Heute geht´s in die Stadt, in der bereits Jack Ma (Gründer von Alibaba) ein riesen Imperium zusammengebastelt hat. Wer Jack Ma nicht kennt, keine Angst, er wird im Bericht nicht weiter erwähnt. Ist halt ein kleiner reicher Chinese und betreibt sozusagen das chinesische Pendant zu Amazon.
Also, es geht um Hangzhou! Sie ist die Hauptstadt der Provinz Zhejiang. Die Stadt liegt ca. 200km vor Shanghai, hat ca. 8 Millionen Einwohner und gilt mit seinem Westlake zu einer der schönsten Städte Chinas. Im September wird unsere Kanzlerin Hangzhou im Zuge des G20 Gipfels einen Besuch abstatten. Das proklamierten zumindest die vielen vielen Plakate. Die Stadt wird also gut vorbereitet. Wir (Sybille und ich) haben uns auch gut vorbereitet. Zugtickets gebucht, ein kleines Hotel für günstiges Geld erstanden. Nun musste es nur klappen, dass wir Samstag früh beide rechtzeitig in Hongqiao eintreffen. Hongqiao ist einer der größeren Bahnhöfe von Shanghai, unter anderem gibt es in Hongqiao auch einen Flughafen, der vor allem für die nationalen Flüge genutzt wird, das aber nur als Randnotiz.
Am 14. Mai war´s dann soweit. Unser Zug ging recht früh und wir mussten unsere Tickets erst an einem Schalter abholen. Ein Gewusel an dem Bahnhof und so riesig…Aber wir haben es geschafft uns die Tickets rechtzeitig zu holen und uns noch schnell was zwischen die Kiemen zu schieben. Hurtig ging es dann zu unserem Gleiß und wir hüpften in den Zug und mussten erstmal die Chinesen, die unseren Platz besetzten, verscheuchen. Knapp eine Stunde später waren wir auch schon in Hangzhou. Problem war, dass wir total planlos waren. Die Beschilderung war leider nicht sehr hilfreich, in der Regel auch nur chinesisch, also nicht in Pinyin-Umschrift. So wurde es eine richtige Tortour, herauszubekommen, wie wir am Besten zu den Teeplantagen kommen, wo wir eigentlich ja hinwollten. Nachdem uns niemand verstanden hatte, haben wir eine Adresse im Internet rausgesucht und einem der Busfahrer gezeigt, der uns dann die Adresse und Busnummer auf einen Zettel geschrieben hatte. Mit dem Zettel bewaffnet, stiegen wir in die richtige Nummer. Nach mehreren Haltestellen und einem immer vollerem Bus, hielt er abermals an einer Station. Da wir weder wussten, wo wir raus müssen, noch irgendwas lesen konnten (BUS VOLL)…blieben wir einfach eisern stehen. Der Bus ruckelte los und hielt dann nochmal. Der Busfahrer rief was und alle Augenpaare im Bus waren auf uns zwei gerichtet. Irgendwie bugsierten die Passagiere uns aus dem Bus, wir mussten umsteigen. Aber woher wissen?…Dann haben wir uns auf die Suche nach einer Touristeninfo gemacht und auch gefunden. Dort stand zumindest die richtige Busnummer und Haltestelle in einem der Reiseführer. Also sind wir wieder zurück zur Bushaltestelle und warteten…warteten…und warteten abermals, doch der verfluchte Bus kam nicht.. Nachdem wir rausbekommen hatten, dass der nur alle Stunde fährt, haben wir schon bisschen schiss bekommen. Es kamen dann gleich mehrmals die gleiche Nummer, doch die fuhren einfach weiter, weil die schon so brechend voll waren, dass da niemand mehr reingepasst hätte. Wir warfen unseren ursprünglichen Plan über Bord und suchten uns eine andere Teeplantage aus und schnappten uns einen anderen Bus, der erstaunlich leer war!
Nach der ruckeligen Fahrt kamen wir an einem Teemuseum vorbei, und wussten, dass wir nicht falsch waren. Nach einer etwas längeren Steigung ging es hinauf in die Teeberge. Wir stiegen aus und wuselten uns durch ein kleines Dorf, um auf die Teeplantagen zu gelangen. Am Straßenrand und vor den Häusern standen unzählige Verkäufer, die ihren Tee feil boten. In großen silbernen Bottichen wurde der frische Tee gewendet und gedreht. Viele kleine Cafés luden ein, direkt einen Aufguss machen zu lassen. Da es aber schon warm genug war (wobei schwül trifft es eher), haben wir die Cafés am Straßenrand liegen lassen. In den Plantagen angekommen war ich mir nicht mehr so sicher, ob es mich nun begeistert oder nicht. Ein Großteil war bereits geerntet und die Sicht war eher mäßig. Dennoch sind wir zumindest ein paar Schritt gelaufen und schwammen mit ein paar chinesischen Wandergruppen, die aber glücklicherweise weiter den Berg raufkrackselten. Wir haben uns einen kleinen Unterstand gesucht und die Landschaft auf uns wirken lassen.
