Von der Rems an die Jagst
Vollgeladen und bei bestem Wetter fuhren wir also am Samstag los – natürlich mit offenem Verdeck, das sich bei diesem Wetterchen natürlich anbot. Gegen den Sonnenbrand auf dem Kopf waren wir mit Tuch und Mütze ebenfalls ausgestattet, wobei ich sagen muss, dass ich da auf jeden Fall eine Alternative brauche, aber ne Baseballkappe auch doof finde. Wer also einen netten Tipp für ne Kopfbedeckung im Cabrio hat, der lasse es mich gerne wissen.
Okay, wie auch immer, eigentlich soll es ja auch gar nicht so wirklich um die Kopfbedeckung gehen, sondern um unseren Kurztrip. Daher wollen wir mal loslegen. Stefan hatte eine schöne Route abseits der Bundesstraße rausgesucht, die uns als erstes in die Nähe von Rudersberg führte. Dort gibt es einen schönen Aussichtspunkt, der sich passenderweise „Haube“ nennt. Denn wie ein kleines Sahnehäubchen lag der kleine Hügel auf der Wiese. Erst fuhren wir einen Ticken zu weiter, aber mit dem Smart eine Kehrtwende zu machen ist ja ein leichtes. Also schnurstracks umgedreht und auf dem kleinen Parkplatz unterhalb der Kuppe angehalten. Mit der Kamera im Gepäck stiefelten wir den breiten Weg vorbei am Mais zur Haube und genossen den 360° Blick über das Remstal und alles was da noch so lag. Am Horizont war es zwar ein bisschen diesig, aber das ist grade wohl eher der Standard, wie wir am nächsten Tag feststellen sollten.

Um unser Auto zwischendurch aufzutanken, hatten wir uns die Weltstadt Gaildorf ausgesucht. Auf dem Weg dorthin mussten wir aber nochmal voll in die Eisen gehen, denn am Straßenrand stand ein recht unscheinbares Schild, auf dem Eis to Go angepriesen wurde. Also drehten wir in einer Minihaltebucht und fuhren zum Dornwiesenhof in Mittelrot, wo es sehr gutes Eis gab, dass wir direkt auf dem Hof noch auffutterten. Der Hof ist ein klassischer Hof mit Milchkühen gewesen und es waren sogar ein paar Kälber in den Ställen. Frisch geschlüpft, so wie die noch aussahen. Und das Eis, das war bombe! Stefan hatte Heidelbeere-Joghurt, ich Buttermilch-Zitrone (schmackofatz)!
Nachdem das Eis vertilgt war fuhren wir weiter nach Gaildorf, quasi um die Ecke vom Dornwiesenhof gelegen und hängten dort unser Auto an die Tankstelle und stiefelten in die Stadt, eigentlich um noch ein Eis zu essen, doch es gab keinen Schwarzwald-Becher!!! So ein Frevel! Also gingen wir in das SchlossWerk, dass direkt unterhalb des Gaildorfer Schlosses lag. Leider konnten wir das Schloss nicht besichtigen, da gerade umfangreiche Sanierungen und Instandhaltungen vorgenommen wurden. Doch im SchlossWerk saßen wir zwischen dem ehemaligen Cafe des Schlosses und einem anderen Teil des Schlosses, dessen Name uns jedoch nicht bekannt ist. Wir aßen dann auch was warmes, einen Bauernteller (auf jut deutsch, ein Bauernfrühstück – und wer das nicht kennt, einfach mal googln) und Mauldaschn.
Danach ging es zurück zum Auto und wir hatten als nächstes den „Mittelpunkt der Erde“ auf der Karte. Leider floppte das kolossal, weil wir diesen Punkt einfach nicht finden konnten. Haben wir uns entweder doof angestellt oder irgendwer hat uns auf Google so richtig schön gefoppt. Sei´s drum, wir fanden dafür auf der Karte was anderes. Nämlich den Altenbergturm. Auf dem Parkplatz vor dem Turm waren wir das einzige Auto und wir hatten Glück, es sollte auch oben auf dem Berg nix los sein 🙂 Wir hatten quasi den Turm für uns. Vorher aber mussten wir noch einen kleinen Fußmarsch auf die Bergkuppe absolvieren und wurden umschwirrt von Schmetterlingen. Zum Beispiel vom Kaisermantel, der sich an der großen Blütenpracht austobte oder vom Russischen Bär (keine Angst, ist auch nur ein Schmetterling), der es sich auf einer Blüte bequem gemacht hatte. Anfangs sah der Russische Bär wie eine Motte aus, recht gut getarnt, später zeigte dieser aber sein Unterkleid, das schön rot war und einen tollen Kontrast bot.

