 2 Minuten später schon die Nächste. So gingen wir wie die Paparazzi auf die Jagd. Wir hatten an diesem Abend glück, denn wir sahen bestimmt 15 verschiedene Maikos und Geishas. Leider wollten unsere Fotoapparate nicht so richtig, nichts desto trotz war es toll diese Wesen aus einer anderen Welt mal in Echt und Farbe zu sehen.
Weltkulturerbe Nara
Nach Fahrt mit dem Bummelzug von Osaka aus kamen wir etwa eine Stunde später in der Stadt Nara an. Eine langgestreckte Straße vom Bahnhof führte zu unserem ersten Ziel, dem Sarusawa-Ike See. Auf der Wasseroberfläche sollte sich die fünfstöckige Pagode widerspiegeln. Leider war es gar nicht so leicht das Bild einzufangen.
Vom See aus ging es leicht bergauf zur dreistöckigen Pagode und der 8-eckigen halle aus dem 16ten Jahrhundert. Beides gehört zum Kofukuji-Tempel.
Vom Kofukuji-Tempel aus sind wir weiter Richtung Todai-Ji-Tempel. Das Südtor, Nandaimon, wurde im 12. Jahrhundert erbaut und gehört mit zum Weltkulturerbe. In den Nischen stehen zwei, etwa 8 Meter hohe, aus Holz geschnitzte Statuen. Der Weg führte durch einen kleinen Park in die große Halle mit dem riesigen Buddha. Alleine die Halle war einfach riesig, der Buddha ist 12 Meter hoch, 1200 Jahre alt, 550 Tonnen schwer und ist die größte Bronzestatue der Welt, außen rum waren rechts und links zwei riesige Statuen aus Gold und Holz.
Die nächsten Stationen waren die Sangatsu-Halle, leider auch im Baustellenzustand, mit einigen alten Figuren und Statuen. Die Nigatsu-Do-Halle war zwar für die Öffentlichkeit gesperrt, aber am Geländer durfte man entlanggehen. Von dort konnte man wunderbar auf Nara blicken.
Vorletzte Station war ein eher weniger besuchter, aber dennoch schöner Schrein. Die bunten Farben des Tamukeyama Hachimangu Schreins leuchteten schon von weitem. Ebenso wie der letzte Schrein des Tages. Der Weg zum Kasuga Taisha Schrein wird durch 2000 Steinlaternen begleitet. Im Schrein sind etwa 1000 Bronzelaternen angebracht. Außerdem konnten wir bei einer schintoistischen Hochzeitszeremonie zuschauen.
Das wichtigste zum Schluss: in der ganzen Anlage des Nara-Parks gibt es etwa 1500 zahme Nara-Hirsche, diese laufen, stehen und liegen überall rum, einige waren etwas zickig, aber es sind eben Tiere!
Kyoto²
Heute sind wir extra früh aufgestanden um nochmal richtig loszulegen. Anfangs spielte das Wetter auf dem Weg und bei der Besichtigung des Fushimi Inari Schreins noch mit. Da heute Sonntag ist, war zudem gerade Gebetsstunde. Daher mussten wir etwas mit den Bildergeknipse aufpassen. Am hinteren Ende des Schreins ging es auf einem von 1000 Torii gesäumten Weg durch den Wald in die Berge. Wir sind aufgrund der mangelnden Zeit aber nicht den ganzen Weg gelaufen. Zudem gibt’s hier fiese kleine schwarze Mücken die recht aggressiv auf uns losgingen.
Also fuhren wir wieder Richtung Kyoto um den Kaiserpalast, wo auch heute noch die Inthronisierung stattfindet, zu besichtigen. Schon auf dem Weg fing es wieder an zu regnen, hatten heute aber die falsche Kleidung an und keine Jacken dabei.
Warm war es und es war nur leichter Regen… dennoch war’s im Palastgarten extrem ruhig. Aber es schien auch nicht verwunderlich da der Palastzugang heute geschlossen war – somit konnten wir nicht mal einen Blick reinwerfen, da die Eingangstore und die Palastmauer sehr hoch waren.
Also machten wir uns weiter zur Burg Nijo. Diese sah jedoch weniger wie eine Burg aus. Sie galt allgemein als Residenz der Shogune. Im äußeren Palast gab es 5 Räume mit sehr alten Wand- und Deckenmalereien zu besichtigen. Interessanterweise gab es auch im 17. Jahrhundert bereits schlaue Bauherren. Die Hauptgebäude sind mit sogenannten „Nachtigallenböden“ ausgestattet, die bei jedem auftreten quietschen. Die funktionieren sogar noch.
Da uns das Bargeld ausging und es auch schon wieder recht spät wurde sind wir nochmal zum Bahnhof um Bargeld zu holen. Da der Regen mittlerweile in ein Gießen übergegangen ist, sind wir noch ein wenig shoppen gewesen im Bahnhof und dann zurück nach Osaka. Schade, denn eigentlich wollten wir uns den Shoren-In Tempel noch anschauen und nochmal ins Geisha-Viertel.
Hätten wir das mit dem Kaiserpalast vorher gewusst… na wie dem auch sei, später am Abend sind wir noch zur 2,6km langen! Einkaufsstraße gegangen um etwas zu bummeln, aber auch da war alles bereits zu.
Das war wohl heute nicht unser Tag. Morgen geht’s dann nochmal nach Osaka rein zur Burg, eventuell noch zu einem Schrein und am späteren Abend dann Richtung Flughafen.
Wir melden uns also spätestens aus Deutschland am 5.10. wieder (dann hoffentlich wieder etwas gesünder, Klimaanlagen sind doch echt ätzend!).









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