Nach der kleinen Verschnaufpause sind wir wieder runter ins Dorf und sind noch ein paar Schritte in den Berg hinein gelaufen. Ein Fluss ohne Brücke wurde zum Hinderniss, da zwar Steine im Wasser lagen, jedoch nur von einer Richtung aus begehbar. Und blöderweise, grade als wir wieder zurück wollten, kamen gefühlte 20 Reisegruppen….Und nein, man lässt lieber 100 Leute durch, als 5!!!! Dementsprechend haben wir uns über ein paar Steine, die sehr glitschig waren, auf der anderen Seite, den Weg zurück ins Dorf erkämpft. Dort haben wir uns noch was zu essen an einem Stand gekauft. In einem silbernen großen Ofen wurden Fladen an die Innenwand geklebt. Diese waren mit einer Mixtur aus Gewürzen und Hack gefüllt. Und mit ein bisschen scharf 🙂 Gut war es allemal.
Mit dem Bus sind wir dann wieder in Richtung Hangzhou gefahren und haben uns von einem Taxi zum Hotel bringen lassen. Ein kleines Ding mit grade mal 5 Zimmern. Mit Händen und Füssen haben wir das Einchecken hinbekommen, denn von den Betreibern konnte nur eine der zwei Mädels englisch. Nachdem wir hier noch ein kurzes Verschnaufpäuschen gemacht haben, sind wir nochmal Richtung Innenstadt. Mit einem ausgedehnten Spaziergang am Westlake, inkl. Sonnenuntergang, landeten wir im Lü Cha Restaurant – OK, inkl. halbe Stunde vorm Restaurant warten. Wir sind nämlich genau zur Abendessenzeit dort angekommen. Lü Cha = grüner Tee. Mit vollem Bauch sind wir noch mit einem Lü-Cha-Eis beim McDonald auf Taxisuche gegangen. OH JE…nichts zu holen. Da unser Hotel etwas außerhalb lag, wollten die paar freien Taxen die es überhaupt gab, uns nicht fahren. Nachdem wir dann endlich einen am Wickel hatten, haben wir ihn förmlich angebettelt. Zwar mussten wir bedeutend mehr zahlen, als gewollt, aber für deutsche Verhältnisse wäre das immer noch nen Spotpreis. Der Taxometer war bereits über 300 RMB als wir rein sind. Egal, auf ging die wilde Fahrt. Und nach einem Telefonat mit unserem Hotel hat uns der Fahrer genau vor dem Hotel abgesetzt! Immerhin 🙂 Totmüde sind wir nach dem langen Tag dann ins Bett gefallen und am nächsten Morgen mit einem überaus reichhaltigem Frühstück (Vorsicht, Ironie :)) aufgestanden.
Auf dem Plan stand der Lingyin Tempel, eines der größten und auch wohlhabensten Klöster Chinas. Es handelt sich um einen zen-buddhistischen Tempel, der bereits 328 in der sogenannten Jin-Dynastie von einem indischen Missionar gegründet wurde. Um 1000 n.Chr. hatte das Kloster seine Blütezeit und beherbergte ca. 3000 Mönche. Über 250 Hallen, 18 Pavillions und 9 Türme umfasste das frühere Gelände. Bei einem Aufstand im 19 Jhd. wurde die Anlage jedoch fast vollständig zerstört. Erst im 20ten wurde das Kloster wieder aufgebaut und in den 70ern für Besucher wiedereröffnet.
Um zu den Tempeln zu gelangen, kommt man an vielen in den Berg gehauen Statuen und Buddha-Figuren vorbei, Einer davon ist der lachende Buddha. Es sind insg. etwas 400 (!!!) Felsskulpturen und auch in einigen Höhlen wurden die Skulpturen in den Fels gehauen. 5 Hallen im Inneren der Tempelanlage sind von hoher Bedeutung. Aber da das immer recht ausufernd wird, schreibe ich die jeweiligen Namen in Bildergalerie. 🙂 Jedenfalls sind wir viel gelaufen, alles konnte man aber gar nicht schaffen. Wir sind aber noch etwas den Berg hochgelaufen, wo ein von den Mönchen betriebenes Restaurant angelegt wurde. Aussderdem besitzen die Mönche ihre eigene Teeplantage. Klar, oder? 🙂 Von der obersten Tempelanlage konnte man über den Westlake bis nach Hangzhou gucken! Immerhin 10 km entfernt. Das spricht für halbwegs gute Luft 🙂
Also los jetzt, Bilder her!
Teeplantage und Westlake
Lingyin-Tempel
Im übrigen handelt es sich bei den Teeplantagen häufig um den „berühmtesten“ Grüntee Chinas, dem sogenannten „Longjingcha“.
Bis dennneeee 🙂









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