Schon noch ein Stückchen entfernt sahen wir schon den architektonisch recht ansprechenden Turm, der Stefan unbedingt besteigen wollte. Ich war eher für ein NEIN – ICH GEH DA NICHT HOCH zu haben. Am Ende stand ich doch oben, mit schlotternden Knien und zittrigen Händen, aber geschafft und die Aussicht war super. So weit das Auge reicht konnte man Wald, Hügel und kleine Städtchen sehen. Ein Rundumblick der die Mühen des Aufstiegs auf den 36 m hohen Turm vergessen ließ. Das dumme an der Sache jedoch war, dass ich ja auch wieder runter musste. Und das ist nicht so einfach, wenn man eigentlich nicht runtergucken will um durch die Stufen schauen zu können. Ihr wisst schon was ich meine, oder? Zum Glück waren die Stufen nicht komplett aus Gitter und hatte nur kleine Löcher, so dass ich halbwegs unbeschadet wieder festen Boden unter den Füßen hatte irgendwann.

Wieder unten angekommen wankte ich quasi zum Auto und da es doch schon recht spät wurde, fuhren wir auf direktem Weg nach Ellwangen in unser Hotel, das etwas außerhalb der Stadt lag. Es war nämlich ein Landhotel und wie sich das gehört, war genau neben an der Kuhstall 🙂
Da wir im Hotel keinen Außenplatz für das Abendessen bekamen, sind wir zurück nach Ellwangen gefahren und haben dort unser Auto an die Tankstelle gebracht und sind in der kleinen Innenstadt rumgestreunert und haben uns unter anderem die evangelische Jesuitenkirche, die direkt an die Basilika St. Vitus angrenzt und durch eine Verbindungstür miteinander verbunden sind, angeschaut. In die Basilika konnten wir zu „später“ Stunde nicht rein, da dort ein Gottesdienst lief. Fand ich jetzt etwas schräg am Samstagabend, aber mir fiel dann am Sonntag ein, das ja Mariä Himmelfahrt war. Also wird es schon einen Grund gegeben haben für den späten Gottesdienst. Da man diesen auch nicht stört, sind wir weiter gezogen vorbei am Amtsgericht, das in einem sehr alten Gebäude untergebracht war und an vielen weiteren hübsch hergerichteten Häuschen bis wir einen Platz in einem Restaurant ergattert hatten. Dort aßen wir dann gemütlich zu Abend und suchten anschließend noch den Eisladen, wo die Leute selbst um die später Uhrzeit noch anstanden. Mit dem Eis in der Hand ging es dann zurück ins Hotel, wo wir dann auch auf der Terrasse den Abend gemütlich bei einem Glas Wein ausklingen lassen konnten.
Und so beim Schreiben merke ich mal wieder, dass ich viel zu viel schreibe oder weil wir so viele tolle Kleinigkeiten erlebt haben? Nun aber schnell weiter im Text!
Von der Jagst zurück an die Rems
Ok, ich gebe zu, der Samstag war weitaus aktiver als der Sonntag, lag aber daran, dass uns wohl das Essen etwas schwer im Magen lag. Aber fangen wir einfach mal an…
Nach einem guten Frühstück, schnappten wir uns Täschchen und fuhren direkt zur Wallfahrtskirche Schönenberg oberhalb von Ellwangen, da diese um 10 auch schon geöffnet war, im Gegensatz zum Schloss, dass laut Auskunft erst um 10.30 öffnen sollte. Also fuhren wir eine kleine Strecke und sahen schon von weitem die Türme. Komischerweise waren wir nicht alleine, sondern viele Leute kamen mit dem Auto gerade mit uns an. Wir parkten unser Vehikel und liefen den Leuten nach, doch dann standen wir auf einmal auf dem Friedhof. Den Weg wollten wir nun aber nicht gehen, um zur Kirche zu kommen, also bogen wir um und gingen an der Straße entlang und sahen immer mehr Menschen, unter anderem mit Blumen und Klappstühlen bewaffnet. So richtig klar wurde uns erst, was los war, als wir das Schild sahen, auf dem groß drauf stand, dass um 10.30 Uhr Messe ist. Hätten wir uns ja auch gleich denken können. Doch anders als gedacht liefen die Leute nicht in die Kirche, sondern nahmen an einem steilen Hang Platz – entweder auf der freien Wiese, mit Decke und Sonnenschirm oder unter den Schatten spendenden Bäumen. Am unteren Ende des Hangs war eine kleine Bühne aufgebaut, von wo aus der Gottesdienst abgehalten wurde. Noch bevor dieser offiziell los ging schlüpften wir in die Kirche und schauten uns, durchaus staunend, um. Neben der Deckenbemalung war vor allem die offene Krypta eher ungewöhnlich. Wieder draußen gesellten wir uns an den Rand der Bäume und sahen noch den Einzug des Priesters und zogen dann weiter Richtung Schloss ob Ellwangen.

Am Schloss angekommen machten wir uns auf den Weg uns das weitläufige Gelände anzuschauen und alles genausten zu inspizieren. Leider sind die Öffnungszeiten Corona-bedingt doch anders als erhofft und das Schloss er ab Mittag zu besichtigen. In das Schlossinnere konnten wir zwar reingehen, so dass wir eine schön restaurierte Treppe und restaurierte Decken- und Wandbemalung sehen konnten, dann aber eben vor verschlossenen Türen des Museums standen. Schade, wir hätten uns das gerne angeschaut. So blieben uns aber die gut erhaltenen Außengebäude, unter anderem ein riesiger Ofen mit ganzen 23 m Höhe (Was muss das für eine verrückt große Küche gewesen sein :)), das ehemalige Brauhaus, die Stallungen für Droschken und Kutschen oder die großen Stallungen, die vor knapp 40 Jahren nach einem Brand komplett neu aufgebaut werden mussten. Einige verschiedene Gärten konnten wir ebenfalls anschauen. Einer wurde Jérôme Bonaparte und seiner Frau Katharina von Württemberg gewidmet. Jerome ist ein jüngerer Bruder von Napoleon und nach der verlorenen Schlacht von Waterloo zogen Katharine und Jerome nach Ellwangen, das als gefängnisartiges Schloss galt, so dass sie gut überwacht werden konnten. Vorher wurden beide im Schloss Göppingen (quasi auch um die Ecke) untergebracht, dass aber nicht genügend Schutz bieten konnten.

Nun denn, wir wollen ja niemanden mit langweiliger Geschichte – oder doch nicht – behelligen, deswegen hopsen wir weiter Richtung Ellwanger Innenstadt zum Zweiten. Denn die Basilika war am Vortag durch einen Gottesdienst nicht zugänglich, also versuchten wir es am Sonntag nochmal und hatten Glück und konnten uns in Ruhe umschauen. Danach gab´s noch einen Abstecher in die Eisdiele und dann ging es auch schon weiter, denn wir hatten noch ein zwei Ziele in der Umgebung auf dem Zettel. Zum Beispiel Schloss Fachsenfeld. Vorher kamen wir aber durch Zufall an einer Burg in Niederalfingen vorbei, die wir eigentlich aus dem Augenwinkel auf dem Berg erspäht hatten. Wir fuhren die 18% Steigung mit unserem Flitzi hoch und schauten uns in der recht gut erhaltenen Burg um, die unter anderem auch als Jugendherberge dient.

Da uns, aber vor allem mir, der Bauch vehement drückte, entschlossen wir uns, nun doch auf die Bundesstraße zu wechseln und auf direktem Weg nach hause zu fahren. Schloss Fachsenfeld ist aber weiterhin auf der Liste, denn die Stadt Aalen soll man sich auch mal anschauen, vor allem auch das Limes Museum. Somit ist ein mögliches weiteres Wochenendziel schon mal gesetzt 🙂
Bis dahin müsst ihr nun aber mit dem „altem“ Material vorlieb nehmen. Es folgt in den kommenden Tagen unser Ausflug nach Wäschenbeuren, Blaubeuren und zu guter Letzt dann das Taubertal. Aber jetzt ist erstmal ein Wochenende zu hause geplant. Unsere nächste „größere“ Reise wird uns in die Eifel führen, aber dazu dann zu gegebenem Zeitpunkt mehr 🙂









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